Sieben groteske Lebenslügen des wiederauferstandenen antimarxistischen utopischen Sozialismus bedrohen Europa
1. Die Behauptung, Kritiker der Queer-Ideologie seien homophob
2. Die Behauptung, Kritiker unkontrollierter Einwanderung seien xenophob
3. Die Gleichsetzung von rechtspopulistisch und rechtsradikal
4. Die Behauptung, Frauen seien Männern moralisch überlegen
5. Die uralte Ideologie vom edlen Wilden
6. Antisemitismus in neuem Gewand
7. Der Glaube an den starken Staat
STREIT UND WAGNER
Die Musikdramen Wagners sind die einzigen Werke aus dem Kanon der Klassik, die bis weit in unsere Gegenwart polarisieren und mitunter sogar feindliche Parteien hervorrufen: Eine solche Divergenz des Urteils mag für die zeitgenössische Resonanz auch des größten Künstlers durchaus nicht untypisch sein, angesichts der enormen, ja ununterbrochenen, also nicht durch zeitbedingte Moden erklärbaren Nachwirkung Wagners über anderthalb Jahrhunderte hinweg ist diese Polarisierung der Meinungen indessen ohne Beispiel.
Die Wogen haben sich in unseren Tagen geglättet. Patrice Chéreaus` „Ring“ rief in den 70er Jahren noch die Polizei auf den Plan, da man Gewalttätigkeiten von konservativen Wagnerianern befürchtete. Das Publikum hat sich mittlerweile selbst an Exzesse des Regietheaters gewöhnt. Von Zeit zu Zeit ist Wagner auch in unseren Tagen noch gut genug für einen kleinen Skandal: Als Michael von zur Mühlen in Leipzig 2008 den „Holländer“ inszenierte, wobei er es für tiefsinnig hielt, hierzu Stripperinnen (als Personifizierung des „Südwindes“!), blutbeschmierte Darsteller und aufgehängte Kuhkadaver einzusetzen, kam es zum Eklat. In Düsseldorf setzte man 2013 eine Tannhäuser-Inszenierung mit SS-Schergen, Gaskammern und Erschießungsszenen ab, was demonstriert, dass allenfalls noch die Politik in der Lage ist, einen echten Wagner-Skandal zu provozieren.
Chéreaus Ring-Interpretation kommt uns heute harmlos vor: Chéreau verlegte das mythische Geschehen ins 19. Jahrhundert und brachte die Götter als Repräsentanten einer Bourgeoisie auf die Bühne, die sich der Machtgier und Liebeslust wegen in Schulden stürzen, bis diese so groß sind, dass sie nur noch durch Verbrechen zurückgezahlt werden können. Das in einer germanischen Vorzeit angesiedelte mythische Geschehen wurde von Chéreau gründerzeitlich geerdet – und die Verschuldungskrise der bürgerlichen Gesellschaft als das Geheimnis hinter Wagners mythischem Zauber sichtbar. Hatte Wagner die Zeitbezüge hinter sich lassen wollen, so wurde er von Chéreau energisch in diese zurückgeholt.
Chéreaus Inszenierungsstil ist häufig imitiert worden. Mittlerweile wirkt sein Ansatz schon ein wenig angestaubt; selbst konservative Wagnerianer können sich mit ihm problemlos arrangieren. Eine Rolle könnte spielen, dass die Wagner-Liebhaber unserer Ära in der Regel gebildeter sind als früher, da viele potentielle Wagner-Anhänger längst in die Trivialkultur abgewandert sind: Nicht nur bildungsferne Schichten ergötzen sich heute lieber am „Herrn der Ringe“ als am „Ring des Nibelungen“. Spätestens seit den 70er Jahren ist der klassischen Musik durch die angloamerikanische Pop- und Rock-Musik, die dem bloßen Tagesschlager entwachsen ist und sich nicht selten in der Pose anspruchsvoller Kunst inszeniert, eine mächtige Konkurrenz erwachsen, die das Bedürfnis nach dem phantastisch Sublimen schneller und bequemer zu befriedigen verspricht als „Ring“, „Tristan“ oder „Parsifal.“
EINE ÄRA GEHT ZU ENDE - oder: WIR SIND TOT und WISSEN es bloß NOCH NICHT
HEILSBRINGER ODER IRRLICHT
#Kubicki#FDP
Aus den Reihen der Opposition sind derzeit wieder vermehrt warnende Stimmen und düstere Unkenrufe zu vernehmen: Dem Versuch, den politischen Liberalismus neu zu organisieren, dürfe man keinesfalls vertrauen. Der neue Heilsbringer – clever vermarktet als parteipolitisches „Urgestein“ – sei nichts als ein Irrlicht. Man unterstellt ihm, er spekuliere darauf, dass sein langjähriger Opportunismus gnädig in Vergessenheit gerate. Er wird als schändlicher Verräter gebrandmarkt: Nie wieder dürfe man ihm und seinen Anhängern Vertrauen schenken. In solchen Appellen zeigt sich nicht nur ein übersteigerter, schriller Moralismus, sondern auch ein fundamentales Missverständnis des demokratischen Systems. Der moralische Status eines Politikers ist von vornherein sehr niedrig anzusetzen. Politik zieht nahezu ausnahmslos machtorientierte und damit problematische Naturen an. Von ihnen echte moralische Integrität zu erwarten, ist nicht nur naiv – es widerspricht geradezu ihrem Wesen. Politik gründet auf Rhetorik, Inszenierung und der Kunst der Simulation, nicht auf charakterlicher Lauterkeit. Für den Wähler muss ein Politiker letztlich nur eines erfüllen: ein überzeugendes Produkt anbieten, das mit den eigenen Interessen und Überzeugungen übereinstimmt. Ob er dabei ein moralisch „guter Mensch“ ist, sollte uns egal sein. Entscheidend ist allein, ob er das Versprochene auch tatsächlich liefern kann. Kommen begründete Zweifel auf, dass das angekündigte Produkt ausbleibt, ist es natürlich legitim, den Lieferservice zu wechseln. Moralische Entrüstung ist dafür weder erforderlich noch hilfreich.
