📊 DIE BÖRSENWOCHE (KW 41): S&P 500 schließt erstmals über 7.800 Punkten, US-Rendite auf höchstem Stand seit 2002, Brent bei 104,7 $, DAX mit -0,6 %. Der Wochen-Recap:
1. Bilanz: Der S&P 500 gewann +1,2 %, der Nasdaq +0,6 % und der Dow +0,9 %. Der Russell 2000 verlor -0,9 %, weil steigende Renditen kleine Werte am Mittwoch um -1,3 % drückten. Der DAX gab -0,6 % nach, der EuroStoxx 50 -1,0 %.
2. Thema der Woche waren die Renditen. Die zehnjährige US-Anleihe rentierte am Montag mit 5,31 % so hoch wie seit 2002 nicht mehr. In Europa stiegen vor allem die Renditen in Frankreich. Am Mittwoch fielen DAX und Dow deshalb um -1,4 % und -0,7 %. Am Donnerstag meldete die Financial Times, dass der Jahresumsatz von OpenAI rund 20 Mrd. $ unter den Schätzungen liegt, der Nasdaq verlor -1,3 %. Bis Freitag sank die US-Rendite auf 5,24 %.
3. Konjunktur: Der ISM-Dienstleistungsindex lag mit 54,9 knapp unter der Prognose von 55,2, sein Preisindex stieg auf den höchsten Wert seit Juli 2022. Die Erstanträge sanken auf 197.000 (erwartet 200.000). Die Stimmung laut Uni Michigan fiel auf 46,3 Punkte, erwartet waren 47,8. In Deutschland brach der Auftragseingang im August um -10,6 % ein, weil Großaufträge wegfielen. Erwartet waren -1,0 %. Die Produktion stieg dagegen um +2,0 % statt +0,5 %.
4. Notenbanken: Laut Protokoll hält die Mehrheit der Fed eine weitere Erhöhung bis Jahresende für wahrscheinlich. Die Chance auf einen Schritt im Oktober sank laut CME FedWatch binnen einer Woche von rund 51 % auf 21,6 %. Die EZB legt sich laut ihrem Protokoll auf keinen Zinspfad fest, der Einlagensatz liegt bei 2,50 %.
5. Earnings: $PEP setzte 25,27 Mrd. $ um, erwartet waren 24,96 Mrd. $. Die Aktie stieg um +3,7 %, obwohl der Gewinnausblick sank. $LW verdiente mehr als erwartet und hob die EBITDA-Spanne an, die Aktie legte +7,5 % zu. $DAL lag mit 1,72 $ je Aktie unter den Schätzungen und senkte wegen höherer Treibstoffkosten die Jahresprognose. Vorbörslich fiel die Aktie zeitweise um -4,4 %.
6. Öl und Devisen: Brent stieg auf Wochensicht um +2,4 % auf 104,72 $. Am Donnerstag sprang der Preis um +4,1 %, weil ein Bericht über mögliche US-Angriffe auf Iran die Sorgen um die Golfschifffahrt verstärkte. Trump erklärte danach, Iran vor den Midterms nicht anzugreifen. Der Euro gab laut EZB-Referenzkurs um -0,2 % auf 1,1206 $ nach.
7. Deutschland: Der DAX fiel am Donnerstag auf den tiefsten Stand seit dem 23. Juli und holte am Freitag +1,1 % auf 25.087 Punkte auf, weil Renditen und Ölpreis nachgaben. Wochenverlierer war Infineon mit -8,9 % nach Gewinnmitnahmen und dem Abverkauf von Chipwerten. Die Telekom verlor -7,0 %, weil SpaceX ($SPCX) US-Mobilfunkfrequenzen erwirbt und T-Mobile US damit neue Konkurrenz droht. SAP gewann +4,1 %, am Dienstag allein knapp +2 % im starken Umfeld für Tech-Werte.
8. Sonstiges: Der S&P 500 schloss am Dienstag mit 7.818,93 Punkten auf Rekord. $CEG stieg am selben Tag um +12,3 %, weil Google 20 Jahre lang zusätzlichen Atomstrom abnimmt. $MRNA gewann am Freitag rund +9 % nach einem Bericht über eine NIH-Initiative für Krebsimpfstoffe.
Ausblick KW 42:
Am Montag bleibt der US-Anleihemarkt wegen des Columbus Day geschlossen.
Am Dienstag starten $JPM, $GS und $C die Berichtssaison.
Am Mittwoch kommen um 14:30 Uhr die US-Verbraucherpreise, dazu ASML.
Am Donnerstag folgen um 14:30 Uhr die US-Erzeugerpreise, außerdem berichtet TSMC.
Am Freitag erscheint die US-Industrieproduktion.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
☕ US-MARKT GESTERN: Der S&P 500 steigt um 0,6 %, T-Mobile verliert nach dem SpaceX-Spektrumdeal 13,3 %, die 10-jährige Rendite klettert auf 5,24 %. Der komplette Recap:
1. S&P 500 +0,6 % (7.812), Nasdaq +0,6 % (27.366), Dow +0,8 % (51.655), Russell 2000 +0,5 % (2.807). Der Russell 2000 schließt die Woche dennoch mit -0,9 % ab.
