Sollten Lehrer Beamte sein? – Ein Erfahrungsbericht (und ein Beispiel unter vielen)
Als ich nach dem Referendariat meine Planstelle angetreten habe, sollte ich ein W-Seminar (Geschichte) in der Oberstufe übernehmen. Dabei verfassen die Schüler über eineinhalb Jahre hinweg eine wissenschaftliche Arbeit und präsentieren am Ende ihre Ergebnisse.
Ein Schüler gab eine Arbeit ab, die in jeder Hinsicht unterirdisch war: Die Fragestellung wurde eigenmächtig und ohne Rücksprache geändert, sodass das Thema inhaltlich am Kern vorbeiging und letztlich nur unhistorisch bearbeitet werden konnte. Einleitung und Schluss fehlten, ebenso wie Fußnoten und ein annähernd nachvollziehbarer wissenschaftlicher Apparat. Es wurde kein einziges wissenschaftliches Werk herangezogen, stattdessen wurde aus unseriösen Internetseiten plagiiert – teilweise so fehlerhaft, dass historische Fakten schlichtweg verdreht wurden. Auch sprachlich war die Arbeit kaum verständlich. Unterm Strich ein Desaster.
Ich habe daher mit 0 Punkten bewertet. Alles andere wäre nicht ansatzweise zu rechtfertigen gewesen. Zur Absicherung habe ich Rücksprache mit dem Fachbetreuer gehalten, der meine Einschätzung teilte.
0 Punkte in der Seminararbeit führen zur Nichtzulassung zum Abitur. Das ist den Schülern bekannt, sie werden seit Beginn der Oberstufe dafür sensibilisiert.
Der Vater des Schülers drohte umgehend mit juristischen Konsequenzen – letztlich natürlich erfolglos –, und die zahlreichen Gespräche waren alles andere als angenehm.
Die Bewertung einer Seminararbeit, die zur Nichtzulassung führt, greift unmittelbar in die Bildungsbiographie eines jungen Menschen ein. Sie ist ein hoheitlicher Akt und genau an dieser Stelle wird die Beamtenfrage konkret.
Der Beamtenstatus ermöglicht es, eine solch weitreichende Entscheidung im Sinne des Dienstherrn und nach fachlichen Maßstäben zu treffen, ohne berufliche Konsequenzen befürchten zu müssen – sofern man korrekt handelt. Einschüchterungsversuche und Druck über Dritte laufen ins Leere, sodass das die Entscheidung sachlich und unbeeinflusst bleiben kann.
Liebe Follower*innen darunter Sozialarbeiter*innen, Journalist*innen, Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und viele engagierte Menschen. Ich muss euch mitteilen, dass das LG Dresden in #sachsen denkt wenn ich was twittere verprügelt ihr Staatsanwälte. https://t.co/CLvPsTjXXs