Verkaufe grade (wie häufiger) ein Auto.
Heute: Mistverständnisse
Telefonate
(gehe ans Telefon und höre laute Diskussionen in einer mir unbekannten Sprache)
Ich: Hallo?
Kunde1: Du Auto?
Ich: Nein, ich bin ein Mensch.
Kunde1: Wieso nicht Auto?
Ich: Das hat biologische Gründe!
Kunde1: Holen Auto Telefon?
Ich: Nein. Das Auto spricht nicht. Und passt nicht durch die Tür. Stubenrein ist es auch nicht.
Kunde1: Sprechen Automann?
Ich: Falsch verbunden.
Kein Verkauf. Vadammt.
Kunde2: Hyundai gut. Kaufe mehr. Hast Du Audi?
Ich: Nein. Ich habe nur den Hyundai zu verkaufen.
Kunde2: Gut. Hast Du BMW?
Ich: Es tut mir sehr leid, aber ich habe nur den Hyundai.
Kunde2: Nehm auch andere. Hast Du Fiat?
Ich: Ich möchte Sie nicht ärgern, aber ich habe nur den einen Hyundai.
Kunde2: Ist egal, hast Du KIA?
Ich: Ich habe Hyundai.
Kunde2: Hyundai gut. Kaufe mehr. Hast Du Mercedes?
Ich: Nur einen Stanley Steamer. Ex Maharadscha-Auto. Von 1926. Steht in Schottland. Interesse?
Kunde2: Hast Du VW?
Ich: Nein, aber Volkswagen!
Kunde2: Ich kaufe alle Auto!
Ich: Was letzte Preis für Hyundai?
Kunde2: Preis Export ist 500, für jede Auto.
Ich: Da fehlen 5.500€.
Kunde2: Hast Du 11 Auto?
Das Gespräch endete ergebnislos.
Kunde3: Machst Du frische TÜV?
Ich: Das Auto hat TÜV im Dezember gehabt, wir haben Januar und es ist seitdem 300km gefahren. Nein, mache ich nicht.
Kunde3: Auto hat zu viel Kilometer, kaufe nur mit frische TÜV.
Ich: Wieviel Kilometer darf ein Auto denn fahren nach dem TÜV, dass er für Sie frisch ist?
Kunde3: Höchstens 5.000km!
Ich: Gut. Was soll also bei 300km falsch sein?
Kunde3: Egal. Ich brauch frische TÜV!
Ich: Gut. Wenn Sie dafür bezahlen, lass ich nochmal TÜV machen.
Kunde3: Du bezahlen, ich brauch frische TÜV.
Ich: Mir ist der TÜV frisch genug. Wollen Sie den neu, bezahlen Sie.
Kunde3: Du bezahlen, ich brauch frische TÜV.
Das Gespräch endete ohne Verkauf.
Vor Ort
Einem Audi mit exotischem Kennzeichen entsteigen drei Herren. Feinste Joggingkleidung, goldbehangen, gerolext. Ignorieren mich und besichtigen den Hof.
Kunde4 (Mann1): *unverständlich*
Ich: Hallo! Tut mir leid, ich verstehe Ihre Sprache nicht.
Kunde4 (Mann2): (*aggressiv*) Bruda, das ist der Boss!
Ich: Das freut mich sehr, aber ich verstehe seine Sprache nicht.
Kunde4 (Mann3) *baut sich vor mir auf* Sei nicht ohne Respekt!
Ich: (*LAUT*): So, Ihr Vögel. Verzieht Euch in Eure Karre und sucht Euch einen anderen Spielplatz!
Kunde4 (Mann1): Musst Du nicht laut werden, ich weiß nicht dass Du nicht meine Sprache sprichst!
Ich: Dann versuchen wir es mal wie normale Menschen.
Kunde4 (Mann1): Was letzte Preis?
Ich: 5.990€
Kunde4 (Mann1): Ich geb 1.000€ und nimm mit.