2. Der Auslöser: Präsident Trump hatte gesagt, die USA würden den Iran vor den Zwischenwahlen am 3. November nicht angreifen. Öl gab daraufhin zeitweise nach. Tech-Werte erholten sich vom Ausverkauf am Donnerstag, den ein Bericht über rund 20 Mrd. $ niedrigere Jahreserlöse bei OpenAI ausgelöst hatte.
3. Die Mobilfunker gerieten unter Druck: $TMUS -13,3 %, $T -9,8 %, $VZ -8,7 %. SpaceX kauft landesweites Low-Band-Spektrum und könnte damit zum großen Mobilfunkanbieter werden. Kutgun Maral von Evercore ISI: "The carriers' best argument just got weaker."
4. Die Funkturmbetreiber profitierten vom selben Deal. $CCI stieg um 15,6 %, $AMT um 9,3 %.
5. $HUM legte 11,6 % zu. Laut Regierungsdaten sind 2027 rund 95 % der Humana-Mitglieder in Medicare-Advantage-Plänen mit mindestens vier Sternen.
6. $DAL schloss mit weniger als +0,1 % und machte ein frühes Minus wett. Das bereinigte EPS im dritten Quartal lag bei 1,72 $, erwartet waren 1,82 $. Delta senkt die Jahresprognose für das bereinigte EPS auf 5,10 bis 5,60 $ nach zuvor 6,50 bis 7,50 $, weil die Treibstoffkosten 2026 um rund 6 Mrd. $ steigen.
7. Die 10-jährige Rendite stieg auf 5,24 % nach 5,22 % am Donnerstag. Mitte der Woche erreichte sie zeitweise den höchsten Stand seit 2002. Brent schloss +0,4 % bei 104,72 $ und bleibt damit über 100 $, WTI +0,4 % bei 91,85 $. Öl drehte ins Plus, weil Firmen wegen Hurrikan Isaias mehr als 70 % der US-Förderung im Golf von Mexiko stilllegten.
8. Die Verbraucherstimmung der Uni Michigan fiel im Oktober auf 46,3 Punkte, erwartet waren 47,6 (September: 48,1). Die Inflationserwartung auf ein Jahr stieg auf 4,7 % von 4,6 %. Nach der Zinserhöhung im September sehen die Märkte laut CME FedWatch (zitiert von Mitrade, 10.10.) eine Chance von rund 20 % für einen weiteren Schritt am 28. Oktober.
Fazit: Der Freitag holte einen Teil der Verluste der beiden Vortage zurück, getragen von Tech und einem zeitweise schwächeren Ölpreis. Jim Reid von der Deutschen Bank verweist auf die Saisonalität: "we've now entered what has historically been a much stronger seasonal period." Ob die Berichtssaison die Rekordnähe stützt, ist offen.
Heute: Keine US-Termine, am Wochenende ruht der Handel. Kommende Woche eröffnen am Dienstag die Großbanken die Berichtssaison, am Mittwoch um 14:30 Uhr folgen die US-Verbraucherpreise für September.
Asien am Freitag: Der Nikkei 225 schloss nahezu unverändert, der Hang Seng stieg um 1,8 %.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
🔔 EUROPA HEUTE: DAX zurück über 25.000 Punkte, Deutsche Telekom -7,9 %, Salzgitter +13,4 %. Der Recap:
1. DAX +1,1 % (25.087), MDAX +1,6 % (29.990), EuroStoxx 50 +0,8 % (6.173), CAC 40 +1,0 % (7.803), FTSE 100 +1,1 % (10.552), SMI +1,1 % (13.787). Die Woche schließt der DAX mit -0,6 % ab.
2. Der Treiber: Trump dementierte Berichte über neue US-Angriffe auf den Iran. Brent fiel daraufhin zeitweise auf 103,20 $ (-1,0 %), die Inflationssorge ließ nach und die Renditen in der Eurozone sanken, am stärksten in Frankreich. Zuvor kam der DAX in vier Handelstagen auf gut -1,7 %.
3. Die Telekom schloss mit -7,9 % als DAX-Schlusslicht. SpaceX hat landesweite US-Frequenzen gekauft und will Mobilfunkanbieter werden, das trifft die Tochter $TMUS. Rational stieg um +6,6 %, weil RBC auf "Outperform" hochstufte. SAP gewann +3,7 %, denn Berichte über geringere OpenAI-Umsätze dämpften die KI-Sorgen bei Software.
4. Salzgitter sprang um +13,4 %. Die UBS rät zum Kauf und hob das Kursziel auf 71 €. Thyssenkrupp zog im Sog von Salzgitter um +6,7 % an. Schott Pharma fiel um -4,7 %, die Deutsche Bank stufte nach fast +70 % seit Jahresbeginn auf "Hold" ab.
5. ArcelorMittal legte in Paris um +5,9 % zu, auch hier nach einer Kaufempfehlung der UBS. Roche stieg um +1,5 %, weil die FDA Tecentriq für eine zwölfte Anwendung zuließ.
6. Vodafone verlor -4,9 %, Orange -2,5 %, beide wegen der SpaceX-Pläne. In New York starteten $T, $VZ und $TMUS zwischen -6,3 % und -8,9 %.
