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Kapitel VIII | Epistemischer Wandel: Das Problem der sozialen Zusammensetzung
Was hat sie bloß so ruiniert, die politische Linke? Die Arbeiter rennen zu den Rechten und die Wokies checken es nicht. Warum das so ist, erfahrt ihr hier: https://t.co/pEWtK7OXEi
Warum mit der politischen Kultur der Identitätspolitik zu brechen ist:
Die politische Kultur der Identitätspolitik hat bereits zu einer folgenreichen Überlagerung von Klassen- und Kulturkonflikten geführt, mit der die politische Deliberation und die Vermittlung zwischen gesellschaftlichen Interessengruppen erschwert werden. Während die Klassengesellschaft fortbesteht, ja, sich gar weiter verfestigt, hören soziale Klassen auf, für politische und ökonomische Interessenvertretung handlungsanleitend zu sein. Moralische Überzeugungen und Weltbilder sehen wir stattdessen zu den wesentlichen Zankäpfeln der Politik aufsteigen. Und zwischen diesen lässt sich bekanntlich viel schlechter vermitteln als zwischen Interessen.
Auf dieser kulturellen Ebene findet jetzt eine politische Polarisierung statt, in der linke universalistische Projekte keine Chance haben, weil soziale Interessenpolitik keinen Nährboden mehr findet. Die Rechte hat dagegen sehr genau erkannt, dass die Verquickung von Klassen- und Kulturkampf ihren Zielen umso mehr in die Hände spielt. Wie Donald Trumps ehemaliger Chefstratege Steve Bannon einem Journalisten zu Protokoll gab: Je mehr die Linken Identitätspolitik betreiben, desto besser. – Wenn die Faschos die Linken bereits als nützliche Idioten betrachten, muss es um ihre politische Kultur sehr schlecht bestellt sein.
{Siehe https://t.co/NZFfh100Jc, Kapitel VII, Fn. 52}
Die PoMo-Linke auf dem Weg in den Irrationalismus:
Hinter dem epistemischen Modus der Identitätspolitik verbirgt sich ein generelles Problem, das diejenigen, die sich für intellektuell fortgeschritten halten, weil sie etwa Foucault oder Butler gelesen haben, unterschätzen: Die Metaebene der Wahrheitsfrage, wie sie Postmodernismus und -strukturalismus ins Politische integrieren wollen, indem man soziale Wirklichkeit als konstruiert begreift, wird von den Epigonen dann doch nur so weit durchdrungen, dass man es für den Kern der politischen Praxis hält, Identitäten und soziale Kategorien als quasi-künstlich zu dekonstruieren. Das De- und Rekonstruieren wird bei ihnen zum Selbstzweck. Obwohl in der Theorie oft komplexer gedacht, nämlich unter Berücksichtigung des Problems, wie das Materielle auch die Konstruktion der sozialen Wirklichkeit prägt, endet die PoMo-Linke praktische dabei, das Materielle primär als Sache der Gedanken zu betrachten. Im Endeffekt unterwirft sie damit die Analyse der Wirklichkeit umso mehr der materiellen Realität. Es zählt dann nicht, wie Wahrheit intersubjektiv objektivierbar wird, sondern jene Narrative werden maßgeblich, die zum eigenen materiellen Hintergrund passen, wobei die Wahrheitsfindung abgekürzt wird, indem man bestimmten Gruppen – genauer gesagt: imaginierten Gruppen – die Definitionsmacht über die Realität zuspricht. Denn es sind in dieser Epistemologie die jeweils als anders, aber gleichwohl homogen gedachten Gruppen, die etwas wissen, was andere nicht wissen können. Auf der Strecke bleibt die Empirie; sie wird ersetzt durch einen moralischen Relativismus. Der PoMo-Irrationalismus, der die (Neo-)Linke im Griff hat, wurzelt in einem Umstand, auf den Noam Chomsky schon hinwies: nämlich, dass die Urheber des PoMo, also linksfranzösische Intellektuelle, lange überzeugte Kommunisten waren, die sich bis zuletzt wenig um Distanz zu Stalinismus oder Maoismus bemühten – und dann den Absprung verschliefen. In der Folge vollzogen sie eine umso radikalere Kehrtwende, weg von traditionellen sozialistischen Vorstellungen, um deren Kollaps mit einer dekonstruktivistischen Neuerfindung der Sozialphilosophie überzukompensieren.