Ich: Für 1.000€ können Sie vorn die zwei Mülltonnen mitnehmen.
Kunde4 (Mann1): Hä? Wieso Mülltonnen?
Ich: Die sind vielleicht 1.000€ wert, das Auto bleibt hier.
Die Herren haben dann fluchend und grummelig das Grundstück verlassen. Ohne Hyundai.
Ich bin übrigens kein Autohändler.
To be continued
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Verkaufe grade (wie häufiger) ein Auto.
Heute: Oldies – Schnauferl-Edition
Telefonate
Kunde1: Fährt das Auto auch?
Ich: Wie in der Anzeige beschrieben, voll fahrbereit, bereit für die Straße!
Kunde2: Wie geht das mit dem Starten?
Ich: Aufwendig. Zündung ein, auf früh stellen, Benzin vorpumpen, den Benzinhahn nicht vergessen, dann stecken Sie die Kurbel, fühlen, wo der Anschlag ist, stecken sie durch und ziehen. Klappt meist beim 2. oder 3. Mal.
Kunde1: Wieso haben Sie denn keinen Anlasser eingebaut?
Ich: Ich habe nichts an dem Auto getan, ich verkaufe ihn für einen Freund, der das Hobby aus Altersgründen aufgibt. Das Auto war 112 Jahre im Besitz der Familie und ist komplett original. Es wurde nichts am Originalzustand verändert.
Kunde1: Also mit Anlasser und Blinker würde ich ihn kaufen!
Ich: Mit ein wenig Glück finden Sie restaurierte Autos, die sowas haben. Dieser hier ist original.
Kunde1: Ja, die sind mir aber zu weit weg!
Ich: Dann kaufen Sie ihn doch und lassen ihn in einem Fachbetrieb so umrüsten, wie Sie es gern hätten!
Kunde1: Ich hab mich schon erkundigt. Sehr teuer.
Ich: Nun, ein Auto aus dem frühen 20 Jahrhundert fahren wird nie billig sein.
Kunde1: Haben Sie Zertifikate vom Fahrzeug vom Hersteller?
Ich: Ich habe sämtliche Ordner, die zum Fahrzeug gehören, von der Neuwagenbestellung bis zur Wartung. Das Fahrzeug wurde vom Urgroßvater des jetzigen Besitzers gekauft und nie veräußert.
Kunde1: Aber wie kann ich wissen, ob er original ist?
Ich: Vermutlich bin ich der falsche Anbieter für Sie. Sie bekommen bei großen Klassikhändlern mit Sicherheit ein top-restauriertes Auto mit voller Herstellerdokumentation.
Kunde1: Ja, aber die sind mir viel zu teuer!
Das sehr lange Gespräch endete ohne Verkauf.
Kunde2: Wie kann das sein, dass das Auto angeblich erster Hand ist?
Ich: Wie schon im Inserat beschrieben war das Auto konstant im Familienbesitz und wurde nie verkauft.
Kunde2: Und wieso ist er dann so gut erhalten?
Ich: Weil die Familie ihre Besitztümer pflegt, ihr Stammsitz, an dem das Auto steht, ist auch Jahrhunderte älter als das Auto und trotzdem noch gut in Schuss.
Kunde2: Wie sieht es mit Garantie aus?
Ich: Die ist vor ungefähr 111 Jahren abgelaufen.
Kunde2: Sie haben mir ja viele Fotos von Unterlagen geschickt. Woher weiß ich, was da steht?
Ich: So wurde 1908 geschrieben, Sie müssten sich nur jemanden suchen, der es lesen kann. Mir fällt es auch schwer.
Kunde2: Ich habe mich schon erkundigt, die Firma, die das Auto angeblich ausgeliefert hat, gibt es ja gar nicht mehr!!!
Ich: Das kann passieren, dass nach 112 Jahren eine Firma nicht mehr existiert.