Sieben groteske Lebenslügen des wiederauferstandenen antimarxistischen utopischen Sozialismus bedrohen Europa
1. Die Behauptung, Kritiker der Queer-Ideologie seien homophob
2. Die Behauptung, Kritiker unkontrollierter Einwanderung seien xenophob
3. Die Gleichsetzung von rechtspopulistisch und rechtsradikal
4. Die Behauptung, Frauen seien Männern moralisch überlegen
5. Die uralte Ideologie vom edlen Wilden
6. Antisemitismus in neuem Gewand
7. Der Glaube an den starken Staat
MUSIK als METAPHYSIK - Schopenhauer und Wagner I.
Noch ist der „Tristan" nicht komponiert. Die Schweiz ist eine Republik und Wagner ist nicht der einzige geflohene Revolutionär, der in Zürich einen gastlichen Zufluchtsort findet. Neben vielen anderen Emigranten lernt er auch den Dichter Georg Herwegh (1817-1875) kennen, mit dem ihn bald eine enge Freundschaft verbindet. Dichter und Komponist führen unzählige Gespräche. In Paris hatte Herwegh einige Zeit mit seiner Frau und den Ehepaaren Marx und Ruge eine „Phalanstère“-Wohngemeinschaft bewohnt – aus der das Ehepaar Marx nach zwei Wochen entnervt ausgezogen war.
Viel spricht dafür, dass Herwegh in Zürich als geistiges Scharnier zwischen Marx und Wagner fungierte, wobei es ausgerechnet der Marx-Freund Herwegh sein wird, der Wagner 1854 mit der Philosophie Arthur Schopenhauers bekannt macht, ein hochproduktives Selbstmissverständnis, wie sich später herausstellen wird. Bei Herwegh stößt Wagner zunächst auf Schopenhauers populäre Nebenschrift „Parerga“ („Über die Weiber“) und wird neugierig. Schopenhauers Hauptwerk, die jahrzehntelang ignorierte „Welt als Wille und Vorstellung“ aus dem Jahr 1819 entstammte aus Sicht der 1850er Jahre einer denkbar fernen Epoche: In das Jahr 1819 fallen das Attentat auf August von Kotzebue, die Karlsbader Beschlüsse und die Veröffentlichung des ersten Teils des „West-östlichen Divans“.
Einer der Ersten, die den Rang von Schopenhauers Philosophie erkennen, ist Ernst Otto Lindner (1820-1867), der „Apostel“ Schopenhauers, ein Privatdozent der Philosophie, der seine Lehrbefugnis in Breslau wegen „Mangels an christlicher Gesinnung“ verliert und als Redakteur bei der Vossischen Zeitung arbeitet. Es gelingt Lindner, den Namen Schopenhauer in Deutschland bekannter zu machen. Auch ein in England erschienener Beitrag über Schopenhauer trägt zum erwachenden Interesse an dem Philosophen bei. Kurz darauf fallen Julius Frauenstädts (1813-1879) erschienene „Briefe über die Schopenhauersche Philosophie“ (1854) auf fruchtbaren Boden, da die Ära des „ruchlosen Optimismus“, wenigstens in politischer Hinsicht, erst einmal vorbei ist.
