Da ist einiges dran: Die Niederlande haben reale Probleme mit Wartezeiten, Eigenbeteiligung und Kostendruck. Gleichzeitig ist die Datenlage etwas differenzierter. Die Basisversicherung ist gesetzlich vorgeschrieben, umfasst u. a. Hausarzt-, Krankenhaus- und Arzneimittelversorgung und muss jeden aufnehmen. Das verpflichtende Eigenrisiko liegt bei 385 € pro Jahr.
Auch die Zusatzversicherung ist weit verbreitet: 2026 haben 80,6 % der Versicherten eine solche Police. Das ist gegenüber früher zurückgegangen, aber keineswegs ein Zeichen dafür, dass die Basisversorgung nur rudimentär wäre.
Kurz gesagt: Die Kritik an Wartezeiten und Eigenbeteiligung ist berechtigt. Aber auch hier lohnt es sich, das gesamte System anzuschauen – mit seinen Schwächen und seinen strukturellen Vorteilen.
Man sollte erst die Tatsachen prüfen, bevor man Untergangsszenarien verbreitet. In den Niederlanden haben nicht über 90, sondern rund 81 Prozent eine Zusatzversicherung – meist für Zähne oder Physiotherapie. Das ist keine automatische Privatbehandlung. Polemik ersetzt keine Sachkenntnis.
Demokratie wird unglaubwürdig, wenn Extremismus danach bewertet wird, aus welcher politischen Richtung er kommt. Wer den Rechtsstaat verteidigen will, muss für alle denselben Maßstab anlegen: gegen politischen Extremismus, gegen Gewalt und gegen Verfassungsfeindlichkeit – von rechts wie von links. Demokratische Grundsätze sind keine Frage der Prozentzahl.
Herr Fratzscher, vielleicht erklären Sie einmal: Warum soll ein Wahltag schlecht für die Demokratie sein, nur weil Ihnen das Ergebnis nicht gefällt? Demokratie heißt nicht, dass die Bürger gefälligst ‚richtig‘ wählen. Sie heißt, dass man auch ein unbequemes Votum respektiert – und sich fragt, warum so viele Menschen so gewählt haben.
Siegerin des Abends‘? Herr Lauterbach, bei einer Wahl entscheidet nicht die Parteifreundschaft, sondern der Wähler. Wenn die SPD nach 39,6 Prozent im Jahr 2021 heute hinter der AfD landet, sollte man nicht Siegerkränze verteilen, sondern das Ergebnis zur Kenntnis nehmen. Demokratie beginnt mit Respekt vor Tatsachen – gerade dann, wenn sie einem nicht gefallen.
Keine Sippenhaft – selbstverständlich. Aber politische Verantwortung beginnt dort, wo man nicht mehr so tut, als sei die Anwesenheit prominenter Vertreter des kriminellen Milieus völlig bedeutungslos. Würde ein solcher Mann auf einer AfD-Wahlparty auftauchen, wäre die Empörung vermutlich grenzenlos. Gleiche Maßstäbe sind keine rechte Forderung, sondern eine Frage politischer Redlichkeit.
Für eine Demokratie gilt ein einfacher Maßstab: Extremismus, Antisemitismus und die Verharmlosung von Terror sind nicht danach zu beurteilen, ob sie von rechts oder von links kommen. Wer nach einem Wahlerfolg der AfD jedes Wort auf die Goldwaage legt, muss denselben Maßstab auch an die Linke anlegen. Demokratie lebt nicht von doppelten Standards. Sie lebt von Konsequenz.
Journalismus ist nicht dazu da, die Wirklichkeit nach politischer Bekömmlichkeit zu sortieren. Wenn Tausende auf dem Frankfurter Römerberg der Opfer gedenken und die großen öffentlich-rechtlichen Nachrichtenredaktionen darüber hinwegsehen, darf man nach ihren Maßstäben fragen. Wer vom Bürger finanziert wird, hat ihm die Wirklichkeit zu zeigen – gerade dort, wo sie unbequem ist. Alles andere ist kein Bildungsauftrag, sondern ein Vertrauensvernichtungsprogramm.
„Demokratisch“ ist eine Wahl nicht erst dann, wenn einem das Ergebnis gefällt. Demokratie bedeutet, dass Bürger frei wählen – und dass auch diejenigen das Ergebnis respektieren, die anders gewählt haben. Wer ein unerwünschtes Wahlergebnis schon im Voraus als undemokratisch behandelt, verwechselt Demokratie mit Zustimmung zur eigenen politischen Meinung. Das ist nicht Haltung. Das ist ein bemerkenswertes Missverständnis von Demokratie.
Wer Menschen in einem Restaurant anbrüllt, beschimpft und ihnen abspricht, sich im selben Raum aufzuhalten, verteidigt keine Demokratie. Er beschädigt die Umgangsformen, von denen eine Demokratie lebt. Ich finde ein solches Verhalten unerträglich – ganz gleich, von welcher politischen Seite es kommt.
