Jeder Bitcoin-Bullrun begann am selben Punkt.
Erst musste eine Gruppe, die sich von Zyklus zu Zyklus ändert, kapitulieren und danach ging es nach oben.
2018: Kapitulation der Miner. Das Minen lohnt sich nicht mehr, viele schalten ihre Rechner ab. Bitcoin fällt auf 3.200 Dollar. Danach begann der Bullrun auf 69.000.
2022: Kapitulation der Fonds und Kreditgeber, die mit zu viel geliehenem Geld arbeiteten. Three Arrows Capital, Celsius und FTX gehen pleite. Bitcoin fällt auf 15.500 Dollar. Danach begann der Bullrun auf 126.000.
Zwei Zyklen, zwei verschiedene Gruppen, dasselbe Muster.
Es geht erst aufwärts, wenn die am stärksten überdehnte Gruppe rausgespült ist.
Heute gibt es eine neue Gruppe. Über 100 börsennotierte Firmen halten Bitcoin als Bilanzreserve. Man nennt sie Treasury-Unternehmen.
Rund 40% von ihnen sind an der Börse weniger wert als die Bitcoin, die sie besitzen.
Solange ihre Aktie über dem Wert der Bestände liegt, können sie neue Aktien ausgeben und mehr Bitcoin kaufen. Fällt sie darunter, wird aus dem Käufer ein Verkäufer.
Und genau das hat gerade begonnen.
Vor wenigen Tagen verkaufte Strategy, die größte dieser Firmen, zum ersten Mal seit vier Jahren Bitcoin. 32 Stück, um eine Dividende zu bezahlen. Eine winzige Menge. Aber Michael Saylors Versprechen, niemals zu verkaufen, ist damit Geschichte.
Die Miner sind durch. Die Fonds sind durch.
Jetzt sind die Treasury-Unternehmen dran. Das gleiche gilt auch für Altcoin Treasury Unternehmen. Heute hat die Solana Treasury verkauft. Bei Ethereum ist BitMine der gefährlichste Kandidat.
Wenn das Muster der letzten zwei Zyklen hält, beginnt der nächste Bullrun erst, wenn auch sie rausgespült sind.
Der US-Aktienmarkt hat seit Kriegsbeginn ein Muster entwickelt, das so zuverlässig ist wie eine Uhr.
Montag bis Mittwoch: leichte Gewinne. Donnerstag und Freitag: Ausverkauf. Kumuliert minus 9 Prozent. Nur an zwei von fünf Handelstagen.
Heute ist Donnerstag. Und morgen ist die Börse wegen Karfreitag geschlossen.
Bloomberg hat die Daten der letzten fünf Kriegswochen ausgewertet. Das Ergebnis ist in einem einzigen Chart zusammengefasst: Von Montag bis Mittwoch bewegt sich der S&P 500 im Schnitt seitwärts, pendelt um die Nulllinie. Ab Donnerstagmorgen fällt er wie ein Stein. Bis Freitagabend steht er im Wochenschnitt bei minus 2,5 Prozent.
Die Erklärung ist simpel: Wenn Anleger am Freitagnachmittag verkaufen, können sie bis Montag nicht mehr handeln. Zwei Tage blind. Zwei Tage, in denen ein Krieg eskalieren kann. Zwei Tage, in denen ein einziger Truth Social Post von Trump die Spielregeln ändern kann.
Am Samstag vor zwei Wochen gab Trump dem Iran ein 48-Stunden-Ultimatum, die Straße von Hormus zu öffnen. Am Montagmorgen, zwei Stunden vor Börseneröffnung, nahm er es wieder zurück. In den 56 Minuten danach schwankte die Marktkapitalisierung des S&P 500 um 3 Billionen Dollar. Wer am Freitag davor verkauft hatte, konnte ruhig schlafen. Wer gehalten hatte, wachte in einem völlig anderen Markt auf.