„What Schopenhauer did for Wagner was to give to someone who was already depressed and disoriented by the loss of an almost religious faith in political solutions a new way of looking at the world, a view that saw all public affairs, including politics, as trivial.“
Schopenhauers Pessimismus kommt in den frühen 50er Jahren allmählich in Mode: Seine Weltverdrossenheit passte zur Ermattung der postrevolutionären Ära. Der Philosoph selbst hielt wenig von derartigen Erklärungen. Der Pessimismus allein kann Schopenhauers Aufstieg in der Tat nicht erklären, zumal der Höhepunkt seiner Popularität erst in den Jahrzehnten nach der Reichsgründung liegt, als die politischen Bedürfnisse eines großen Teils des Bürgertums längst befriedigt waren: Seine Philosophie empfiehlt sich während des Zeitabschnitts zwischen dem Sieg über Frankreich und dem Vorabend des ersten Weltkrieges jenen Teilen eines halbwegs liberal gebliebenen Bürgertums, das sich ebenso gegen die Sozialdemokratie wie gegen konservativ-kirchliche Aspekte des Wilhelminismus abgrenzt. Ideengeschichtlich beruht der Aufstieg von Schopenhauers Philosophie auf ihrer zeitgemäßen Verbindung von materialistischen und idealistischen Elementen nach Verblassen des Deutschen Idealismus.
Es gab aber auch Widerstand: Der Naturalismus schätzte Schopenhauer nicht. Hermann Conradis Roman „Adam Mensch“ (1889) zeigte die Grenzen des kontemplativen Pessimismus auf.
Herwegh liest Frauenstädts Buch und empfiehlt Schopenhauer seinem Freund. Wagner liest und ist überwältigt. In einem oft zitierten Brief an Liszt bekennt er am 16. Dezember 1854:
"Neben dem langsamen Vorrücken meiner Musik (zur Walküre) habe ich mich jetzt ausschließlich mit einem Menschen beschäftigt, der mir, wenn auch nur literarisch, wie ein Himmelsgeschenk in meine Einsamkeit gekommen ist. Es ist Arthur Schopenhauer, der größte Philosoph seit Kant, dessen Gedanken er, wie er sich ausdrückt, vollständig erst zu Ende gedacht hat. Die deutschen Professoren haben ihn wohlweislich 40 Jahre lang ignoriert: neulich wurde er aber — zur Schmach Deutschlands — von einem englischen Kritiker entdeckt. Was sind vor diesem alle Hegels usw. für Charlatans! Sein Hauptgedanke, die endliche Verneinung des Willens zum Leben, ist von furchtbarem E r n s t e, aber einzig erlösend. Mir kam er natürlich nicht neu, und niemand kann ihn überhaupt denken, in dem er nicht bereits lebte. Aber zu dieser Klarheit erweckt hat mir ihn erst dieser Philosoph.“
Dass Wagner vollmundig bekundet, ihm sei der Gedanke „natürlich nicht neu“, hat ihm Hans Mayer später angekreidet und bissig mit den Worten kommentiert: „Geistiges Mitläufertum pflegt sich daran vorzüglich zu erweisen, dass es nicht genau zwischen Eigentum und Übernommenem zu unterscheiden weiß.“ Das ist nicht fair: Wagner bekennt lediglich, dass er für den Schopenhauerischen Pessimismus prädestiniert war. Mit fremden Federn schmückt er sich nicht. Mayers Wagner-Projekt bestand wesentlich darin, den verdrängten jungdeutschen, sprich den progressiven Wagner zu rekonstruieren. Ein Schopenhauer-Einfluss auf Wagner avant la lettre hätte nicht in sein Konzept gepasst. Die Kunst Wagners, so behauptet Mayer, habe bis zur frühen Konzeption des „Siegfrieds“ im Zeichen der Bejahung des Willens, nicht dessen Verneinung gestanden. Das klingt nicht plausibel: Schon mit dem „Fliegenden Holländer“ schreibt Wagner eine Schopenhauer-Oper – volle dreizehn Jahre, bevor er die Philosophie Schopenhauers kennenlernt. Auch in „Tannhäuser“ und „Lohengrin“ gibt es tiefpessimistische, proto-schopenhauerische Züge. Ausgerechnet „Lohengrin“, das wohl populärste Wagner-Werk, endet erbarmungslos, als einzige Oper Wagners ohne Verklärung: „Lohengrin“ ist geprägt von einer „Tragik ohne Katharsis“. „Viele von Wagners Gestalten waren schon Jünger Schopenhauers, eher ihr Schöpfer die Lehre kennenlernte, der sie folgen.“ Der rabenschwarze Dialog zwischen Wotan und Brünnhilde im zweiten Akt der „Walküre“ entstand vor der Begegnung mit Schopenhauer. Wagner lernt „Die Welt als Wille und Vorstellung“ erst kennen, als das Textbuch des „Rings“ bereits vorliegt. In einem Brief an Röckel erklärt Wagner im August 1853: „Die Periode, seit der ich aus meiner inneren Anschauung schuf, begann mit dem fliegenden Holländer; Tannhäuser und Lohengrin folgten, und wenn in ihnen ein poetischer Grundzug ausgedrückt ist, so ist es die hohe Tragik der Entsagung, der wohlmotivirten, endlich nothwendig eintretenden, einzig erlösenden Verneinung des Willens.“ Mit einer originellen These hat der Schopenhauer-Forscher Arthur Hübscher (1897-1985) überrascht: Hübscher zufolge sind diejenigen Werke Wagners, die vor dem Schopenhauer-Erlebnis entstanden sind, stärker von Schopenhauer geprägt als die danach geschriebenen.
