Der XXL-Landtag: Wenn sich die Politik noch mehr Stühle hinstellt
Nordrhein-Westfalen bekommt möglicherweise keinen neuen Landtag, sondern ein politisches Möbelhaus mit Stimmrecht.
Was sich da in Düsseldorf anbahnt, ist nicht einfach eine technische Folge des Wahlrechts. Es ist ein Symbol. Ein ziemlich dreistes sogar. Während Bürger mit steigenden Preisen, explodierenden Wohnkosten, kaputter Infrastruktur, überforderten Schulen und einer politischen Dauerkrise leben müssen, steht im größten Bundesland plötzlich die Aussicht im Raum, daß sich das Parlament massiv aufbläht. Von 181 vorgesehenen Sitzen auf möglicherweise 281. Hundert Sitze mehr. Hundert zusätzliche Abgeordnete. Hundert weitere politische Karrieren, Büros, Mitarbeiterapparate, Altersversorgung, Fraktionsstrukturen, Dienstreisen, Pressestellen und Wichtigkeitsinszenierungen.
Und natürlich wird man uns wieder erklären, das sei alles ganz kompliziert, ganz demokratisch, ganz mathematisch, ganz unvermeidbar. Überhangmandate hier, Ausgleichsmandate dort, Sainte-Laguë-Verfahren, Erststimme, Zweitstimme, Verhältniswahrung. Das klingt dann so, als habe sich die höhere Wahlrechtsphysik gemeldet und der Politik leider keine andere Wahl gelassen.
Doch genau das ist der Trick.
Wenn es um die Bürger geht, ist der Staat plötzlich hart, knapp und unerbittlich. Dann fehlt Geld. Dann muß gespart werden. Dann sind Belastungen leider unausweichlich. Dann sind höhere Beiträge, höhere Gebühren, höhere Steuern, höhere Abgaben eben der Preis für „Verantwortung“. Wenn es aber um die politische Klasse selbst geht, findet sich auf einmal immer eine elegante mathematische Begründung, warum noch ein paar Dutzend zusätzliche Sitze nötig sind.
NRW zeigt gerade in Reinform, wie sich ein System selbst schützt, selbst vergrößert und selbst erklärt.
Die Ausgangslage ist absurd genug: Die CDU könnte laut Prognose in 99 von 128 Wahlkreisen vorne liegen. Nicht etwa, weil sie eine überwältigende Volksbewegung ausgelöst hätte. Nicht, weil das Land vor Begeisterung über Hendrik Wüst bebt. Sondern weil sie in vielen Wahlkreisen knapp vorn liegt, während sich die übrigen Stimmen auf mehrere Parteien verteilen. Gleichzeitig kommt sie bei den Zweitstimmen längst nicht in die Nähe einer absoluten Mehrheit. Also entstehen Überhangmandate. Und damit die anderen Parteien im Verhältnis nicht schlechter gestellt werden, bekommen sie Ausgleichsmandate.
Übersetzt heißt das: Eine Partei gewinnt zu viele Wahlkreise im Verhältnis zu ihrem eigentlichen Zweitstimmenanteil. Und statt das System zu begrenzen, wird das Parlament aufgeblasen, bis alle wieder ihren Anteil bekommen. Am Ende verlieren nicht die Parteien. Am Ende verliert der Steuerzahler.
Das ist der eigentliche Skandal.
Denn dieses Wahlrecht fällt nicht vom Himmel. Es wurde nicht von Naturgewalten geschaffen. Es ist kein Erdbeben, keine Flut, kein Sturm. Es ist Menschenwerk. Es ist Politikwerk. Und wenn ein Wahlrecht regelmäßig dazu führt, daß Parlamente größer werden als vorgesehen, dann ist das kein Betriebsunfall mehr. Dann ist es ein eingebauter Konstruktionsfehler. Einer, den man seit Jahren kennt. Einer, den man hätte beheben können. Einer, den man aber offenbar lieber verwaltet, erklärt und am Ende bezahlt bekommt.
Natürlich wird niemand in Düsseldorf sagen: Wir freuen uns auf mehr Mandate. Man wird staatstragend gucken. Man wird von Repräsentation sprechen. Von Bürgernähe. Von Arbeitsfähigkeit. Von Demokratie. Immer diese großen Worte, wenn es um die eigenen Plätze geht.
Aber die Menschen sind nicht blöd.