{Siehe https://t.co/NZFfh100Jc, Kapitel VII, Abs. 3, Fn. 20}
Technokratische Sprache als Gesinnungstest im Alltag:
Die identitätspolitischen Sprachkonstrukte waren schon während ihrer Inkubationszeit in den subkulturellen Gruppen der radikalen Linken zum Gradmesser für gute und böse Genossen gemacht worden: Wer gegen ihre Anwendung in halbseidenen Agitationsmaterialien war, gab sich als nicht aware zu erkennen: als einer, der sich seiner Privilegien nicht bewusst sei, ja die Herrschaftsverhältnisse reproduziere. So wie man auch einst in kommunistischen Gruppen den klassenbewussten Mitstreiter am Abspulen des marxistischen Vokabulars erkannte: ein Vokabular, das dann auf staatlicher Ebene zu einem Kunstsprech transzendierte, den etwa DDR-Bürger einzupauken hatten, wenn sie nicht als Klassenfeind gelten wollten. Sprache wandelt sich bekanntlich ja. Mit ihrer Ausbreitung in den links-liberalen Mainstream wurde die woke Sprache von heute jedenfalls zum Identitätsmarker im öffentlichen Diskurs, an dem sich das vermeintlich progressive Lager erkennt. Eine progressive Kritik an jener Sprache ist in diesem Denkstrom, der ihre voluntaristische Durchsetzung als historisch notwendigen Wandel missversteht, kaum vorstellbar. In gewisser Weise ist die Sprachpolitik dadurch auch entpolitisiert, insofern ihre negativen Folgen nicht mal unter strategischen Gesichtspunkten zur Debatte stehen: Im mindset der historischen Notwendigkeit sind sie eine Art Naturfolge. Wenig resonant sind so etwa Kritiken an ihren Ausschlussmechanismen und der sozialen Distanzierung.
{Siehe https://t.co/NZFfh100Jc, Kapitel VII, Abs. 3, Fn. 15}
Siehe dazu auch: https://t.co/oASaiCDwlM
@polidmo54321@gwup@holger_marcks Was allerdings bedeuten würde, dass einige die politischen und wissenschaftlichen Theorien gar nicht verstehen, die sie verteidigen. Denn die identitätspolitischen Grundlagentexte sind ja noch deutlich komplizierter.
Historische Notwendigkeiten als Rechtfertigungsmuster:
Die Parallelen der alten marxistischen Rhetorik, die abweichende Sozialismusvorstellungen als bürgerlich bzw. reaktionär abwertete, zur Identitätspolitik heute sind frappant. Auch hier sehen wir ein Rechtfertigungsmuster, bei dem soziale Subjekte als Essenz für historische Notwendigkeiten herhalten müssen, wobei das mutmaßliche Interesse der Subjekte auf den eigenen, spezifischen politischen Ansatz projiziert wird. Und in beiden Fällen wird dieser Anspruch szientistisch verargumentiert. Der Marxismus z.B. präsentierte sich als »wissenschaftlicher Sozialismus« mit eigener Terminologie, so wie auch die heutige Identitätspolitik gender studies, postcolonial studies und postmoderne, sozialkonstruktivistische Theorien funktionalisiert, um ihre politischen Konstrukte apodiktisch zu begründen. Ferner finden wir damals wie heute ein inzestuöses Denken vor, das andere Einordnungen der Realität und der eigenen Politik ipso facto disqualifiziert, wenn sie sich auch nur abwägend auf Argumente von Stimmen eines anderen politischen Lagers berufen. Die viel gescholtene Judith Sevinç Basad (@JSevincBasad) hat daher nicht unrecht – und offenbar mehr Gespür für linke Denkverwandtschaften als manche Linke selbst –, wenn sie, wenn auch unsubstantiiert, eine Verbindungslinie zwischen alten kommunistischen und heutigen ›woken‹ Denkformen annimmt.
