Bislang hielt ich es für den Normalzustand, dass Politik nicht antisemitisch ist. In der deutschen Hauptstadt brauchen Linke, Grüne und SPD dazu Aktionspläne, eine neue Stabsstelle, Bekenntnisse von Mandatsträgern und mehr Fördergelder. Wäre es nicht einfacher, Antisemiten nicht an die Macht zu lassen?
@O__Hugo__O@BerndGummauer@AntoineRichard Habe ich irgendwo behauptet das es Döner ist ? Nö. Da steht " wir machen die hier" . Lesen und verstehen sind zwei Dinge.
Da hat @jreichelt sowas von recht: „Wenn Redaktionssysteme steuerfinanziert ausgespäht werden, dann endet die Pressefreiheit. Und wenn die Pressefreiheit endet, endet die Freiheit.“ Wer auch nur einen Funken Medien-Ehre im Leib hat: Solidarität mit @nius. https://t.co/7RQ80eI4Xt
Heute auf dem Domplatz in Magdeburg wurde ich von Demonstranten erkannt und einige riefen reflexartig: „Nazi! Nazi! Nazi!“
Darüber habe ich gerade noch einmal nachgedacht. Denn es hat eine andere Dimension, solche Rufe aus nächster Nähe zu hören, als sie irgendwo im Internet zu lesen.
Wer Menschen, deren politische Meinung ihm nicht gefällt, reflexartig zu „Nazis“ erklärt, offenbart für mich zweierlei:
1. Einen erschreckenden Mangel an historischem Verständnis!
Ich habe als Schüler Sachsenhausen besucht und war dieses Jahr im Haus der Wannsee-Konferenz. Dort habe ich das Organigramm der Nationalsozialisten gesehen, und mit welcher bürokratischen Systematik die tatsächlichen NAZIS (Nationalsozialisten) die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Menschen planten und organisierten.
Wer sich wirklich mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, mit Entrechtung, Verfolgung, Terror und millionenfachem Mord auseinandergesetzt hat, müsste eigentlich davor zurückschrecken, diese Epoche leichtfertig mit heutigen politischen Auseinandersetzungen gleichzusetzen.
Wenn Politiker wie Eva von Angern, Susan Sziborra-Seidlitz, Ricarda Lang und viele andere mit Nazi-Vergleichen und entsprechenden Zuschreibungen operieren, frage ich mich deshalb, welches historische Bewusstsein dahintersteht.
2. Einen moralischen Abgrund.
Gerade wer die historische Singularität des Holocaust betont, also die systematisch organisierte Vernichtung der europäischen Juden, muss sich fragen lassen, wie es dazu passen soll, ausgerechnet den Begriff „Nazi“ durch ständige Wiederholung zur alltäglichen politischen Beschimpfung zu trivialisieren.
Wer ständig „Nazi“ ruft, schärft das Bewusstsein für die NS-Zeit nicht!
Er macht ihre Verbrechen zur politischen Alltagskeule und trägt damit selbst zu ihrer Verharmlosung bei.