@relai_app@RichardByworth@julian_liniger Tolle Story. Gibt es auch irgendeine Möglichkeit, den Kram wieder loszuwerden, nachdem man ihn bei euch erworben hat? Seit dem KYC-Irrsinn ist das nämlich unmöglich!
Schön, dass ihr übrigens auf Threads hier antwortet, auf E-Mails aber nicht.
Ein sehr bemerkenswerter Artikel von @drumheadberlin im Weltspiegel. Ich hätte zwei Anmerkungen:
1) Das große psychische Problem von Merz ist immer gewesen, daß er 2002 nicht dem Kampf aufgenommen, sondern vor Angela Merkel den Schwanz eingezogen hat. Das hat ihn dann über 20 Jahre lang verfolgt, deswegen ist er in die Politik zurückgekehrt. Und deshalb war von Anfang an klar, daß ein Mann, der schwerpunktmäßig zwecks Bewältigung eines psychischen Traumas an die Spitze der CDU und der Bundesrepublik will, keine gute Wahl ist.
Angela Merkel und Edmund Stoiber hatten sich bekanntlich beim "Wolfratshausener Frühstück" darauf geeinigt, daß Stoiber 2002 Kanzlerkandidat wurde, Merkel nach der Wahl auf jeden Fall Fraktionsvorsitzende der Union werden würde, egal, wie die Wahl ausgeht. Im Zivilrecht wäre das als "Vertrag zu Lasten Dritter" ausgeschlossen, in der Politik geht es offenbar.
Deshalb mußte Friedrich Merz als Fraktionsvorsitzender weichen und zog sich in der Folge aus der Politik zurück. Aber das war ein Fehler! Er hätte stehenbleiben und sagen müssen: "Ich habe nichts falsch gemacht, ich persönlich habe auch keine Wahl verloren, wer an meine Stelle treten will, muß eben gegen mich kandidieren!". Natürlich wäre er im Ergebnis als Fraktionsvorsitzender abgewählt worden, wenn sich beide Parteivorsitzenden vorher entsprechend geeinigt haben. Aber: es hätten viele auch für ihn gestimmt! Z.B., weil vielen der "Vertrag zu Lasten Dritter" nicht gepaßt hätte, andere hätten eine "Rechnung offen", weil sie sich bei der Vergabe von Posten im neuen Bundestag nicht gehörig berücksichtigt fühlten... - Er hätte so viele Stimmen bekommen, daß man "nicht mehr an ihm vorbeigekonnt" hätte, er hätte künftig mit relativ wichtigen Aufgaben "abgefunden" werden müssen.
Nur, weil er dazu zu feige war, nicht gekämpft hat, weil ihm das Risiko (gewissermaßen: "die Schande"), am Ende abgewählt zu werden, untragbar erschien, konnte er ganz ohne Abfindung vom Fraktionsvorsitzenden zum "Hinterbänkler ohne besondere Aufgaben" degradiert werden. Zu spät wurde ihm wohl klar, daß es eine viel größere Herabsetzung ist, wenn man vom Hof gejagt wird, ohne sich wenigstens eine Abfindung erkämpft zu haben! (Wenn man ganz böse ist, könnte man vermuten: die "ausgelernte Kommunistin" Merkel hatte die feige Ehrpusseligkeit des Kleinbürgers Merz als Waffe gegen ihn selbst eingesetzt – Tschekisten können Leute eben einschätzen...).
2) Was m.E. ebenfalls noch von Interesse wäre, ist seine Tätigkeit für die Rechtsanwaltskanzler Mayer Brown und seine zahlreichen Aufsichtsratsmandate, u.a. bei der deutschen Sparte von Blackrock, wo er sogar Aufsichtsratsvorsitzender war. Also nicht unter dem Gesichtspunkt von Verschwörungstheorien, mit denen ich es nicht habe, nicht in dem Sinne, daß irgendwelche angelsächsischen Finanzmächte Merz "steuern" würden. (Täten sie dies, müßte sein Politik wohl viel besser und weniger desaströs sein!). Aber ich frage mich: was hat er z.B. bei Mayer Brown eigentlich gemacht? Also: für was genau haben die ihm über viele Jahre hinweg etliche Millionen € an Einkommen bezahlt, so daß es u.a. immerhin für 2 Privatflugzeuge reichte?
"Partner" bei Mayer Brown wurde er bereits aus seiner aktiven Tätigkeit als BT-Abgeordneter heraus – als er der Firma wohl faktisch gar keine Arbeitszeit erübrigen konnte. Kann man dort auch "Ehren-Partner" werden und dann als "Voll-Partner" (mit "Super-Gehalt") aktiviert werden, sobald man als Politiker arbeitslos geworden ist? Wäre ja günstig. Mir fiel damals auf, daß er der einzige bei Mayer Brown ohne Dr.-Titel war; eigentlich brauchte man den damals dort, um zum Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Für Merz galten andere Regeln: weder mußt Du (gleich) arbeiten, noch mußt Du Dr. sein, Hauptsache, Du bist "Partner"! (Bei mir wollten die Leute immer, daß ich gelegentlich auch was tue, aber ich bin ja auch nicht Friedrich Merz).
Als Bundeskanzler und CDU-Vorsitzenden sehen wir heute einen Mann, dessen völliges Verhandungs-Ungeschick, dessen Verhandlungs-Unfähigeit so sprichtwörtlich sind, daß man sich doch fragt, wie der ausgerechnet Rechtsanwalt gewesen sein will! Gegenüber der SPD schiebt er immer noch vor Beginn der Verhandlungen seine Gesamt-Verhandlungsmasse als Vorab-Geschenk über den Tisch, um die Stimmung zu lösen! Und ist dann blank. Oder er macht dem sensiblen Lars schon vorab Versprechen entgegen der eigentlichen CDU-Linie, peinlicherweise per SMS, so daß dieser damit drohen kann, die SMS zu zeigen...
Wir sehen ein Mann, der hinter seinem autoritären, barschen Auftreten nur Unsicherheit und Ängstlichkeit etwas angestrengt verbirgt. So daß ihm "immer nur das Schlechte" bleibt: einerseits macht er sich durch sein befehlshaberisches Auftreten jeden Tag neue Feinde – aber Durchsetzen kann er sich trotzdem nicht...
Merzens Karriere "in der Wirtschaft" erinnert mich daher an eine gewisse Besonderheit aus dem alten Europa, vor dem Ersten WK: Da gab es gelegentlich völlig unfähige, nicht selten homosexuelle Männer, die aber zufällig als Fürst von Reichsquark und Cousin des Kaisers geboren worden, und daher – auf dem Papier! – Generäle waren! (Man denke an Prinz Max von Baden – "Bademax" –, der zuletzt als Generalleutnant eingestuft war; es mußte aber immer ein "echter" Laufbahngeneral danebenstehen, der für ihn tätig wurde....). Man fragt sich, ob es solche Leute auch heute noch gibt? Aber Friedrich Merz ist doch eigentlich eher kleinbürgerlicher Herkunft – was hat ihm für Mayer Brown zu einem "Prinzen" gemacht, dem Geld und Ehren zustehen, auch ohne daß er eigentlich etwas "kann"?