Trumps große Eskalationen kommen bevorzugt am Wochenende, wenn die Börse geschlossen ist. Die ersten Luftangriffe auf den Iran starteten an einem Samstagmorgen. Das Hormus-Ultimatum kam an einem Samstag. Die angeblichen „Friedensgespräche” wurden an einem Montagmorgen vor Handelsstart verkündet. Das Muster ist so konsistent, dass sogar Irans Parlamentssprecher Ghalibaf den amerikanischen Anlegern öffentlich Trading-Tipps gegeben hat. Sein Ratschlag auf X: „Wenn Trump vor Börseneröffnung etwas postet, tut das Gegenteil.”
Und jetzt kommt die Woche, in der alles zusammenläuft.
Gestern Nacht hielt Trump seine erste Fernsehansprache zum Iran-Krieg. Die Märkte hatten auf ein Deeskalationssignal gehofft. Stattdessen sagte er: „Wir werden sie in den nächsten zwei bis drei Wochen extrem hart treffen.” Er drohte, den Iran „in die Steinzeit zurückzubomben.” Kein konkreter Zeitplan für ein Ende. Kein Plan für die Straße von Hormus.
Die Reaktion kam sofort. S&P 500 Futures minus 1,1 Prozent. Nasdaq minus 1,3 Prozent. Südkoreas Kospi brach zeitweise um über 5 Prozent ein. Japans Nikkei verlor rund 2 Prozent. Brent-Öl sprang um 6,6 Prozent auf über 107 Dollar pro Barrel. In einem einzigen Handelstag wurde die gesamte Erholungsrallye von Dienstag und Mittwoch ausradiert.
Und jetzt die Falle: Heute ist der letzte Handelstag vor einem Drei-Tage-Wochenende.
Karfreitag ist einer der wenigen Feiertage, an denen die US-Börse komplett geschlossen bleibt. Kein Handel am Freitag. Kein Handel am Samstag. Kein Handel am Sonntag. Erst am Montag öffnet der Markt wieder.
Aber es kommt noch etwas dazu: Morgen früh um 8:30 Uhr amerikanischer Zeit veröffentlicht das US-Arbeitsministerium den offiziellen Arbeitsmarktbericht für März. Der wichtigste Wirtschaftsindikator des Monats erscheint an einem Tag, an dem kein einziger Anleger reagieren kann. Die Wall Street erwartet 57.000 neue Jobs. Im Februar waren es minus 92.000, der schlechteste Monat seit langem. Wenn die Zahl morgen wieder negativ ausfällt, kann niemand verkaufen. Wenn sie überraschend stark ist, kann niemand kaufen. Bis Montag.
Joe Gilbert, Portfoliomanager bei Integrity Asset Management, fasst es zusammen: In einen Handels-Blackout zu gehen, während die Risiken unberechenbar sind, sei ein beunruhigender Gedanke.
Das Ergebnis dieses Musters ist messbar. Fünf Wochen Verluste in Folge. Die längste Verlustserie des S&P 500 seit 2022. Der Index hat seit Anfang des Jahres 4,6 Prozent verloren. Er steht rund 9 Prozent unter seinem Januarhoch. Der Nasdaq ist über 13 Prozent gefallen und offiziell in einer Korrektur. Der Dow Jones ebenfalls.
Und während die Aktienmärkte jeden Donnerstag bluten, hat der Ölpreis seit Kriegsbeginn um rund 40 Prozent zugelegt. Brent ist wieder über 107 Dollar. Amerikanisches Benzin hat zum ersten Mal seit 2022 die Marke von 4 Dollar pro Gallone überschritten.
Die Bank of America prognostiziert Öl bei mindestens 100 Dollar für den Rest des Jahres 2026. Die Fed hat ihre Inflationsprognose für 2026 von 2,8 auf 4,2 Prozent angehoben. Die Märkte preisen nicht mehr Zinssenkungen ein, sondern mit 60 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung.
Die Wall Street hat ein Wort für das, was gerade passiert: Wochenend-Risiko. Über das Wochenende kann sich der gesamte Kriegsverlauf ändern, aber die Bildschirme sind dunkel. Die Anleger, die das verstanden haben, verkaufen Donnerstagmorgen und kaufen Montagmorgen zurück. Die, die es nicht verstanden haben, halten und hoffen.
Heute ist Donnerstag. Die Uhr tickt.
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