7. Die Bund-Rendite lag am Abend bei 3,48 %, Frankreichs Zehnjährige sank auf 4,85 %. Der EZB-Referenzkurs stieg auf 1,1206 $ nach 1,1186 $. Brent drehte bis zum Abend auf 104,69 $ (+0,4 %), weil Angriffe auf Schiffe weiter verunsichern.
8. In den USA fiel die Verbraucherstimmung der Uni Michigan vorläufig auf 46,3 Punkte, erwartet waren 47,6. Laut Helaba ist eine weitere EZB-Zinserhöhung bis Jahresende nicht mehr voll eingepreist. Der Dow lag am Nachmittag bei 51.380 Punkten (+0,3 %).
Fazit: Der DAX steht wieder über 25.000 Punkten, die Woche endet trotzdem im Minus. Getragen wurde der Freitag von sinkenden Renditen und einem Dementi aus Washington. Timo Emden von CapTrader sieht unter der Oberfläche "erhebliche Unsicherheitsfaktoren glimmen".
Morgen: Es beginnt das Wochenende. Am Montag folgen um 11:00 Uhr der VW-Absatz und um 17:45 Uhr der LVMH-Umsatz für das dritte Quartal.
Morgen früh: US-Recap.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
☕ US-MARKT GESTERN: Nasdaq -1,3 % nach Chip-Abverkauf, Brent +4,1 % nach Explosionen in Riad, $PEP +3,7 % nach Quartalszahlen. Der komplette Recap:
1. S&P 500 -0,5 % (7.765), Nasdaq -1,3 % (27.193), Dow +0,1 % (51.232), Russell 2000 +0,0 % (2.794).
2. Der Auslöser: Die Financial Times berichtete, dass der annualisierte Umsatz von OpenAI rund 20 Mrd. $ unter früheren Schätzungen liegt. Das traf die Chipwerte, deren hohe Bewertungen starkes Wachstum voraussetzen. Der Techsektor (XLK) schloss bei -2,1 %.
3. Halbleiter unter Druck: $MU -4,8 %, $AVGO -4,3 % und $NVDA -2,9 % gaben im Sog des OpenAI-Berichts nach. $AAOI schloss bei -13,6 %, weil Anleger eine Verwässerung durch ein At-the-Market-Angebot über 600 Mio. $ und den schwachen Q3-Ausblick fürchteten.
4. $PEP schloss bei +3,7 %. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,34 $ (erwartet 2,30 $), der Umsatz bei 25,27 Mrd. $ (erwartet 24,97 Mrd. $). Die Prognose für das bereinigte EPS-Wachstum zu konstanten Wechselkursen sank auf +1 bis +2 %, zuvor galt das untere Ende von +4 bis +6 %.
5. $HAE schloss bei +17,5 % nach einem Deal mit CSL Plasma samt erweitertem Liefervertrag. $CMG schloss bei +4,4 %, nachdem die FT berichtet hatte, dass $SBUX mit Beratern eine mögliche Übernahme prüft.
6. Energie war mit +2,3 % (XLE) der stärkste Sektor. Explosionen in Riad und iranische Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus trieben den Ölpreis, Brent lag zeitweise über 107 $. Trump sagte später, die USA würden Iran vor den Midterms nicht angreifen.
7. Die 10-jährige Rendite lag zeitweise über 5,35 % und schloss bei 5,22 %. Eine Auktion 30-jähriger Anleihen über 22 Mrd. $ drückte deren Rendite auf 5,60 %, die 2-Jährige lag bei 4,75 %. Brent schloss bei 104 $ (+4,1 %), über der 100-Dollar-Marke, WTI bei 91 $ (+3,3 %). Gold legte auf 4.159 $ zu (+0,4 %).
8. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen auf 197.000 (erwartet 200.000). Fed-Gouverneur Waller sagte in Istanbul: "I anticipate additional hikes to support a timelier return of inflation to our 2% goal." Laut CME FedWatch (Stand 5. Oktober) lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 28. Oktober bei 22,1 %.
Fazit: Trotz steigender Ölpreise und hoher Renditen hielten sich die breiten Indizes, die Schwäche konzentrierte sich auf KI-Werte. Steven Innes von SPI Asset Management schrieb: "Equities remain within striking distance of record highs, but the backdrop has turned considerably less hospitable."
Heute: 15:30 Uhr Rede von Fed-Präsident Schmid (Kansas City), 16:00 Uhr Uni-Michigan-Konsumklima (vorläufig, Oktober), 16:00 Uhr Telefonkonferenz von Delta Air Lines zu Q3.
Asien über Nacht: Nikkei -0,8 %, Shanghai -1,4 %, Hang Seng +1,1 %. Brent notierte früh bei 103 $ (-1,0 %).
Heute Abend: Recap Europa.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
🔔 EUROPA HEUTE: DAX schließt unter 25.000 Punkten, Brent steigt über 105 $, OPMobility bricht um 20,8 % ein. Der Recap:
1. DAX -1,2 % (24.807), MDAX -2,0 % (29.507), EuroStoxx 50 -0,9 % (6.127), CAC 40 -0,5 % (7.730), SMI -1,2 % (13.637). Der DAX fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende Juli. Der FTSE 100 schloss nahezu unverändert.
