"Dem Preislied auf den Sinn des Lebens gegenüber erscheint es mir ratsam, vor dem zu warnen, was Lessings Nathan „andächtig schwärmen" nennt. Drum will ich gleich betonen, daß man in den Sinn des Lebens nicht wie in eine gnädig erschlossene Himmelstür eingeht. Für ein Geschöpf, das in den Trieben eines abgesonderten Körpers wurzelt, ist das Ichleben die ursprüngliche Naturform, und sich von ihr zu lösen bringt neben der Befriedigung des bessern Selbst manche Anstrengung, Entäußerung, ja Marterqual mit sich. So erscheint es wohl verständlich, daß die Seele, noch an ihrer Ichform hängend, weil sie davon noch nicht genügend enttäuscht worden ist, zurückbebt vor der Zumutung, den egoistischen Standpunkt aufzugeben. Erst eine heroische Gesinnung entschließt sich zur Hingabe an das überegoistische Leben."
Bruno Wille (1860-1928)
Viele Esoteriker und spirituelle Menschen meinen, dass alles beliebig sei, man jeden Schwachsinn glauben und verbreiten kann und kontern auf die Konfrontation mit der Realität gern mit „das ist halt meine Wahrheit“ oder „Meinungsfreiheit“. Dies ist nichts anderes als die Behauptung des egoistischen Geistes, jener Kraft, die unsere Welt verheert. Wahrlich, es gibt nicht so etwas wie „meine Wahrheit“. Denn entweder ist etwas wahr, dann ist es nicht mein, oder es ist mein, dann ist es nicht wahr. Es ist also ein Kennzeichen von echten Formen der Wahrheit, dass sie eben nicht nur für mich gelten, im Bereich meiner Vorstellungswelt, sondern für Alle Gültigkeit besitzen. Dabei ist es gleichgültig, ob es sich um einen naturwissenschaftlichen Fakt oder ewige Weisheit handelt.
Auch ist Esoterik oder Spiritualität nicht Rungeschwurbel oder eitle Schwärmerei. Mein erster Meister, der Magier Karl Spiesberger, gab mir folgende Grunddefinitionen mit auf den Weg: Spiritualität ist Charakterveredelung. Das heißt, hilft es mir nicht, meine edelsten Seiten in mir zu kultivieren und zum Vorschein zu bringen, ist es kein spiritueller Weg. Dann: Spiritualität ist Wahrheitssuche. Wie ich immer sage, Wahrheit befindet sich jenseits eigenen Dafürhaltens, nur dort ist sie zu suchen und zu finden. Letztlich: Spiritualität ist harte Arbeit. Nämlich an und in sich selbst, um seine Ichheit und Eigenheit (wie Meister Eckhart es ausdrückte) zu überwinden.
Dies ist ein zentraler Teil aller Traditionen: Moses fordert, den „Tanz ums Goldene Kalb“, das ist ein Symbol für das Ego, wenn sich immer alles nur um mich selbst dreht, aufzugeben und Gott ins Zentrum zu stellen; Jesus sagt, wer sein Ich nicht überwindet und sein Kreuz auf sich nimmt tagtäglich, kann mir nicht nachfolgen; Buddha lehrt, die Ich-Anhaftungen sind die Ursache allen Leidens, sie in Nichts (Nirwana) aufzulösen bringt Erleuchtung; Mohammed fordert die vollkommene Hingabe (Unterwerfung = Islam) an Gott durch Aufgabe der egoistischen Getriebenheit; Krischna sagt, dass wir uns ganz unserer höchsten Bestimmung und Gott hingeben müssen und alle eigenen Vorstellungen fahren lassen sollen usw. usf.; wir werden dies als Kernforderung aller echten Religion und echten spirituellen Pfade finden. Auch ich lehre, sich von den Eigenidentifikationen (Ich) zu lösen und Allverbundenheit (Liebe) zu kultivieren.
Meister Wille beschreibt es fast mit gleichen Worten, wenn wir unser Leben in den Trieben eines abgesonderten, also vom Ganzen und seinem Sinnzusammenhang getrennten Dasein, wurzeln lassen, bedeutet das, die Ichheit als die natürliche Form anzunehmen. Das ist Teil der großen Illusion und was uns vom Ganzen trennt, trennt uns auch vom Sinn des Lebens. Diese Trennwand, die wir ziehen und für gegeben und natürlich annehmen, ist Illusion der Maya, die Welt der Lüge, der Herrschaftsbereich des Shaitan, der Schleier der Isis, die Unbewusstheit und Unwissenheit. Was nach meiner Lehre diese Mauer überwindet ist dieselbe Kraft, die sich am Ende als der Sinn entpuppt: Liebe.
Zweiter Teil hängt unten an...
Ich bete für den Frieden in der Welt. Israel, Amerika und Iran, bitte beendet den Krieg. Russland und Ukraine, bitte beendet den Krieg und lasst uns Frieden schließen. Die Menschheit leidet. 😔 💔 😢 😞