Ich lese nur und like passiv als Lesezeichen. Die Kraft des alten Twitters fehlt mir sehr, die Verbindungen mit den Geschehnissen und Personen von überall her. Die neuen Plattformen kommen da lange noch nicht ran. Deswegen also nur halbherzige Opposition der Scheiße hier.
Ein sehr geschätzter X-User @liyungothoni fragte gestern, was sich seit dem 7. Oktober 2023 für mich verändert hat. Wenn ich nun auch auf persönlicher Ebene meine eigenen Emotionen einbringe, verzeiht es mir – es soll das Leid der Opfer nicht schmälern. Aber ich kann die Frage nicht beantworten, ohne auch ein wenig meine Geschichte als Iranerin zu erzählen.
Als Mahsa Amini im September 2022 vom Regime ermordet wurde, begannen wir damit, auf X Informationen aufzubereiten und im deutschsprachigen Raum zu teilen, weil wir erschrocken sahen, dass das Thema weder die Aufmerksamkeit bekam, die es benötigte, noch auf Narrative des Regimes verzichtet wurde. Im Gegenteil: Der ÖRR war eine Reproduktionsmaschine dessen, was Khamenei uns allen mitteilen wollte.
Die damals noch aktiven Mitstreiter und Mitstreiterinnen machten sich auf den Weg, Regime-Lobbyisten und Apologeten zu entlarven, und ihr würdet euch wundern, wie viele es waren. Wir erkannten, dass es nicht reine Naivität von der Bundesregierung und dem ÖRR war, sondern tatsächlich gezieltes Kalkül, nur bestimmte Informationen zu übermitteln, nur bestimmte „Journalistinnen und Iran-Experten“ zu Wort kommen zu lassen und nur bestimmte Pseudo-Oppositionelle zu pushen. Der Höhepunkt war erreicht, als Narges Mohammadi, eine Regime-Reformistin und Israel-Hasserin, den Friedensnobelpreis erhielt und die hier bekannten „Aktivistinnen“ das feierten.
Es blieb dennoch alles im Dunst des „Wir bilden uns das vielleicht ein“, „vielleicht ist es doch Naivität“, „vielleicht ist iranisches Leben nicht wertlos, aber die Europäer sind naiv“, „vielleicht sind wir einfach nur paranoid.“ – Aber so war es nicht, und das wussten wir.
Als der 7. Oktober passierte – und alles, was danach kam – erkannten wir die vollständig enthüllte, zähnefletschende Fratze all derjenigen, die sich damals zurückhielten und nicht mit uns für den Iran auf die Straße gingen.
Damals fragten sie: „Aber gehen die Iranerinnen gegen den Islam auf die Straße? Ist das nicht islamophob? Ist es nicht irgendwie rassistisch, patriotisch zu sein und den Islam abzulehnen? Aber das Regime ist doch nicht nur böse, oder? Sie helfen doch den Palästinensern!“
Und heute rufen sie: „Ihr ekelhaften Iraner habt verdient, was das Regime euch angetan hat, ihr zionistischen, kulturlosen, gottlosen Nazi-Verräter!“ Ich habe einige Muslime als Freunde verloren.
Die Bilder des 7. Oktobers haben mir ungefähr drei oder vier Wochen Schlaflosigkeit gebracht, und wenn ich doch geschlafen habe, habe ich von Shani Louk, Hersh und Nika, Mahsa und Majidreza geträumt.
Ich habe vom Massaker geträumt, von den Beschreibungen der letzten Minuten von Frauen, Kindern und ganzen Familien. Vom puren und bestialischen Sadismus dieser Bestien. Die Schicksale meiner Landsleute und der Israelis vermischten sich in diesen namenlosen Bildern. Die Art der Verbrechen der Hamas gegenüber den Israelis war so strukturgleich mit den Verbrechen der Islamischen Revolutionsgarden, dass ich Khameneis Fingerabdrücke erkannte, wie viele andere von uns.
Aber was meine Welt wirklich erschütterte, waren die Reaktionen nach dem 7. Oktober.