2. Der Treiber: Laut "The Atlantic" soll das Pentagon Optionen für Angriffe auf den Iran vor den US-Zwischenwahlen ausarbeiten. Öl zog daraufhin an, Inflationssorgen kehrten zurück, und Anleger rechnen mit weiteren Zinserhöhungen der EZB. Dazu kam die Sorge um Frankreichs Defizit.
3. OPMobility verlor 20,8 %, weil der Zulieferer sein Gewinnziel senkte und 770 Stellen streichen will. Forvia fiel um 10,9 %, Valeo um 7,5 %. Im MDAX gab Aumovio zeitweise 7,5 % nach.
4. Argenx brach zeitweise um mehr als 17 % ein, nachdem das Unternehmen eine Phase-III-Studie beim Sjögren-Syndrom gestoppt hatte. Jungheinrich verlor zeitweise 5,8 %, weil die Bank of America auf "Underperform" abstufte.
5. Infineon gab zeitweise rund 3 % nach. Samsungs Quartalszahlen erfüllten die sehr hohen Erwartungen nicht ganz, das belastete Chipwerte.
6. Tesco stieg um 5,2 % nach besser als erwarteten Halbjahreszahlen. TotalEnergies legte mit dem Ölpreis um 2,9 % zu. Emmi gewann 2,5 %, nachdem Vontobel die Aktie zum Kauf empfahl.
7. Brent verteuerte sich um rund 5 % auf über 105 $. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen lag bei rund 3,5 %. Der Euro hielt sich um 1,12 $. Frankreichs Finanzminister Roland Lescure sagte: "Das öffentliche Defizit ist alarmierend, und deshalb müssen wir jetzt handeln".
8. Die deutschen Exporte sanken im August um 0,8 % zum Vormonat, erwartet war ein Plus von 1,0 %. Die Bundesregierung hob ihre Wachstumsprognose für 2026 dennoch von 0,5 % auf 1,3 % an. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sprach von einem "mittelgroßen Schock". Die Wall Street lag zum Europa-Schluss leicht im Minus.
Fazit: Teures Öl und hohe Renditen haben den Markt heute fest im Griff, die Sorge um Frankreich kam hinzu. Andreas Lipkow von CMC Markets sieht wenig Spielraum für größere Aktienkäufe, "solange weder bei den Energiepreisen noch bei den Anleiherenditen Entspannung eintritt". Mark Haefele von UBS sieht in den höheren Spreads "keine Zeichen einer unmittelbar bevorstehenden Finanzierungskrise".
Morgen: 07:30 Uhr OMV, Trading Update Q3. 15:35 Uhr Rede von EZB-Direktorin Schnabel. 16:00 Uhr US-Verbraucherstimmung der Uni Michigan.
Morgen früh: US-Recap.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
Steigende Anleihen Renditen verteuern Kredite, und das trifft nicht alle Unternehmen gleich. Kleinere Firmen finanzieren sich häufiger über Kredite, deshalb belastet sie jeder Anstieg der Zinsen schneller. Laut TheStreet traf der Anstieg der Renditen vor allem die Nebenwerte, und der Russell 2000 verlor am stärksten. Im S&P 500 und im Nasdaq haben die großen Tech-Konzerne ein hohes Gewicht. Sie sind weniger auf Kredite angewiesen und galten an diesem Tag eher als sicherer Hafen. James DePorre von TheStreet Pro sah die großen KI-Werte inzwischen in einer defensiven Rolle. Dasselbe Muster zeigte sich bei $CAT (-5,8 %): Baumaschinen werden oft auf Kredit finanziert, deshalb drücken höhere lange Renditen direkt auf die Nachfrage. $NVDA gab dagegen nur 0,7 % nach.
☕ US-MARKT GESTERN: Siegesserie von S&P 500 und Dow endet, 10-jährige Rendite zeitweise auf höchstem Stand seit 2002, $BULL -19,1 %. Der komplette Recap:
1. Nach den Rekorden vom Dienstag gaben die Indizes nach. S&P 500 -0,2 % (7.802), Nasdaq -0,2 % (27.539), Dow -0,7 % (51.180), Russell 2000 -1,3 % (2.793).
2. Der Auslöser: Die 10-jährige Rendite stieg am Vormittag bis auf 5,36 %, so hoch wie seit 2002 nicht. Das traf vor allem Nebenwerte. Eine stark nachgefragte Auktion über 39 Mrd. $ drückte die Renditen am Nachmittag, die Indizes schlossen klar über den Tagestiefs.
3. $CAT fiel um 5,8 %, weil höhere lange Renditen die oft kreditfinanzierte Nachfrage nach Baumaschinen belasten. Zacks stufte zudem auf "Hold" ab.
4. $BULL brach um 19,1 % ein. Ein China-Ausschuss des Repräsentantenhauses stuft die China-Verbindungen des Brokers als Sicherheitsrisiko ein, Webull bestreitet das. $SPCX verlor 2,5 % nach Berichten über 40 Mrd. $ Finanzierung für Nvidia-Chips. $WS gab 6,9 % ab, die Quartalszahlen enttäuschten.
5. $STZ stieg um 2,4 %. Constellation Brands meldete 2,63 Mrd. $ Umsatz (erwartet: 2,54 Mrd. $) und 3,74 $ Gewinn je Aktie (erwartet: 3,55 $). Die Jahresprognose bremste, ihre Mitte liegt unter den Schätzungen.