Sie sehen doch, was passiert. Schulen verfallen, Brücken bröckeln, Straßen sind marode, Behörden funktionieren wie aus der Kaiserzeit, die innere Sicherheit wird zur täglichen Lotterie, und gleichzeitig entsteht im politischen Betrieb eine Sitzplatzvermehrung, als ginge es um ein Betriebsausflugsbuffet.
Besonders entlarvend ist die Rolle der AfD in dieser Prognose. Sie liegt demnach in einer Mehrheit der Wahlkreise auf Platz zwei, würde aber bei den Direktmandaten leer ausgehen. Das ist politisch hochbrisant. Denn es zeigt: Diese Partei ist längst nicht mehr irgendwo am Rand einer Landkarte versteckt. Sie ist in vielen Wahlkreisen unmittelbarer Herausforderer. Sie steht nicht in ein paar ostdeutschen Hochburgen, sondern mitten in Nordrhein-Westfalen. Im Ruhrgebiet, im Rheinland, in den ländlichen Räumen, überall dort, wo Bürger genug haben von Belehrung, Kontrollverlust und politischer Arroganz.
Und genau deshalb wird es so nervös.
Das alte System spürt, daß seine vertraute Statik wankt. Die AfD ist vielerorts nicht mehr Protestkulisse, sondern Konkurrenz. Sie sitzt der CDU im Nacken, sie frisst der SPD die alte Arbeiterbasis weg, sie macht den Grünen die moralische Monopolstellung streitig und zeigt der FDP, daß man mit ein paar Marketing-Slogans über Freiheit noch lange keine freiheitliche Politik macht.
Trotzdem würde diese Partei nach der Prognose bei den Direktmandaten leer ausgehen. Auch das ist ein Lehrstück. Das Wahlrecht produziert nicht einfach nur Repräsentation. Es produziert Effekte. Es belohnt bestimmte Konstellationen und bestraft andere. Es kann Parlamente aufpumpen. Es kann Mehrheiten verzerren. Es kann den Bürgern am Ende ein Ergebnis präsentieren, das formal korrekt ist, aber politisch wie ein schlecht programmierter Automat wirkt.
Und dann kommt der Gipfel der Dreistigkeit: Während genau diese Debatte läuft, steigen die Abgeordnetenbezüge in NRW zum 1. Juli auf 11.956,60 Euro. Dazu kommt der Beitrag ans Versorgungswerk. Dazu kommen Mitarbeiterpauschalen und der ganze Apparat. Jeder zusätzliche Sitz ist also nicht nur ein Stuhl im Plenarsaal. Jeder zusätzliche Sitz ist ein Kostenblock. Monat für Monat. Jahr für Jahr. Legislatur für Legislatur.
Wer dem Bürger erzählt, ein Landtag mit fast 300 Abgeordneten sei einfach Ausdruck lebendiger Demokratie, hält ihn offenbar für vollkommen naiv.
Demokratie wird nicht stärker, wenn sie teurer wird. Demokratie wird nicht glaubwürdiger, wenn sie sich aufbläht. Demokratie wird nicht bürgernäher, wenn noch mehr Berufspolitiker in Düsseldorf sitzen, während draußen die Menschen den Glauben verlieren, daß dieser Betrieb überhaupt noch ihre Probleme lösen will.
Ein starkes Parlament mißt sich nicht an der Zahl der Abgeordneten. Es mißt sich daran, ob es den Staat kontrolliert. Ob es die Regierung zur Rechenschaft zieht. Ob es Verschwendung stoppt. Ob es Freiheit verteidigt. Ob es die Realität der Bürger kennt. Ob es Entscheidungen trifft, die dem Land dienen und nicht den Parteien.
Ein Parlament, das immer größer wird, aber die Probleme des Landes nicht kleiner bekommt, ist kein Zeichen von Stärke. Es ist ein Zeichen von Versagen.
NRW braucht keine politische Sitzplatzerweiterung. NRW braucht weniger Selbstbeschäftigung, weniger Parteiapparat, weniger Symbolpolitik, weniger moralische Belehrung und mehr Respekt vor den Bürgern, die diesen ganzen Laden bezahlen. Es braucht ein Wahlrecht, das klare Verhältnisse schafft und nicht jedes Mal neue Mandatswolken produziert, sobald die Parteiarithmetik unbequem wird.
Und ja: Wer das Problem kennt und es nicht löst, der darf sich über den Zorn der Bürger nicht wundern.