Kunde2: Aber wie soll ich das denn prüfen können!
Ich: Es gibt Leute, die sich auf etwas spezialisiert haben, der Hersteller des Fahrzeugs bietet das auch an.
Kunde2: Ja, aber das kostet über 30.000€!
Ich: Und?
Kunde2: Dann lassen Sie doch ein Gutachten da machen!
Ich: Nein. Sie zweifeln die Authentizität an, der Besitzer des Fahrzeugs hingegen kann die gesamte Geschichte des Autos lückenlos belegen!
Kunde2: Das stimmt nicht! Zu manchen Jahren gibt es gar nichts!
Ich: Ja, beispielsweise zu den ersten 4 Jahren des 2. Weltkriegs, danach wurde das Fahrzeug als Sanitätshilfsfahrzeug eingesetzt, sowohl der Umbau dazu als auch der Rückbau sind belegt, mit Bildern sogar!
Kunde2: Und die vier Jahre davor??? Was war da?
Dass auch sehr lange Gespräch endete ohne Verkauf und mit der Beschuldigung, Betrüger zu sein.
Kunde3: Und wieso wird das Auto dann jetzt verkauft?
Ich: Der letzte Mann, der es warten und damit umgehen konnte, ist mit über 90 Jahren verstorben, der Besitzer ist selbst pflegebedürftig, die Nachkommen haben kein Interesse an der Fahrzeugsammlung.
Kunde3: Boah, so ein alter Scheißkerl! Und auch noch gierig, so ein Sack!
Dass kurze Gespräch endete abrupt.
Vor Ort
Angereist ist ein Paar, er Mitte Sechzig, sie jung und dekorativ in einem italienischen Sportwagen siebenstelliger Preisregion. Der „Experte“ reist verzögert im Range Rover mit Anhänger an.
Kunde4 (er): Können wir ne Runde drehen?
Ich: Sind Sie schonmal ein Vorkriegsauto, also eins gebaut vor dem ersten Weltkrieg, gefahren?
Kunde4 (er)(lacht): Seh ich so alt aus?
Ich: Ich weiß im Prinzip, wie das Fahrzeug funktioniert, aber bin persönlich das letzte Mal 1971 mitgefahren, zur Hochzeit des heutigen Besitzers. Ich war fünf. Also, ich traue es mir kaum zu.
Kunde4 (sie): Schatzi, warte doch, bis X kommt, der kennt sich aus!
Kunde4 (er): Mausi, so machen wir das.
Während auf Mr. X gewartet wird werden alle Unterlagen geprüft und das Auto unter lautem Gekicher (die Hupe wurde entdeckt) untersucht.
Ankunft Experte.
Kunde4 (X): Dann wollen wir uns die Karre mal ansehen!
30 Minuten erratische Besichtigung später kommt der „Experte“ zur Ansicht, dass das Auto das ist, was angeboten wird.
Kunde4 (er): X, fahren wir mal ein Stück?
Kunde4 (X): Ist denn einer hier, der die Karre starten kann?
Ich: Sind Sie nicht der Experte?
Kunde4 (X): Na klar, ich kenn mich mit alten Karren aus.
Ich: Horrido, denn frisch gestartet!
Kunde4 (X, er, sie) suchen 30min nach möglichen Starteinrichtungen, Auto tut keinen Mucks.
Ich: Darf ich vielleicht kurz…?
Kunde4 (er): Nee, schon gut, dafür hab ich ja meinen Experten!
Kleiner Zeitsprung. Auch nach einer Stunde kein Mucks, man war der Realität der Bedienung nicht mal nah gekommen.
Ich: Darf ich kurz helfen? (ich hatte das Handbuch des Chassisherstellers gelesen und war somit mit den Prozeduren vertraut)
Eine Minute Arbeit. Auto läuft. DONNERND.
Kunde4 (sie): SCHATZI, DAS IST ABER VOLL LAUT!
Kunde4 (er): GEIL, ODER?