6. Nachbörslich legte $LEVI zu: 0,48 $ Gewinn je Aktie statt erwarteter 0,36 $, davon 0,16 $ aus Zollrückerstattungen. Der Umsatz verfehlte mit 1,61 Mrd. $ knapp den Konsens. Die Jahresprognose steigt auf 1,54 bis 1,56 $ je Aktie.
7. Die 10-Jährige schloss bei 5,28 %, die 30-Jährige bei rund 5,67 %. Brent ging mit 100,20 $ (-0,4 %) aus dem Handel, nachdem die IEA schnellere Freigaben aus den Reserven unterstützte. Bitcoin fiel bis zum US-Schluss auf rund 83.300 $ (-2,6 %), begleitet von Liquidationen über rund 696 Mio. $.
8. Laut Fed-Protokoll halten die meisten Mitglieder eine weitere Zinserhöhung bis Jahresende für angemessen. CME FedWatch zeigte am Mittwochabend 18 bis 19 % für eine Anhebung am 28. Oktober (https://t.co/b7Sgh9uUVD, Reuters, 7.10.).
Fazit: Die Rekordstimmung hielt zwei Tage, dann bestimmte wieder der Rentenmarkt das Bild. Diane Swonk (KPMG): "(The) minutes reveal that the debate within the Fed is largely on timing and the number of rate hikes needed." Kommende Woche starten die Großbanken in die Berichtssaison.
Heute: 12:00 Uhr Zahlen von $PEP, 14:30 Uhr Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Asien: Der Nikkei fällt unter 70.000 Punkte, der Kospi gibt trotz Rekord-Betriebsgewinn von Samsung (107,4 Bio. Won) nach. S&P-500-Futures am späten Abend -0,1 %.
Heute Abend: Recap Europa.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
🔔 EUROPA HEUTE: DAX fällt um 1,4 % auf 25.104 Punkte, US-Langfristrenditen auf dem höchsten Stand seit 2002, Banken und Chipwerte unter Druck. Der Recap:
1. DAX -1,4 % (25.104), MDAX -1,4 % (30.112). Damit endet eine Serie von drei Gewinntagen. Der EuroStoxx 50 lag zeitweise bei -1,8 %, der FTSE 100 zeitweise bei -0,4 %.
2. Der Treiber: Die Rendite 30-jähriger US-Anleihen stieg zeitweise auf 5,72 %, so hoch wie seit 2002 nicht. In Frankreich erreichte die Zehnjahresrendite zeitweise 4,91 %. Notenbankchef Emmanuel Moulin sieht das Land "mit Blick auf das Staatsdefizit durchaus in einer Risikozone". Höhere Zinsen verteuern Finanzierung, also trennten sich Anleger von Banken und Tech-Werten.
3. Infineon (-5,8 %) war Schlusslicht im DAX, weil Anleger vor den Zahlen der asiatischen Chipkonzerne Gewinne mitnahmen. Im MDAX fiel Süss Microtec (-9,3 %). BE Semiconductor verlor zeitweise mehr als 8 %, nachdem UBS auf "Sell" abgestuft hatte.
4. Der Renditeanstieg belastete die Banken. Deutsche Bank (-4,9 %) und UniCredit (-4,0 %) gehörten zu den schwächsten Werten im EuroStoxx 50. In Zürich gab UBS nach (-3,1 %).
5. Die EU erwägt Importbeschränkungen für chinesische Hybridautos. Renault und Stellantis stiegen deshalb zeitweise um rund 6 %, Porsche SE schloss im MDAX bei +3,4 %. Mercedes lag zeitweise bei -3,6 %, weil der Absatz in China erneut einbrach.
6. Defensive Werte waren gefragt. Deutsche Telekom (+2,2 %) war bester DAX-Wert, in Zürich stützten Roche (+2,9 %) und Novartis (+2,4 %). ABB (-3,3 %) und Holcim (-3,3 %) litten unter den Renditen.
7. Die Bundrendite blieb bei knapp 3,5 %. Der Euro gab nach, weil sich die Lage am französischen Anleihemarkt verschärfte, die EZB fixierte ihn bei 1,1177 $ nach 1,1269 $. Brent hielt sich über 101 $, da sich Angriffe in der Straße von Hormus häufen. "Die Lage an den Anleihemärkten bereitet den Anlegern zunehmend Sorgen", sagt Andreas Lipkow (CMC Markets).
8. Die deutsche Produktion stieg im August um +2,0 % zum Vormonat, erwartet waren +0,5 %. Wall Street lag zum Europa-Schluss im Minus: Dow Jones -0,9 %, S&P 500 -0,4 %, Nasdaq 100 -0,4 %.
Fazit: Der DAX gibt einen Teil seiner Erholung wieder ab, den Ausschlag gaben die Renditen in den USA und Frankreich. Lipkow sieht die US-Rekorde von wenigen Tech-Konzernen getragen: "Die breite Masse der Aktien kann mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten." Am Abend kommt das Fed-Protokoll. Analysten fürchten, dass es Spekulation auf eine Zinserhöhung im Oktober nährt.
Morgen: 08:00 Uhr Handelsbilanz Deutschland, 12:00 Uhr Quartalszahlen $PEP, 14:30 Uhr US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe.