{Siehe https://t.co/NZFfh100Jc, Kapitel VII, Abs. 2, Fn. 10}
Blind für unbeabsichtigte Folgen:
Die neolinke Selbstgerechtigkeit gleicht der der Wutbürger. Und das, obwohl es sich um ein sozialwissenschaftlich geprägtes Milieu handelt: also eines, dem man die Abstraktionsleistungen zutrauen könnte, die eine Reflexion der Implikationen und Konsequenzen eigenen Handelns verlangt. Tatsächlich aber vermutet man die Mechanismen, die z.B. postfaktisches und selbstreferentielles Denken begünstigen (negative partisanship, confirmation bias usw.), nur beim Gegner, wo doch psychologische Studien zeigen, dass alle politischen Milieus für die dahinter liegenden Reflexe anfällig sind. Kaum etwas zeigt das deutlicher als der Diskurs über Identitätspolitik, in dem sich selbst akademische Linke einer empirischen Evaluation ihrer Konstrukte entziehen. Dabei lässt sich eine diskursive Engführung erkennen, die der Immunisierung vor Gegenargumenten dient. Denn zum Lackmustest für eine progressive Gesinnung ist die Frage geworden, ob man Identitätspolitik bejaht – und zwar gleichgesetzt damit, ob man mit den Subalternen solidarisch sei. Ablehnungen der Identitätspolitik, ja auch nur kritische Hinweise auf ihre Fallstricke werden daher als Relativierung von Unterdrückung gelesen, mit der z.B. weiße, männliche oder cisidente Privilegien stabilisiert würden. So werden selbst genuin linke Analysen, die auf die Aufhebung sozialer Widersprüche abzielen, als regressiv oder reaktionär eingestuft. Wie schon in der mythisch aufgeladenen Klassenpolitik der Alten Linken, die in jeder Hinterfragung der proletarischen Revolution einen Service für den bürgerlichen Klassenfeind sah, findet so ein fataler Denkverschluss statt. Mit ihm wird die Vorstellung ausgeschlossen, dass die eigene Politik Effekte haben kann, die sich direkt oder indirekt gegen die Interessen der imaginierten Referenzgruppe(n) richten – und ebenso die Möglichkeit, dass sie selbst Ausdruck privilegierter Interessen oder typologisch mit rechten Denkmustern verwandt sein könnte.
{Siehe https://t.co/NZFfh100Jc, Kapitel VII, Abs. 1, Fn. 5}
Was, wenn die woken Bürgikids in Wirklichkeit nur eigene Privilegien verteidigen?
Das war der Hauptteil von Kapitel VII: »Das Elend der Identitätspolitik« (https://t.co/p0xtmACW6E). In den Folgetagen geht es nun in die Vertiefung, um genauer zu klären, warum sogenannte Wokeness eine privilegierte Verantaltung ist – und weshalb sie wenig mit den Lebensrealitäten derer zu tun hat, für die sie zu sprechen behauptet.
Identitätspolitik: Ein Begriff, der von der Linken zur Karikatur gemacht wurde
Alle Antworten sind richtig. Irgendwie. Zumindest finden sich die drei Semantiken (und so manche mehr) im öffentlichen Diskurs. Es darf jedoch in Frage gestellt werden, ob das eine oder andere Verständnis so knusprig ist. So ist es etwa im linksliberalen Lager neuerdings zur Mode geworden, unter Identitätspolitik den Einsatz für bestimmte soziale Gruppen zu verstehen. Hier wird linke Identitätspolitik häufig einfach gleichgesetzt mit subalterner Interessenpolitik – und damit Wischiwaschi.