Die Konzepte seiner Dramen, mit Ausnahme des „Parsifal“, liegen alle bereits vor, als Wagner Schopenhauer zum ersten Mal liest. Die Lektüre der „Welt als Wille und Vorstellung“ tröstet den gescheiterten Revolutionär. Die privilegierte Stellung, die die Musik in Schopenhauers ästhetischer Metaphysik einnimmt, wertet einen Komponisten erheblich auf, was Nietzsche in der „Genealogie der Moral“ zu den spöttischen Worten veranlasst:
„Mit dieser ausserordentlichen Werthsteigerung der Musik, wie sie aus der Schopenhauer’schen Philosophie zu erwachsen schien, stieg mit Einem Male auch der Musiker selbst unerhört im Preise: er wurde nunmehr ein Orakel, ein Priester, ja mehr als ein Priester, eine Art Mundstück des „An-sich“ der Dinge, ein Telephon des Jenseits, — er redete fürderhin nicht nur Musik, dieser Bauchredner Gottes, — er redete Metaphysik: was Wunder, dass er endlich eines Tags asketische Ideale redete?“
Antipatriotismus und Antinationalismus galten einst als exklusive Privilegien von Kosmopoliten und freien, sehr freien Geistern. Was dem Jupiter erlaubt ist, bleibt dem Ochsen noch lange verwehrt. In den allzu harten Köpfen von Philistern und Arbeiterführern verwandelt sich ein ursprünglich kritisch-liberales Potential rasch in eine fanatische Hinterwäldler-Ideologie.
Mit zwölf war ich ein leidenschaftlicher Leser von Science Fiction. Insbesondere „unser Mann im Weltraum“, sprich die wöchentlich erscheinenden Perry-Rhodan-Hefte, hatten es mir angetan. Mein Vater rationierte die Hefte streng, weil ich sonst zu nichts anderem mehr imstande war. Ich träumte von interstellaren Reisen und davon, selbst ein Zellaktivatorträger zu sein.
Perry Rhodan erschien in großen Themen-Zyklen. Der für mich mit Abstand beste war der 500er-Zyklus. Er handelte davon, wie eine fremde, kosmische Intelligenz in unsere Galaxis eindrang – der sogenannte Schwarm. Dieses gigantische, lebende Gebilde zog durch das All und unterwarf alles, was ihm in die Quere kam. Der Schwarm setzte dabei sogenannte „Verdummungsstrahlen“ ein: Alle feindlichen Zivilisationen wurden innerhalb kürzester Zeit intellektuell auf Steinzeitniveau zurückgeworfen. Hochentwickelte Völker verwandelten sich in sabbernde Idioten, Raumschiffe stürzten ab, ganze Planeten versanken im Chaos. Nur wenige Immunisierte – darunter Perry Rhodan und sein sog. "Mutantenkorps" (perfekter Name für eine Punkband!) – behielten ihren Verstand und mussten nun gegen eine überwältigende Übermacht von Degenerierten kämpfen. #perryrhodan
Zwei Jahre später dämmerte mir, dass der tüchtige Perry doch irgendwie ein Faschist war und so musste ich mich schweren Herzens von ihm verabschieden. Die Idee mit den Verdummungsstrahlen aber sichert der Serie einen ewigen Platz auf dem Parnass.
Das Wagner- Orchester ist ein Stück weit lauter als das konventionelle. Es ist auch besonders groß. Den Sängern wurde schon etwas abverlangt. Das ist aber nicht alles: Man empfand es auch lauter, sprich intensiver, weil Wagner besonders virtuos instrumentierte. Hinzu kommt, dass der unmusikalische Engländer mit der komplexen Harmonik fremdelte. Wagner hat in London Konzerte und Opern besucht. Ich kann mich nicht erinnern, dass er wegen der Lautstärke klagte. Aber ich prüf das mal nach...
@harbricht Nun das ist einfach: Wagner war tatsächlich stellenweise im Maßstab des seinerzeit Gewohnten laut, sehr laut. Das war man nicht gewohnt. Heute, durch die Rockmusik, kann man schwer nachvollziehen. Aber es fielen seinerzeit wirklich Menschen in Ohnmacht.