Morgen früh: US-Recap.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
☕ US-MARKT GESTERN: S&P 500 und Nasdaq auf Rekord, $CEG springt nach Google-Deal um +12,2 %, das Handelsdefizit steigt auf 105,6 Mrd. $. Der komplette Recap:
1. Der S&P 500 stieg um +0,6 % auf ein Rekordhoch (7.819). Die Nasdaq schloss mit +0,4 % ebenfalls auf Rekord (27.600), der Dow gewann +0,5 % (51.521). Der Russell 2000 verlor -0,6 % (2.830).
2. Der Auslöser: Für die Q3-Saison, die nächste Woche startet, erwarten Analysten laut FactSet fast 30 % Gewinnwachstum. Zugleich fielen die Renditen von ihrem höchsten Stand seit 24 Jahren zurück. Das half vor allem Tech- und KI-Werten.
3. $CEG gewann +12,2 %, weil Google einen 20-jährigen Vertrag über Atomstrom unterschrieb. Constellation investiert dafür über 4,3 Mrd. $. Andere Stromerzeuger zogen mit, $VST stieg +10,8 %.
4. $CIEN legte wegen der Nachfrage nach KI-Netzwerktechnik +13,9 % zu. $AMD gewann +2,8 %, nachdem CEO Lisa Su sagte, der Bedarf an Rechenleistung übersteige das Angebot. $MRVL hob das Umsatzziel für 2028 auf 20 Mrd. $ und lag zeitweise rund +8 % vorn.
5. $OPCH stieg +32,6 %, weil McKesson und CD&R den Infusionsanbieter für 32,05 $ je Aktie übernehmen. $LW gewann +7,5 % nach Zahlen über den Erwartungen. Die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie hob Lamb Weston auf 3,05 bis 3,35 $.
6. $STX fiel -9,2 % und $WDC -6,9 %, weil Toshiba seine Festplattenkapazität verdoppeln will. $MRNA verlor -7,8 %, nachdem die WHO das Risiko einer Pest-Epidemie als niedrig einstufte. Nachbörslich stieg $NEOG um rund +8 % nach besseren Zahlen und höherer Umsatzprognose.
7. Die 10-jährige Rendite sank auf 5,28 % (Vortag 5,31 %), die 2-Jährige auf 4,79 %. Brent schloss bei 100,58 $ (+0,3 %) und hielt die Marke von 100 $. Über Nacht zog WTI um +0,9 % auf 90,21 $ an.
8. Das Handelsdefizit stieg im August auf 105,6 Mrd. $ (erwartet 102,0 Mrd. $), weil die Importe ein Rekordniveau erreichten. Nach der Zinserhöhung vom 16. September sieht CME FedWatch für den 28. Oktober eine weitere Erhöhung mit 21,6 %, für Dezember mit 86,2 % (Stand 6.10., via Benzinga).
Fazit: Der Markt handelt die Berichtssaison und hält Renditen über 5 % bisher aus. Ng Jing Wen von Mizuho Bank sieht darin Vertrauen, dass Gewinne "can withstand elevated energy costs and restrictive interest rates". Die Breite bleibt dünn, laut Yahoo Finance lag nur ein Viertel der S&P-500-Werte über dem 50-Tage-Durchschnitt.
Heute: 14:00 Uhr Call von Constellation Brands, 20:00 Uhr Fed-Protokoll zur Septembersitzung, 21:00 Uhr US-Konsumentenkredite.
In Asien gaben Nikkei und Kospi je -0,9 % nach, der Hang Seng -0,6 %. Shanghai hat Feiertag, die US-Futures sind kaum verändert.
Heute Abend: Recap Europa.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
🔔EUROPA HEUTE: DAX +0,8 %, Frankreichs Anleihen beruhigen sich, deutsche
Industrieaufträge -10,6 %. Der Recap:
1. DAX +0,8 % (25.449), TecDAX +0,9 % (4.105).
2. Der Treiber: Marine Le Pen, Chefin des Rassemblement National, hat einen
Haushaltsplan vorgelegt. Danach soll Frankreichs Defizit bis 2032 unter 3 % der
Wirtschaftsleistung sinken. Das beruhigte Frankreichs Anleihemarkt. Die
Zehnjahresrendite lag am Freitag bei fast 5 % und fiel heute zeitweise auf 4,70 %.
Dazu kamen Rekorde bei S&P 500 und Nasdaq 100.
3. Pharma und Labor waren gefragt. Auslöser war ein Bericht der Financial Times,
wonach $MCK und Clayton Dubilier & Rice den US-Anbieter Option Care Health
übernehmen wollen. Sartorius Vz. schlossen +3,2 %, Merck KGaA und Qiagen lagen
zeitweise mehr als +3,5 % vorn. Andreas Lipkow von CMC Markets: "Diese dürften
durch die bisherige Schwäche gegenüber dem Gesamtmarkt in den letzten
Handelswochen profitieren."
4. SAP stieg zeitweise (+2,4 %), nachdem Goldman Sachs das Kursziel von 215 auf
230 Euro angehoben hatte. Thyssenkrupp legte zeitweise zu (+3,0 %), getragen von
Übernahmespekulationen rund um TK Elevator.