Diese Aufweichung vollzog sich offenbar als Abwehrreflex. Als sich nämlich zunehmend ein Unbehagen mit der linken Identitätspolitik artikulierte, wurde dieses tendenziell als Kritik an Feminismus, Anti-Rassismus usw. einsortiert. So musste man sich selbst nicht hinterfragen. Dem Vorwurf, linke Identitätspolitik spalte die Gesellschaft, wird denn auch routinemäßig damit begegnet, dass es doch Sexismus und Rassismus seien, die spalten. Linke Identitätspolitik diene der Gleichberechtigung aller!
Allein: Subalterne Interessen sind meist gar nicht der Stein des Anstoßes in der Kritik an Identitätspolitik. Zumindest nicht in ihrer aufgeklärten Form. Vielmehr richtet sie sich gegen bestimmte Praxen von Politik. Und zwar solche, die insofern spalten, als sie aufklärerische Standards untergraben.
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Indem die identitätspolitische Linke ihre Kritiker zum Strohmann formte, machte sie den Begriff der Identitätspolitik zur Karikatur. Für viele Linke verschwimmt so, was die eigentlichen Merkmale jener Politik sind. Sie erscheint als bloße Antithese zu etwa den sexistischen oder rassistischen Schweinereien. In Wirklichkeit entwickelte sich die Identitätspolitik als spezifische soziale Praxis. Nicht die grobe Frage, für wen Partei zu beziehen ist, sondern wie diese Parteinahme zu erfolgen hat, war für sie konstitutiv.
Mit der Identitätspolitik, wie sie die späte Neue Linke gebar, betonte man nicht einfach subalterne Kämpfe. Sie war vor allem eine praktische Ausformung der Standpunkttheorie. Gewiss, deren Annahme, dass privilegierte Perspektiven die Wirklichkeit definieren und subalterne zu ermächtigen sind, ist prinzipiell zu bejahen. Doch da jene Ausformung durch das neulinke Primat von einer »Politik der ersten Person« gefiltert wurde, musste die Sache einen ziemlich schrägen drive bekommen.
Diese Kombi ergibt einen epistemischen Modus, der zum Irrationalismus neigt. Politische Wahrheiten werden hier nicht kraft Argument definiert, sondern qua Identität bestimmt. Heißt: Die Gruppenmerkmale eines Individuums entscheiden über seine Definitionsmächtigkeit.
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Die Standpunkttheorie wird in ihrer identitätspolitischen Einfassung gegen die Aufklärung gewendet. Diese gründet ja auf einem universalen Wahrheitsverständnis, das weg will von derlei Essentialisierung. Wo sich Wahrheit relativ zu dem verhält, was ihr potentieller Verkünder verkörpert, wo Individuen zu Repräsentanten eines höheren subalternen Wesens gemacht werden, nehmen gefühlte Wahrheiten und tribale Projektionen zwangsläufig zu. Die Reflexionsfähigkeit nimmt ab.
Mit der Ausbreitung jenes epistemischen Modus in der politischen Kultur der Linken geht denn auch ein Verlust an diskursiver Qualität einher. Die Verflachung des Begriffs der Identitätspolitik selbst ist dafür ein gutes Beispiel. Diese hat indessen noch einen weiteren Tiefpunkt erreicht. Irgendwie sei doch jede Ideologie Identitätspolitik, hört man nun auch. Weil man sich da immer auch auf soziale Gruppen berufe. So auch bei Klassenpolitik. »Arbeiter« etwa, das sei ja auch eine Identität!
Würden Proleten aber wirklich Identitätspolitik machen, viele Linke wären not amused. Malocher, die ihnen ständig ihre bildungsbürgerlichen Privilegien aufrechnen und sie bei sozialen Fragen als klassistisch disqualifizieren, sind ihnen bisher erspart geblieben.
https://t.co/fYfxwxi6JR
Epistemische Krise ist, ...