Nur einen Tag später bekundeten die ersten bereits ihre Solidarität mit „Palästina“, die von Hass zerfressenen, irren postkolonialen Linken rissen lachend die Flyer der Geiseln herunter, Greta Thunberg entpuppte sich als Terror-Supporterin, jüdisches Leben wurde von Universitäten und von den Straßen verdrängt, jüdisches Leben wurde verprügelt, Israel-Supporter wurden bedroht.
Offen zeigten diese moralisch degenerierten Leute, wo sie stehen: Nicht bei den Palästinensern, nicht bei den Israelis, nicht bei den Libanesen – sondern bei Khamenei, Nasrallah und Sinwar.
Es gab keine Wut, keinen Protest gegen die von der Hamas getöteten Palästinenser, keinen Aufruhr gegen das Instrumentalisieren von Kindern als menschliche Schutzschilde, keinen Zorn wegen der zu Tode gefolterten Palästinenser, wenn sie gegen die Hamas das Wort erhoben. Es gab Loyalität, Rufe nach dem Kalifat, Auslöschungsfantasien zu Israel.
Es gab kein Mitgefühl, nicht einmal für die eigenen Leute, die unter den Händen der Hamas starben.
Die Narrative des ÖRR, der UN und von Amnesty, etc. geben uns täglich den Rest, auch wenn wir die Propaganda von AI auch von 1979 kannten.
Aber eine gute Sache hat es: Während wir Iraner vor einem Jahr noch für paranoid gehalten wurden, wenn wir von A bis Z iranisch-stämmige „Journalistinnen“ kritisierten, führte alles, was nach dem 7. Oktober kam, dazu, dass die meisten nun verstehen, was wir meinten, wenn wir sagten: „Traut ihnen nicht. Sie sind nicht unsere Stimme, sie haben ein politisches Motiv.“
Meine Gedanken sind beim unsagbaren Leid der israelischen Nation, und auch bei den zahlreichen Opfern palästinensischer Zivilisten, die den 7. Oktober nicht wollten. Doch für beides ist Khamenei verantwortlich und die Hamas.
Es sind nicht einfach nur 1.200 Menschen gestorben als Folge eines Krieges, nein. Sie wurden maximal gequält, auf jede erdenkliche Weise. Das ist ein Unterschied.
Es bricht uns das Herz. Deshalb: Vergesst nie – #IraniansStandWithIsrael. 🇮🇱💚🤍❤️🦁☀️
.@andora_bel Wir kennen uns zwar nicht. Aber hierbei musste ich doch an Dich als fansten aller Fans denken. Vielleicht bisschen zu groß für die Devotionalienecke
This incredible parade float created for the Carnival in Brazil, features four Star Wars fan groups – 501st, Rebel Legion, Sao Paulo Jedi Council and Army of Darkness.
[📹 starwars24seven]
Am 18. September lese ich in der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden aus Victor Klemperers Tagebuch 1933-1945 „Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten“. Ich freue mich, wenn jemand von Euch kommen mag! 👉🏼 https://t.co/PyqQkR8Dva
@MagnusHecht und Anne Schawohl haben mich zu ihrem Podcast eingeladen. Wer Lust hat, kann hier reinhören. Viel Spaß und Feedback erwünscht. Achtung: ungefiltert 😉.
https://t.co/zLS7IbTEYd
Die Nacht der ermordeten Dichter, 12./13. August 1952
Was wie ein Gedicht klingt, war ein langdauernder Pogrom, bei dem fast die ganze jiddischsprachige Literaturszene der Sowjetunion ausgelöscht wurde, in Szene gesetzt von einem paranoiden Stalin auf seinen letzten Metern.
Warum sind #Konzerttickets eigentlich so teuer?
Die drei Folgen meines Texts in @ndaktuell nun gesammelt als (Super-)Long-Read online:
1. Was die Warengesellschaft zusammenhält
2. Willkommen im Plattformkapitalismus
3. Konzertkonzerne zerschlagen!
https://t.co/QuhfcD9Mut