5. In der Schweiz gewann Lonza zeitweise (+2,6 %). Der US-Kunde Vaxcyte hatte mit
seinem Pneumokokken-Impfstoff die Studienziele erreicht. Ölwerte lagen mittags
hinten, weil laut Commerzbank mehr Öl aus der Golfregion kommt als vor dem Krieg.
6. In New York sprang $OPCH (+33,0 %), weil die Käufer 32,05 $ je Aktie bieten.
$CEG gewann (+13,0 %), nachdem sich die Google-Mutter Alphabet Atomstrom gesichert
hatte.
7. Der Euro erholte sich, die EZB setzte den Referenzkurs auf 1,1269 $ nach 1,1204
$ am Montag. Brent fiel unter 100 $ und kostete am Abend rund 98 $. Grund sind
höhere Lieferungen durch die Straße von Hormus.
8. Der Auftragseingang der deutschen Industrie sank im August zum Vormonat (-10,6
%), erwartet waren -1,0 %. Ohne Großaufträge waren es nur -0,1 %, im Juli hatte es
viele Großaufträge im sonstigen Fahrzeugbau gegeben. Der Einzelhandel im Euroraum
setzte mehr um (+0,1 %), Prognose waren +0,2 %. Zum Europa-Schluss lagen Dow Jones
+0,5 %, S&P 500 +0,7 % und Nasdaq 100 +0,8 % im Plus.
Fazit: Die Entspannung in Paris trug den Markt, am Anleihemarkt spielten die
Auftragsdaten kaum eine Rolle. Der DAX lief zeitweise über 25.500 Punkte, schloss
aber darunter. Salah-Eddine Bouhmidi von IG hatte genau diese Marke als
charttechnische Hürde bezeichnet. Thomas Gitzel von der VP Bank zu den Aufträgen:"Es fehlt an einer neuen Investitionsdynamik, die auf einen dauerhaften
Konjunkturaufschwung hindeuten würde."
Morgen: 08:00 Uhr Industrieproduktion August (DE), 09:00 Uhr Kapitalmarkttag
Porsche AG, 20:00 Uhr Fed-Protokoll.
Morgen früh: US-Recap.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
☕ US-MARKT GESTERN: Nasdaq schließt auf Rekordhoch, zwei Übernahmen treiben $PTC und $RXO, die 10-j��hrige Rendite steigt auf 5,31 %. Der komplette Recap:
1. Der S&P 500 gewann +0,7 % (7.774) und liegt nur noch 0,3 % unter seinem Rekord aus dem Sommer. Die Nasdaq stieg um +1,1 % (27.477) auf ein Rekordhoch. Der Dow legte +0,2 % zu (51.268), der Russell 2000 +0,5 % (2.847).
2. Der Auslöser: Schneider Electric kauft $PTC für 205 $ je Aktie, insgesamt rund 22,6 Mrd. $. Parallel übernimmt $CHRW den Lkw-Frachtvermittler $RXO für 30,25 $ je Aktie. Beide Käufer stellten in ihren Mitteilungen KI-Technik in den Vordergrund. Das zog KI-Werte breit mit nach oben.
3. Software: $PTC sprang um +33,5 %, weil das Angebot 42,3 % über dem Freitagsschluss liegt. Der Deal hob auch $ADSK um +4,5 %.
4. KI-Werte: $NVDA stieg um +2,1 % und stützte den S&P 500 am stärksten. $AVGO legte ebenfalls +2,1 % zu, beide im Sog der KI-Bezüge der Übernahmen.
5. Logistik: $RXO stieg um +22,5 %, weil $CHRW rund 29 % über dem Freitagsschluss zahlt. Der Käufer fiel um -10,8 % und war der schwächste Wert im S&P 500.
6. Weitere Verlierer: $INTC verlor -2,6 %, nachdem Elon Musk Gespräche mit TSMC über sein Chipprojekt Terafab signalisiert hatte. $ALGN gab -1,2 % nach, weil die Aktie von Outperform auf In Line abgestuft wurde.
7. Die 10-jährige Rendite stieg von 5,28 % auf 5,31 % und kam zeitweise fast an 5,35 % heran, nahe dem höchsten Stand seit 2002. Brent fiel um -1,9 % auf 100,32 $ und pendelte zwischen 100 und 103 $, weil der Iran-Konflikt für Unsicherheit sorgt. WTI gab -1,8 % auf 89,43 $ nach. Der Euro fiel wegen des Haushaltsstreits in Frankreich auf ein 17-Monats-Tief und stand zuletzt bei 1,1205 $.
8. Der ISM-Dienstleistungsindex sank auf 54,9 Punkte, erwartet waren 55,0 nach 55,4 im August. Der Preisindex kletterte auf 74,0, den höchsten Wert seit Juli 2022. Die Beschäftigungskomponente stieg auf 50,1. Der Arbeitsmarktbericht vom Freitag zeigte nur 29.000 neue Stellen bei erwarteten 90.000. Für eine Zinserhöhung im Oktober sah CME FedWatch am 5.10. nur noch 22,1 %.
Fazit: Aktien steigen, obwohl die Renditen auf Mehrjahreshochs klettern. Getragen wurde der Tag von Übernahmen und KI-Titeln. Sean McLaughlin von All Star Charts sagte, der Markt "has had every reason to sell off". Ob die Aktien den Anleihemarkt weiter ignorieren können, ist offen.
