In Zukunft vor dem Applaus aktuelle Umfrageergebnisse checken? Oder Haltungscheck vor der Ticketvergabe? - Vielleicht ist die Frage grundsätzlicher: Wozu brauchen politische Diskussionen Live-Publikum im Studio? #Radio und auch @Markus__Lanz zeigen immer wieder: besser ist ohne.*
Nur mit Links geklatscht: Zur Aufregung über das politisch einseitig positionierte Studiopublikum in der @ZDF-Wahlsendung #Schlagabtausch. https://t.co/GmFMZBrgtR
@totalreporter@niggi Ich meinte das gar nicht als Kritik - und weiß natürlich auch nicht, was bei Herrn schmidt den Ausschlag gibt wohin. Ich wollte nur drauf hinweisen, dass man das vieleicht nicht psychologisieren muss, sondern auch als Kunst (nicht) verstehen könnte.
@niggi@totalreporter Weiß nicht, ob er nur „im Zynismus verpanzert“ ist, wenn er unterschiedliche Leute und ihre unterschiedlichen Spins oder Versuche halt unterschiedlich ernst nimmt oder/und unterschiedlich inspirierend findet?
„Ist das Gespräch nicht auch sinnlos, wenn wir als Kunstfiguren aufeinandertreffen?“ @totalreporter hat vergeblich versucht, mit Harald Schmidt ernsthaft und wahrhaftig über Depressionen zu reden. Aber der ist vollständig im Zynismus verpanzert. https://t.co/zQvhKeIdAM (€)
@ricksunch@niggi Er muss gar nix um rumzuranten. Deswegen muss man ihn auch längst nicht mehr lesen - man kann sich das alles genau so oder so ähnlich vorstellen und verpasst nix und spart Zeit, Geld, Hirn und so. Überflüssiger Klick-Bullshit seit langem leider.
Links: Harald Martenstein kritisiert in der „Welt“, wie der „Stern“ über die Krawalle nach dem Sieg von Paris Saint-Germain berichtet hat.
Rechts: Wie die „Welt“ über die Krawalle nach dem Sieg von Paris Saint-Germain berichtet hat.
„Jeder bei Axel Springer achtet darauf, persönliche und private Interessen von denen des Unternehmens zu trennen“, heißt es im Verhaltenskodex der Firma. Aber wenn der „Sparfochs“ von Bild nicht drauf achtet, hat es auch keine Konsequenzen: https://t.co/2clMgUbASg (€)
Interessant. In VWL lernt man normalerweise zuerst, warum reale Märkte gerade nicht dem Lehrbuchmodell entsprechen: unvollständige Informationen, Marktmacht, Externalitäten. Ausgerechnet daraus eine Theorie der Gerechtigkeit abzuleiten, wirkt eher wie Theologie als Ökonomie.
Eigentlich wollte ich zu dieser Wahl kein Wort verlieren. Die inneren Machtfragen einer Drei-Prozent-Partei sind normalerweise kein Ereignis von staatsphilosophischer Tragweite. Doch gelegentlich verdichtet sich in einer Personalentscheidung ein größerer politischer Befund. Der heutige #FDP-Parteitag war ein solcher Moment.
Denn die Entscheidung zwischen @MAStrackZi und Wolfgang Kubicki war weit mehr als eine Abstimmung über zwei Persönlichkeiten. Sie war ein Votum darüber, welches Verständnis von Liberalismus in dieser Partei künftig noch eine Rolle spielen soll. Die FDP hat sich entschieden. Und vielleicht hat sie damit vor allem eines getan: Sie hat einen lange schwelenden Selbstbetrug beendet.
Der Liberalismus gehört zu den großen politischen Emanzipationsbewegungen der Moderne. Sein historischer Kern war nie die Verherrlichung des Marktes. Er war die Befreiung des Individuums aus den Fesseln von Herkunft, Stand, Willkür und Machtkonzentration. Liberale kämpften für Rechtsstaatlichkeit, Bürgerrechte, Bildungsaufstieg und die Idee, dass Freiheit mehr bedeutet als die bloße Abwesenheit staatlicher Eingriffe.
Ralf Dahrendorf verstand Freiheit deshalb stets als die Existenz realer Lebenschancen. Freiheit ohne Zugang zu Bildung, Teilhabe und sozialem Aufstieg war für ihn kein liberales Ideal, sondern eine rhetorische Leerformel. Genau an diesem Punkt beginnt die Tragödie der heutigen FDP.
Über Jahrzehnte hat sie den Liberalismus schrittweise auf eine ökonomische Restgröße reduziert. Aus der Verteidigung individueller Freiheit wurde die Verteidigung wirtschaftlicher Freiheit. Aus einer politischen Philosophie wurde eine Steuerlehre. Aus einer Partei mit gesellschaftlichem Gestaltungsanspruch eine Interessenvertretung mit angeschlossenem Grundsatzprogramm.
Das eigentliche Problem dabei ist nicht einmal die Einseitigkeit dieser Perspektive. Das Problem ist ihre intellektuelle Erschöpfung. Die großen Fragen unserer Zeit – soziale Mobilität, Bildungsgerechtigkeit, demokratische Resilienz, technologische Machtkonzentration, gesellschaftlicher Zusammenhalt – verlangen nach einem Liberalismus, der Antworten auf die Bedingungen von Freiheit formuliert. Die FDP antwortet darauf seit Jahren mit den immer gleichen Reflexen: weniger Regulierung, niedrigere Steuern, mehr Markt. Man gewinnt den Eindruck, eine Partei habe ihre Instrumente mit ihren Zielen verwechselt.
Vor diesem Hintergrund besitzt die Wahl Kubickis eine beinahe symbolische Konsequenz. Er verkörpert nicht den Aufbruch einer politischen Idee, sondern ihre Beharrungskraft. Nicht die Weiterentwicklung des Liberalismus, sondern seine Verwandlung in eine politische Folklore. In ihm triumphiert nicht die Zukunft über die Vergangenheit, sondern die Gewohnheit über die Erkenntnis.
Die bemerkenswerte Ironie besteht darin, dass sich eine Partei, die einst angetreten war, starre gesellschaftliche Strukturen aufzubrechen, heute selbst wie eine Gefangene ihrer eigenen Dogmen wirkt. Sie verteidigt mit großer Leidenschaft Antworten auf Fragen, die kaum noch jemand stellt, und übersieht dabei die Fragen, die längst den politischen Alltag bestimmen.
Die Niederlage von Strack-Zimmermann ist deshalb weniger wegen ihrer Person bedeutsam als wegen dessen, was sie symbolisiert: die Absage an die Möglichkeit, den Liberalismus wieder breiter, gesellschaftlicher und intellektuell anspruchsvoller zu denken.
Man muss darüber nicht einmal besonders enttäuscht sein. Parteien haben das Recht, sich politisch zu irren. Bemerkenswert ist lediglich die Konsequenz, mit der die FDP inzwischen jeden Anlass nutzt, ihre eigene historische Bedeutung auf die Größe ihrer aktuellen Umfragewerte zu reduzieren.
Die vermeintlichen FDP-Freunde hier, die diese Partei zukünftig als Scharnier zwischen CDU und AfD aufstellen wollen, sind exakt dieselben Leute, die schon die strategische Meisterberatung für Lindner in der Ampel abgeliefert haben.
Wer mit einer Kubicki-Hagen-FDP nicht mehr gehen kann, kann sich ja zumindest mal anhören, wie andernorts über Freiheit gesprochen wird:
https://t.co/rviWtIvlmW