Großalarm im Vaterland:
Da ist er gerade mal einen Monat im Amt, und schon begeht der frischgebackene Bundestrainer Jürgen Klopp das ultimative Sakrileg: Er redet bei seiner ersten Kaderbekanntgabe über „positiven Patriotismus“. Schlimmer noch für die völkischen Afd Kameraden:
Er verkündet vor laufenden Kameras, er wolle den „Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen“ und möchte sich am liebsten die schwarz-rot-goldene Flagge „zurückholen“.
Ein klarer Seitenhieb in Richtung AfD. Und prompt brennt die Social-Media-Kurve.
In den Kommentarspalten herrscht seither kollektives Heulen und Zähneklappern der selbsternannten „wahren Patrioten“.
Die Empörung läuft auf Hochtouren.
Jürgen Klopp hat den Begriff „Nationalstolz“ entstaubt, mit Freundlichkeit aufgeladen und den Wutbürgern damit ihr liebstes Spielzeug weggenommen. Kein Wunder, dass die Filterblase weint – ihr wurde gerade erklärt, dass man Deutschland lieben kann, ohne den Rest der Welt zu hassen.
#afd #dfb #nationalmanschaft #AfDzerstörtDeutschland #klopp
So Leute, Schluss für heute.
Deutschland hat ein Problem, aber vielleicht ein anderes als das, über das wir ständig reden.
Den Menschen wird erklärt, sie müssten länger arbeiten, mehr Eigenverantwortung übernehmen und sich bei Rente, Pflege und Gesundheit auf Veränderungen einstellen. Gleichzeitig hören sie seit Jahren, wie schlecht es Deutschland gehe und was wir uns alles nicht mehr leisten könnten.
Dann schauen sie auf die andere Seite der Rechnung.
Fast eine Billion Euro Steuereinnahmen. Deutschland gehört weiterhin zu den größten Volkswirtschaften der Welt. Für Verteidigung werden inzwischen Summen mobilisiert, die vor wenigen Jahren politisch kaum vorstellbar gewesen wären. 500 Milliarden Euro stehen für die Infrastruktur bereit.
Und trotzdem ist die Brücke gesperrt, die Schule sanierungsbedürftig, die Bahn unpünktlich und das Schwimmbad geschlossen.
Ich bin ausdrücklich für eine starke und gut ausgestattete Bundeswehr. Aber auch dort ersetzt ein großer Geldbeutel keine Strategie. Die Kataloge der Rüstungsindustrie von vorne bis hinten leerzukaufen macht noch keine funktionierende Verteidigungspolitik.
Genauso wenig ist es eine Rentenreform, den Beitrag zu erhöhen oder das Rentenalter immer weiter nach hinten zu verschieben. Und eine Gesundheitsreform ist nicht automatisch eine Reform, nur weil Versicherte anschließend mehr selbst bezahlen.
Natürlich müssen wir reformieren.
Unsere Gesellschaft wird älter, die sozialen Sicherungssysteme stehen unter Druck und Deutschland hat einen gewaltigen Investitionsstau.
Aber dann zeigt den Menschen endlich die ganze Rechnung.
Wer muss welchen Beitrag leisten? Warum? Was wird grundlegend verändert? Und vor allem: Was funktioniert anschließend besser?
Eine Reform, die einem angeschlagenen System lediglich weitere fünf Jahre kauft, ist keine Reform. Sie verschiebt nur den Zeitpunkt, an dem wir dieselbe Diskussion erneut führen.
Menschen sind durchaus bereit, Veränderungen und auch Belastungen zu akzeptieren. Aber sie müssen erkennen können, dass die Lasten fair verteilt werden und am Ende eine echte Verbesserung steht.
Deutschland fehlt nicht nur Geld an der richtigen Stelle.
Uns fehlt inzwischen vor allem eine verständliche Vorstellung davon, wo dieses Land nach all den Reformen eigentlich stehen soll.
Wir brauchen Politiker, die den Menschen nicht ständig erzählen, was angeblich alles nicht mehr geht.
Wir brauchen Politiker, die ehrlich sagen, was nicht funktioniert, was verändert werden muss, wer welchen Anteil trägt und wie das System danach besser funktioniert.
Zeigt uns die ganze Rechnung.
Dann können wir auch darüber reden, wie wir sie gemeinsam bezahlen.
Gehabt euch wohl.
Das, was Sie hier tun, ist unterste Schublade. Die Abgeordnete hat einen Spendenaufruf für Sea Watch gestartet, nicht für das Ordnungsgeld.
Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie verkommen Politik heute in Teilen ist.
Keine Ahnung, wer auf die Idee kommt, Ihnen die Verantwortung für ein ganzes Land zu geben.