... ein Zustand, in dem Akteure ihre politische Krise nur schlimmer machen.
Probleme kann man nie mit der gleichen Denkweise lösen, die sie erzeugt haben. Diese Binse soll niemand anderes als Albert Einstein gedroppt haben. Eine Physik der menschlichen Interaktion sozusagen. Denn auch die verläuft nach Mustern von Aktion, Reaktion, Reaktionsreaktion usw. Menschen tun bei Problemen nämlich in aller Regel das, was ihrer gewohnten Denke entspricht. Wo diese aber die Situation mitgeschaffen hat, wird die Lösung (erster Ordnung) zum Problem. Ein Teufelskreis also, dem nur mit Lösungen zweiter Ordnung beizukommen ist: wenn also mit der eingeübten Logik gebrochen wird – und auch die Interaktionspartner aus der Gewohnheitszone geholt werden. Das ist allerdings schon bei Individuen nicht einfach. Weil der Mensch ein Esel ist. Bei Organisationen, also einem Haufen von Eseln, ist das noch schwieriger.
Da haben nicht nur die Einzelnen ihre Denkroutinen, sondern auch der kollektive Organismus mit seinen Strukturen, seinen Regeln, seinen Zwängen. Eine institutionelle Logik eben. Und die sorgt auch dafür, dass vorwiegend solche Esel im Verein mitmachen, die zu den Routinen passen. Heraus kommt dann die berüchtigte Pfadabhängigkeit.
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Pfadabhängigkeit ist der Dunning-Kruger-Effekt bei Organisationen: Ihnen fehlen dann die strukturellen und personellen Anlagen, um ihre Impotenz zu begreifen. Sie machen dann Probleme nur schlimmer, verfestigen Fehler, statt sie zu korrigieren. Insofern haben wir es auch mit einem Problem zweiter Ordnung zu tun: einer Krise des Wissens über die politische Krise. Und da wird es tricky. Denn um aus der Wissenskrise rauszukommen, um also eine Lösung zweiter Ordnung zu finden, müsste die Organisation erkennen können, dass sie epistemisch nicht imstande ist, ihre politischen Probleme zu erkennen. Sie bräuchte also Wissen über Wissenskrisen. Womit ein Problem dritter Ordnung gegeben ist. Und das kommt einem Catch-22 gleich. Denn die Lösung setzt epistemische Qualitäten voraus, ohne deren Mangel es die epistemische Krise ja nicht geben würde.
Zum Glück sind Eselsherden anders als einzelne Esel teilbar. Wenn also eine Organisation oder Bewegung so hängen geblieben ist wie die Linke, dann können ihre aufgeklärten Teile einen neuen Pfad betreten. Etwa einen, wo man das Progressive in Kritiken der Identitätspolitik freilegt – statt sie reflexhaft in braunen Schachteln zu verschließen.
https://t.co/O5uLxRdpXs
Eine epistemische Krise: Linke Gesinnungsethik und ihre unbeabsichtigten Folgen
Wir finden in den unteren Klassen also den sozialen Träger einer Konstitutionalisierung des Sozialen – und in multiplen Gewerkschaften und Genossenschaften eine adäquate Organisationsform. Wer aber wäre der politische Schrittmacher solcher Prozesse? Insofern es hier um eine Perspektive geht, die in der sozialistischen Tradition steht, richtet sich zwar der Blick automatisch auf die Linke. Doch kann von diesem Konglomerat, so weit man es auch fassen möchte, nicht gerade behauptet werden, dass sein Verhältnis zu den unteren Klassen intakt sei. Die Gründe für diese Beziehungskrise mögen vielfältig sein, sie ist aber unzweifelhaft Ausdruck einer epistemischen Krise der Linken selbst. Denn offenbar ist in der Wissensordnung, die den linken Diskurs anleitet, ein bestimmter Blickwinkel dominant geworden, der die Effekte des eigenen (diskursiven) Handelns nicht mehr zu reflektieren vermag. Einem Gros der Linken gilt nämlich die Durchsetzung progressiv gemeinter Konzepte im öffentlichen Diskurs als Synonym für Fortschritt. Dass auch die besten Absichten unbeabsichtigte Effekte zeitigen können, die regressive Entwicklungen begünstigen, ja dass sie sogar selbst ins Reaktionäre kippen können, scheint in diesem Denken kaum mehr vorzukommen. Es ist eine gesinnungsethische Denkweise, die effektiv ausblendet, wie die eigenen Praktiken nicht nur polarisieren, sondern sich sogar selbst zu Herrschaftstechniken eines privilegierten Milieus entwickeln.