Man hat jahrelang daran gearbeitet, einen der schönsten Berufe unattraktiv zu machen: den Hausarzt in eigener Praxis. Wer erwartet ernsthaft, dass junge Kolleginnen und Kollegen heute dieses unternehmerische Wagnis eingehen, wenn die Politik weder Planungssicherheit noch verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen garantiert und die GKV ständig neue Bedingungen diktiert? Erst macht man die Niederlassung unberechenbar – und anschließend beklagt man den Ärztemangel. So führt man ein Gesundheitssystem am Nasenring durch die Manege.
Vier Medikamente am Montagabend bestellt, am Mittwoch nicht abrufbar – ärgerlich, keine Frage. Aber aus einem technischen oder organisatorischen Fehler gleich öffentlich den ‚Hausarztpraxis Verdruss‘ auszurufen, ist schon nachdenkenswert. Eine Arztpraxis ist kein Amazon-Prime-Lager. Wer Respekt für sich verlangt, sollte ihn auch denen entgegenbringen, die täglich unter erheblichem Druck Versorgung organisieren.
Mit 62 Jahren beschwerdefrei „einfach mal“ zum Kardiologen zu wollen, ist kein medizinischer Notfall und auch keine eigene GKV-Vorsorgeleistung beim Kardiologen. Dafür gibt es den regelmäßigen Gesundheits-Check-up beim Hausarzt.
Wer darüber hinaus ohne konkrete Indikation eine fachärztliche Wunschuntersuchung möchte, kann das selbstverständlich tun – dann aber gegebenenfalls als Selbstzahler und mit entsprechend schnellerem Termin. Das eigentliche Problem ist nicht Februar 2028, sondern die Vorstellung, jede gewünschte Spezialistenuntersuchung müsse jederzeit zulasten der Solidargemeinschaft verfügbar sein.
Das ist nicht plötzlich „normal“ geworden. Es ist das Ergebnis jahrelanger Gesundheitspolitik: Leistungen werden budgetiert, ärztliche Kapazitäten durch starre Bedarfsplanung begrenzt – und gleichzeitig erwartet man immer mehr Versorgung.
2019 schuf die Politik mit dem TSVG zusätzliche Anreize für schnelle Termine. Nun werden solche Vergütungsanreize wieder zurückgefahren. Wer mehr Termine verlangt, aber die dafür nötigen Strukturen und Mittel begrenzt, darf sich über Wartelisten nicht wundern.
Man kann Medizin nicht auf Knopfdruck bestellen, wenn man vorher jahrelang die Kapazität rationiert hat. Das ist kein Versagen der Patienten oder der Praxen. Das ist politische Mathematik – und eine ziemlich schlechte.
Wer das kurze Platzmachen auf der Autobahn, um einem Fahrzeug das sichere Einfädeln zu ermöglichen, als „Unsitte“ bezeichnet, verwechselt Rücksichtslosigkeit mit Fahrkönnen. Die Straße ist kein Privatbesitz des Schnellsten. Gute Autofahrer erkennt man nicht daran, wie spät sie bremsen – sondern daran, dass sie vorausdenken.
Sie beschreiben erst den Vorteil eines integrierten Ökosystems – und verlangen dann, genau diese Integration regulatorisch aufzulösen. Wettbewerb heißt nicht, dass jeder Hersteller seine zentralen Funktionen der Konkurrenz überlassen muss. Sonst ersetzt man Marktwirtschaft durch staatlich vorgeschriebene Produktarchitektur.
Die EU schützt hier nicht die Wahlfreiheit, sie maßt sich an, für den Bürger zu entscheiden, wie ein Hersteller sein eigenes Produkt zu gestalten hat. Wettbewerb entsteht nicht durch immer neue Verordnungen, sondern dadurch, dass der Kunde jederzeit ein anderes Gerät kaufen kann. Wer Apple für arrogant hält, muss kein iPhone kaufen. So einfach ist Marktwirtschaft. Der Staat sollte Regeln setzen – aber nicht zum Produktentwickler werden.
Wer den 11. September heute relativiert oder nachträglich ideologisch umdeutet, verwechselt Erklärung mit Entschuldigung. Die Täter waren keine Opfer der Verhältnisse, sondern fanatische Islamisten, die Freiheit, Demokratie und eine offene Gesellschaft verachteten. Den Ermordeten schulden wir Erinnerung – und der Wahrheit schulden wir Klarheit.
Das kann ich gut verstehen. Ich kann in den Bergen auch immer wunderbar auftanken. Mit etwas Abstand und in der Höhe relativiert sich vieles, was unten noch so schwer und drängend erscheint.
Ich wünsche dir, dass du dort ein wenig Ruhe findest, den Kopf frei bekommst und neue Kraft sammelst. Trotz allem: Hab einen schönen Urlaub und genieße die Berge.