Heute:
14:30 Uhr US-Handelsbilanz August, erwartet ist ein Defizit von 95,2 Mrd. $ nach 88,6 Mrd. $
17:30 Uhr GDPNow-Schätzung der Atlanta Fed für das dritte Quartal, zuletzt 3,7 %
Nach US-Schluss: Quartalszahlen von $STZ
Asien über Nacht: Der Nikkei lag im Verlauf bei +0,3 %, der Hang Seng bei +0,8 % und der Kospi bei -0,8 %. BoJ-Chef Ueda spricht heute um 07:35 Uhr.
Heute Abend: Recap Europa.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.
Der Markt sagt beides gleichzeitig, und das ist kein Widerspruch. Die Peers steigen, weil der Deal einen Boden für Bewertungen einzieht: Ein strategischer Käufer zahlt 21x EBITA für Industriesoftware, also sind Nemetschek und Co. als Übernahmeziele mehr wert als gedacht. Schneider fällt, weil der Käufer das Risiko trägt: Der Aufschlag von 42 % entspricht rund 6,7 Mrd. $, der Kursverlust hat aber deutlich mehr Börsenwert vernichtet. Anleger preisen also nicht nur den Aufpreis ein, sondern auch Finanzierung, Integrationsrisiko und die Frage, ob PTCs Geschäft der KI-Konkurrenz standhält. Klassisches M&A-Muster: Der Verkäufer gewinnt sofort, der Käufer muss es erst beweisen.
🔔 EUROPA HEUTE: Der Dax kommt kaum vom Fleck, Schneider Electric übernimmt PTC und zieht Softwarewerte mit, die Erzeugerpreise im Euroraum steigen stärker als erwartet. Der Recap:
1. DAX +0,1 % (25.254). Nach dem kräftigen Plus vom Freitag fand der Leitindex heute keine Richtung.
2. Der Treiber: Schneider Electric übernimmt den US-Softwarekonzern PTC für 205 $ je Aktie, insgesamt 22,6 Mrd. $. Das ist ein Aufschlag von 42 % auf den Freitagsschluss. PTC hatte binnen zwölf Monaten knapp 30 % verloren, weil Anleger KI-Konkurrenz fürchteten. Der Deal weckte deshalb Fantasie im ganzen Softwaresektor. Laut Jefferies-Analyst Lucas Ferhani entspricht der Preis dem 21-Fachen des für 2027 erwarteten Ebita vor Synergien.
3. Software vorne: Nemetschek +4,3 % im MDAX, TeamViewer +4,2 % im SDAX, SAP +0,6 % im DAX. Alle drei zogen mit der Übernahmefantasie rund um PTC an.
4. Weitere Gewinner: Continental +1,3 %, weil Morgan Stanley auf "Overweight" hochgestuft hat. Air Liquide lag zeitweise bei +1,8 %, der Gasekonzern plant Aktienrückkäufe über 4 Mrd. € in zwei Jahren. Givaudan stand in Zürich zeitweise bei +1,0 % nach einer Hochstufung durch Barclays.
5. Verlierer: Schneider Electric fiel in Paris zeitweise um -9,8 %, da Anleger den hohen Kaufpreis scheuten. Carl Zeiss Meditec gab im SDAX -2,8 % ab, nachdem Goldman Sachs die Aktie negativ eingestuft hatte. Novo Nordisk lag zeitweise bei -1,0 %, weil die FDA ihre Prüfung von Denecimig gegen Hämophilie verlängert.
6. Euro und Öl: Politische Unruhe in Frankreich und Spanien sowie Sorgen um die Staatsfinanzen belasteten den Euro. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez hat Neuwahlen für den 29. November angekündigt. Der EZB-Referenzkurs lag bei 1,1204 $ nach 1,1225 $ am Freitag (-0,2 %). Brent hielt sich mit 101,91 $ (-0,9 %) über 100 $, die OPEC+ lässt ihre Förderziele für November unverändert.
7. Konjunktur und Wall Street: Die Erzeugerpreise im Euroraum stiegen im August um +8,2 % zum Vorjahr, erwartet waren +7,6 %. Zum Vormonat betrug das Plus +1,9 %. New York startete gemischt: Dow Jones -0,2 % (51.087), S&P 500 +0,4 % (7.751), Nasdaq 100 +0,5 % (30.962). $PTC sprang um +34 %, $NVDA gewann +1,3 %, weil Hon Hai beim Quartalsumsatz die Erwartungen übertraf.
Fazit: Die Übernahmefantasie bei Software reichte nicht, um die politischen Sorgen in der Eurozone auszugleichen. Die Erzeugerpreise zeigen, dass die hohen Energiepreise in der Industrie ankommen. CapTrader-Analyst Timo Emden sagt: "Die Stimmung der Anleger bleibt wankelmütig wie eine Wetterfahne."
Morgen: 08:00 Uhr Auftragseingang Industrie Deutschland (August), 11:00 Uhr Einzelhandelsumsatz Eurozone (August), 14:30 Uhr US-Handelsbilanz (August).
Morgen früh: US-Recap.
Kein Anlagerat, nur Markt-Recap.