{https://t.co/NZFfh100Jc, Kap. VII, Abs. 1}
Enfin. Der Schlussteil der Veranstaltung ist jetzt auch online. Wie immer zu finden auf dem neuen YouTube-Kanal des Club Volantaire: https://t.co/d1bgRwBBkO. Zusätzlich gibt es hier wieder eine Zusammenfassung als Trailer.
7 vs. Woke:
»Die Milieus, die am meisten von Diversität reden, sind häufig die homogensten.«
Der erste Teil der Veranstaltung »Die Woken und die Rechten« ist mittlerweile online.
https://t.co/0kfHPh84fY
Komplettiert die Runde: Chantalle El Helou. Die Studentin der Gesellschaftstheorie an der Uni Jena hält regelmäßig Vorträge zur Kritik an queerer Theorie und Bewegung. Vor Kurzem erschien ihr Essay »Vom Queersexismus zur Emanzipation« im @querverlag_bln. https://t.co/vLuhrEUup9.
Darf nicht fehlen: Jörg Finkenberger. Der politische Philosoph hat einst diverse Orchideenfächer und manches Ernstes (z.B. Jura) studiert. Lange schon ist er aktiv in der (radikalen) Linken. Seine Bewegungskritik findet sich u.a. bei »Das Große Thier«. https://t.co/vLuhrETWzB.
Ein weiterer Gast: Holger Marcks. Der Sozialwissenschaftler und Ex-Redakteur der @Jungle_World arbeitet v.a. zu digitalem Rechtsextremismus. Außerdem befasst er sich kritisch mit linker Ideengeschichte, z.B. als Co-Autor des Online-Buchs @pferdaufmflur. https://t.co/vLuhrETWzB.
Außerdem dürfen wir begrüßen: Till Randolf Amelung. Er studierte zunächst Geschlechterforschung und Geschichtswissenschaft. Seitdem schreibt er Analysen insbesondere zu geschlechterpolitischen Themen. Seine Texte erscheinen u.a. bei der @Jungle_World. https://t.co/vHZzhK7nLB.
Die Vierte in der Runde: Eszter Kováts. Die Politikwissenschaftlerin (Uni Wien) befasst sich u.a. mit der Rolle des Genderbegriffs in Politiken von rechts. Auch schreibt sie zum Verhältnis von radikaler Rechter und woker Linker, etwa bei @socialeurope. https://t.co/vLuhrETWzB.
Am 24. November gibt's was auf die Ohren. In Frankfurt am Main. Der @club_volantaire lädt dorthin zur Diskussion. Über sogenannte Wokeness. Ist das gut oder schlecht? Mit solchen Fragen hält man sich da zum Glück gar nicht erst auf. Man will es schon genauer wissen: Wie genau das Phänomen mit der (extremen) Rechten zusammenspielt, will man da in-depth diskutieren.
Handelt es sich bei den Woken bloß um Akteure, die den Kräften von Rechtsaußen ungewollt in die Hände spielen, um »nützliche Idioten«, wie manche sagen? Oder stehen sie gar für eine Denkform, die regressive Momente mit dem Rechtsextremismus teilt – zum Leid der aufgeklärten, dialogfähigen Teile der Gesellschaft? Diese Fragen versuchen zahlreiche Diskutanten zu klären.
Mehr auf: https://t.co/3bQ4mhLRJm