Probefahrt. Nachdem ich die Pedale erklärt habe (Gas mitte, Bremse rechts, Kupplung links), die Zündungsverstellung im Lenkrad erklärt habe und die Tatsache, dass man die beiden Hebel rechts außen neben der Tür als Bremse für hinten, links und rechts getrennt nutzen kann und der dritte zum Schalten des Getriebes dient) möchte niemand sonst fahren.
Nach 5 Minuten sind wir, akustisch erschöpft, zurück. Wir haben das Anwesen nicht verlassen und sind jede Strecke nur je einmal gefahren.
Kunde4 (er) (über alle Backen strahlend): SO GEIL! Den muss ich haben!
Ich: Schön! Auf wen soll der Kaufvertrag ausgestellt werden und wohin soll das Auto geliefert werden?
Kunde4 (er): Den nehmen wir gleich mit!
Ich: Auf dem Anhänger???
Kunde4 (X): Ich kenn mich aus, ich transportiere dauernd Autos!
Ich: Die Leermasse vom Fahrzeug beträgt schon über 3 Tonnen!
Kunde4 (X): Das schafft der Range Rover mit links!
Ich: Ja, der RR bestimmt. Aber Ihr Anhänger hat nur 2.2t Nutzlast!
Kunde4 (er): Lassen Sie gut sein, Herr Wilms, der ist ja schließlich Experte!
Ich: Ich bin zufrieden, wenn Sie zufrieden sind!
Kunde4 (sie): Schatzi, jetzt gib dem Mann sein Geld, wir wollen doch noch shoppen!
Ich: Wie wollen Sie zahlen?
Kunde4 (er): Überweisung ok?
Ich: Ja, sobald das Geld auf dem Konto ist können Sie los!
Nach weniger Zeit als für einen Kaffee benötigt war das Geld auf dem Konto. Kunde4 (er und sie) ab.
Kunde4 (X): Dann lad ich mal auf.
Ich: Brauchen Sie Hilfe?
Kunde4 (X): Von Ihnen? Ich lad jeden Tag Autos auf!
Ich: Wenn Sie was brauchen, ich bin drinnen!
Es vergehen gut 30min, der Oldtimer bewegt sich nicht, RR und Anhänger sind passend davor rangiert.
Kunde4 (X): Können Sie mal grade kommen?
Ich: Gern. Was ist denn?
Kunde4 (X): Das Auto bewegt sich nicht!
Ich: Haben Sie den Gang raus genommen?
Kunde4 (X): Hab ich versucht, aber das geht nicht!
Ich: Haben Sie mal den Hebel hier versucht?
Kunde 4 (X): Oh!
Ich: Soll ich dabei bleiben, dann kann ich Sie einweisen?
Kunde 4 (X): Weswegen? Ich nutz die Winde und am Anhänger sind Spiegel, Sie können mir nicht helfen!
30min später war er dann weg. Grußlos.
Zwei Wochen später. Anruf.
Kunde4 (er): Ganz schöne Scheiße, der Oldtimer braucht vier neue Räder und Teile für die Achsen!
Ich: Um Gottes Willen, hatten Sie einen Unfall?
Kunde4 (er): Nein, ich bin das Auto noch nie gefahren!
Ich: Was ist denn passiert?
Kunde4 (er): Unser Experte, X, hat den Wagen doch verladen.
Ich: Ja, ohne Hilfe, er kannte sich ja aus.
Kunde4 (er): Ja, hab ich gedacht. Er hat das Auto mit Gurten durch die Räder gesichert. Die sind aus Holz. Raten Sie!
Ich: Sie sind gebrochen!
Kunde4 (er): Ja, und dann hat er die Gurte um die Achsen gezogen. Und die sind jetzt krumm! Schaden mindestens 40.000 Euro, nur für die Teile!
K U N D E !!!!!
Ich bin übrigens kein Autohändler.
To be continued
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