@LViehler Ich mag den Film sehr!
Wegen der starken message und weil Henry Fonda so phantastisch spielt.
Obendrein ist es ein Kammerspiel: der gesamte Film spielt in einem Raum, soweit ich weiß, und ist dennoch keine Minute langweilig.
Ein Meisterwerk. 👍🏼
Kennen Sie den Klassiker „Die 12 Geschworenen“?
Darin geht es um ein Gerichtsverfahren, das auf den ersten Blick entschieden scheint: Ein junger Mann steht unter Mordverdacht, elf von zwölf Geschworenen halten ihn sofort für schuldig. Nur einer – ein Architekt, kein Jurist – hat Zweifel. Und er stellt die wohl unbequemste aller Fragen: Was, wenn wir falschliegen?
Im stickigen Raum, in dem die Geschworenen eingeschlossen sind, entfaltet sich kein Thriller, sondern ein sezierender Blick auf Vorurteile, Gruppenzwang und moralischen Mut. Die anfängliche Mehrheit bröckelt, als Argumente statt Emotionen die Oberhand gewinnen. Am Ende steht ein Freispruch – nicht, weil neue Beweise auftauchen, sondern weil einer nicht bereit war, ein Menschenleben gedankenlos aufzugeben.
Die Moral? Mehrheit bedeutet nicht Wahrheit.
Ich muss an diesen Film denken, wenn ich deutsche Schlagzeilen lese wie: „Die Mehrheit der Deutschen ist der Meinung …“ – sei es zur Migration, Klimapolitik oder Justiz. Solche Sätze klingen nach Demokratie, doch oft basieren sie auf flüchtigen Umfragen, verzerrten Wahrnehmungen und medial verstärkten Stimmungen. Sie sind das Echo einer öffentlichen Meinung, nicht das Fundament von Gerechtigkeit. In „Die 12 Geschworenen“ ist es gerade nicht die Mehrheit, die Recht hat, sondern der Einzelne, der es wagt, gegen sie zu denken.
Und genau deshalb – weil Demokratie ohne Rechtsstaat nur eine Hülle ist – muss ein Richter am Bundesverfassungsgericht radikal neutral bleiben. Er darf sich nicht von Stimmungen treiben lassen. Nicht von Prozentzahlen, nicht von Talkshow-Narrativen, nicht von vermeintlichem „Volkswillen“. Seine Loyalität gilt allein dem Grundgesetz. Jener stillen, nüchternen Stimme, die inmitten des Geschreis an Gerechtigkeit erinnert.
Ich wünsche mir ein Streitgespräch zwischen Saskia Ludwig und Frauke Brosius-Gersdorf im ÖRR. Die beiden Frauen aus Potsdam stehen für exakt diametrale Positionen in einem Kulturkampf, der viel fundamentaler ist als bloße Rechts/Links-Schemata.
Es geht um Selbstbestimmung vs staatlichen Zwang, das Primat des Individuums vs Kollektivismus, um Mündigkeit des Bürgers vs Expertokratie, um Freiheit vs Bevormundung.
Diese fundamentalen Wertfragen gehören öffentlich ausgehandelt - insbesondere, da sich jetzt entscheiden wird, ob die autoritäre, kollektivistische Politik der Corona-Jahre in Deutschland als „Neues Normal“ verstetigt wird, oder wir zu Menschenwürde, Freiheit und Grundrechten zurückkehren.
Der für mich gruseligste Part am Brosius-Gersdorf-Interview bei Lanz: Ihre Überlegungen zur Ungleichbehandlung von Geimpften und Ungeimpften beruhten ihrer Aussage nach darauf, dass damals ein „großer Zuspruch der Bevölkerung“ zur Impfpflicht bestanden hätte.
Die Justiz hat in einem Rechtsstaat aber nicht die Aufgabe, den augenblicklichen, medial befeuerten Mehrheitswillen zulasten von Minderheiten zu befriedigen, sondern die Rechte von Minderheiten, Randgruppen und Schwachen entgegen der Mehrheit zu verteidigen.
Die Rechte einer Minderheit über Bord werfen, weil es vermeintlichen „Zuspruch aus der Bevölkerung“ dafür gab, ist die Rückkehr in die Barbarei. Unter einer solchen Prämisse könnte man auch die Todesstrafe wieder einführen: Mit der entsprechenden medialen Stimmungsmache über Wochen, Monate und Jahre fände sich mit Sicherheit auch dafür ein „großer Zuspruch der Bevölkerung“.
Das ist in meinen Augen der eigentliche Kern in der Debatte um Brosius-Gersdorf: Es geht um die staatlicherseits erwünschte „Neue Normalität“, die Rechte einer Minderheit zum vermeintlichen Nutzen einer Mehrheit einschränken zu dürfen.
"Wenn du am Boden liegst, dann dreh dich auf den Rücken Auri Schatz. Dann kannst du die Sterne anschauen, bis du die Kraft hast, wieder aufzustehen. Es ist in Ordnung, nicht in Ordnung zu sein". - meine Oma ❤️
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