Denn genau daraus wächst die Wut im Land. Nicht aus irgendeiner angeblichen Verrohung. Nicht aus „Populismus“. Nicht aus mangelnder demokratischer Bildung. Sondern aus der täglichen Erfahrung, daß die politische Klasse für sich selbst immer eine Lösung findet, während sie den Bürgern bei ihren Problemen nur Durchhalteparolen serviert.
Für die Menschen heißt es: Gürtel enger schnallen.
Für die Politik heißt es: Stühle nachbestellen.
Das ist die ganze Schieflage dieses Landes in einem Bild.
Ein Landtag, der auf fast 300 Abgeordnete anwachsen könnte, wäre kein Triumph der Demokratie. Er wäre ein Denkmal politischer Maßlosigkeit. Ein Denkmal dafür, wie weit sich der Betrieb von denen entfernt hat, die ihn finanzieren. Und ein weiteres Signal an die Bürger: Ihr sollt zahlen, wir erklären euch dann schon, warum das alles alternativlos war.
Nein. Es ist nicht alternativlos.
Man könnte das Wahlrecht ändern. Man könnte die Zahl der Wahlkreise reduzieren. Man könnte eine echte Obergrenze einziehen. Man könnte den politischen Apparat begrenzen. Man könnte den Mut haben, den Bürgern zu zeigen: Wir fangen beim Sparen bei uns selbst an.
Aber genau daran erkennt man den Unterschied zwischen Reden und Handeln.
Solange es um die Bürger geht, predigt die Politik Verzicht. Sobald es um sie selbst geht, predigt sie Verfahren.
Und genau deshalb ist dieser mögliche XXL-Landtag in NRW mehr als eine Wahlrechtsfrage. Er ist ein Charaktertest.
Düsseldorf fällt gerade krachend durch.
https://t.co/OpDcrTNzpk
@labbipapiholger@GFreiNews Ja, Konditionierung hilft auf jeden Fall!
Wenn Sie die Übersicht über die Wahlvorlieben der Medienschaffenden ansehen merken sie jedoch:
Da ist sehr viel linke Grundideologie vorhanden.
Ich habe das Gutachten gerade für das AfD-Verbot mal von KI analysieren lassen, 1.500 Seiten kann man sich ja nicht selber antun:
Das GFF-Gutachten (1.500 Seiten) der Gesellschaft für Freiheitsrechte sieht die AfD als verfassungswidrig und ein Verbotsverfahren als wahrscheinlich erfolgreich. Es ist datenreich und transparent. Dennoch ist es in mehreren zentralen Punkten problematisch:
1. Institutionelle und finanzielle Voreingenommenheit
Das Gutachten wurde gezielt von Spendern finanziert, die ein Gutachten zur Verfassungswidrigkeit der AfD wollten. Es ist kein neutrales universitäres Werk, sondern ein NGO-Produkt mit klarer politischer Ausrichtung. GFF und Unterstützer wie Campact stehen links/progressiv und bekämpfen AfD-Positionen zu Migration und Gender seit Jahren. Das erzeugt den Eindruck politisch motivierter Analyse („lawfare“).
Die Zweitgutachter bestätigten die Methodik, aber nicht uneingeschränkt. Schönberger war bei Art. 1 GG kritischer. „Gut vertretbar“ ist kein starkes Qualitätssiegel.
2. Methodische Probleme
Das Gutachten leidet unter dem „Masse statt Klasse“-Problem: Millionen Social-Media-Posts und Zitate. Quantität ersetzt nicht Kontext. Social Media ist performativ und ironisch – die Zuordnung zur gesamten Partei ist riskant.
Es gibt De-Kontextualisierung: Rhetorische Übertreibungen (z. B. Haftbefehl-Forderungen gegen Merkel oder Lauterbach) werden als ernsthafte Verfolgungspläne gewertet. Solche Forderungen sind in der Opposition üblich.
Einzelne Funktionäre und lokale Äußerungen werden zur „Strategie der AfD“ hochgerechnet. Die Partei ist heterogen. Es fehlen interne Dokumente und Analysen tatsächlichen Regierungshandelns in afd-mitregierten Ländern.
3. Rechtliche Überdehnung (der schwerwiegendste Kritikpunkt)
Art. 1 GG (Menschenwürde): Remigration, Familienleistungen nur für Deutsche, Kopftuch- und Moscheekritik sowie harte Abschiebungen werden als systematische Würdeverletzung für Millionen Menschen gewertet. Das ist eine sehr weite Auslegung. Art. 1 GG schützt vor extremer Degradierung, nicht vor jeder restriktiven Migrationspolitik. Viele dieser Positionen sind in Frankreich, Dänemark oder Italien umstritten, aber nicht automatisch verfassungswidrig.
Demokratieprinzip: Forderungen nach Ermittlungen gegen Politiker werden als Beeinträchtigung des Wettbewerbs und „Chilling Effect“ dargestellt. Das ist überzogen. Politische Gegner zu kritisieren und rechtliche Konsequenzen zu fordern, gehört zur normalen Opposition.
„Potenzial und Strategie“: Ressourcen und Diskursverschiebung sind richtig beobachtet – aber nicht der verfassungsrechtliche Maßstab. Das BVerfG verlangt eine kämpferisch-aggressive Haltung mit konkreter Gefahr für die FDGO. Eine große Oppositionspartei mit 20–30 % allein deshalb als verbotsreif zu sehen, senkt die Hürde massiv.
4. Selektivität
Starke Fokussierung auf Migration, Islam und Gender. Andere Themen wie Antisemitismus werden als nicht ausreichend für Verfassungswidrigkeit bewertet. Gegenargumente der AfD (Gerichtsverfahren, Reaktion auf reale Integrationsprobleme) werden kaum berücksichtigt. Das Gutachten gibt selbst zu, nicht erschöpfend zu sein – formuliert aber ein sehr kategorisches Ergebnis.
5. Politische Rahmung
Die Präsentation (Website, Grafiken mit Politikern „hinter Gittern“, Pressekonferenz) ist advokatorisch. Formulierungen wie „eindeutig verfassungswidrig“ und „wahrscheinlich erfolgreich“ gehen über das hinaus, was ein Gutachten objektiv sagen kann. Das BVerfG hat bei Parteiverboten bewusst sehr hohe Hürden gesetzt.
6. Praktische Risiken
Ein Verbotsverfahren gegen eine Partei mit 20–30 % Zustimmung wäre hoch riskant: Es würde einen großen Teil der Bevölkerung stigmatisieren, der AfD eine Märtyrerrolle geben und wahrscheinlich zu einer Neugründung führen. Genau deshalb hat das BVerfG die Hürden so hoch gelegt.
Fazit
Das Gutachten ist institutionell voreingenommen, methodisch angreifbar, rechtlich überdehnt bei Art. 1 GG und politisch instrumentalisiert.
@Lasseby1964@VceOfReason Es ist dein gutes Recht, dir von einem Genderstudies "Wissenschaftler", eine Wurzelbehandlung durchführen zu lassen!
Dann brauchst du dich auch nicht zu "schämen", kleingeistig einen passenden Profi (Zahnarzt) zu verlangen
ABER: verlang von anderen nicht die gleiche Dummheit!
@olivergorus Einspruch!
Es zeigt NICHT, dass er
"die Lage der CDU noch nicht verstanden hat."
Merz hat KEIN Verständnisproblem!
Meiner Ansicht nach ist ihm die Lage Deutschlands einfach egal.
Er wollte Kanzler werden.
Er ist Kanzler geworden.
Er will Kanzler bleiben.
Over and out.
@drumheadberlin DAS ist der Vorteil, wenn es annähernd keine direkte Demokratie gibt.
Da kann man unkontrolliert jegliche gequirlte... gequirlten Unsinn behaupten.
@jreichelt "Ich glaube eher nicht, dass das ...Foto bei der Welt mit ... Täuschungsabsicht beschnitten wurde.
Neiiiin...
NIEMAND hatte die Absicht eine Täuschung zu errichten!
😇🫠😇
Sehr geehrter Herr @bundeskanzler ,
Habe ich das richtig verstanden?
Wir kürzen Renten, Wohngeld und Behinderten-Beihilfen, damit wir zukünftig das weiterhin wachsende Heer der Beamten, die Ukraine, die EU, die Solarbeleuchtung von Moscheen in Tunesien, die Gendergerechte Sprache in Ghana, das Kindergeld in Uganda, die Krankenkasse für Großeltern in der Türkei und die Entwicklungshilfe für das dritte Welt Land China bezahlen können?
Fast hätte ich die Radwege in Peru vergessen, aber auf die kommt es auch nicht mehr drauf an.
Chapeau! Mehr Wahlwerbung für die AfD geht nicht …
@queru_lant@PaulinePezold Ich habe nachgelesen:
hinter Politico steckt ...
Axel Springer!
Friedrich Merz Fanboys par excellence
Verantwortlich unter anderem für die pro CDU/CSU/Merz Wirtschafts-PR-Show (ohne jede Wirkung) Namens
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