Die indogermanische Wurzel *reg- bedeutet „aufrichten“, woraus sich die Worte „Richtig“, „Recht“ und „Rechts“ entwickelt haben. Daraus folgt: Rechts = Richtig!
@MariamLau1@DIEZEIT Ihr könnt die AfD nicht mehr klein schreiben. Es ist vorbei - die AfD wird eines Tages mit absoluter Mehrheit regieren. Alles nur eine Frage der Zeit. Und solche Artikelchen ändern NICHTS daran.
@ulfposh@AfD@MariamLau1 Ihr könnt die AfD nicht mehr klein schreiben. Es ist vorbei - die AfD wird eines Tages mit absoluter Mehrheit regieren. Alles nur eine Frage der Zeit. Und solche Artikelchen ändern NICHTS daran.
@stagerbn Unser Wahlrecht krankt erheblich. Ich finde es z.B. einen echten Skandal, dass jemand wie Göring-E. mit nur 3,1 Prozent der Erststimmen über eine Liste in den Bundestag kommen kann. Die Bürger haben bei der Wahl klar gezeigt, dass sie sie nicht wollen!
@josefheynckes Nein, das sagt diese Recherche gar nicht! Diese Recherche sagt, es hätte so sein können, weil jemand gesagt hat, dass er jemand kennt, der das von jemandem gehört hat. Und es wäre eventuell möglich, aber man wisse es nicht genau.
@kontrafunk Ach gottchen. Ich bin in den 60ern aufgewachsen. da haben "Fachleute" dasselbe über Comics, Zeichentrickfilme und Radio gesagt! "Wenn Kinder Comics lesen, verlernen sie das richtige Sprechen" und so ein Unsinn.
Da der CDU-Politiker Daniel Eck mich des »Rassismus« bezichtigt hat, weil ich eine Debatte über Identität und Demographie Deutschlands führen will, er aber gleichzeitig Israel- und Ukraine-Flaggen im Profil hat, will ich versuchen, die Widersprüche in diesem Weltbild herauszuarbeiten.
Israel ist der Staat der Juden. Israel ist der Staat der Juden, weil dies buchstäblich bei der Gründung 1948 formuliert wurde. Das hat auch ungefähr jedes Regierungsoberhaupt von David Ben-Gurion bis Benjamin Netanjahu formuliert. Dies wurde in der Verfassung und in Koalitionsverträgen festgeschrieben, hatte mitunter Mindestquoten für Juden in Ämtern zur Folge und resultierte aus der berechtigten Befürchtung vor (regionalen) Mehrheiten von Muslimen, welche die demografische Grundsubstanz Israels verändert hätten. Die wollte man nicht, man wollte jüdisch bleiben.
Der jetzige Ministerpräsident Netanjahu selbst sprach 2003 (!) von einer »demografischen Bombe«, was übrigens auch ein Begriff ist, den Martin Sellner benutzt hat. Netanjahu warnte vor dem Anstieg des arabischen Bevölkerungsanteils in Israel auf mehr als 20 Prozent. Dieser Anstieg, so Netanjahu, würde Israel verunmöglichen, langfristig ein jüdisches Land zu bleiben. Das Judentum (als Leitreligion und staatliches Kernanliegen) wurde und wird auch in etlichen öffentlichen Reden in der Knesset beschworen, mitunter auch von Mitte-Links-Politikern. Es fand seinen Ausdruck in den »Law of Return«- und »Aliyah«-Gesetzen. Auf das religiös-identitäre Staatsziel verwiesen Yariv Levin und Ehud Barak, um nur zwei Namen zu nennen. Dass Israel das Land der Juden bleiben muss, hat noch heute eine sehr breite Bevölkerungsmehrheit in Israel.
Dass Israel das Land der Juden bleiben soll, findet Daniel gut, weil er Juden ein Recht auf Selbstbehauptung und demografisches Fortbestehen zugesteht. Dass Deutschland ein Land der mehrheitlich ethnisch Deutschen bleiben soll, findet Daniel hingegen rassistisch. Wenn in Israel Staatssymbole, nationale Helden und Volkslieder beschworen, positiv besetzt und gesungen werden (ich war nach dem 7. Oktober dort und es war überall sicht- und spürbar), findet das Daniel prima. Wenn in Deutschland Staatssymbole, nationale Helden und Volkslieder beschworen, positiv besetzt und gesungen werden, findet Daniel das völkisch. In einem Fall gesteht er einem sehr weit entfernten Land (wegen des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts) ein ethnoreligiöses Selbstverständnis zu, im anderen Fall verleugnet er (wegen des Zweiten Weltkriegs und des Holocausts) jedwedes ethnisch-identitäre Anrecht eines Landes, auch nur ansatzweise über diese Dinge nachzudenken – obwohl dieses Land seine Heimat ist.
In einem Fall ist ein identitäres Kriterium (Judentum nach Halacha) konstituierend für Staatsvolk und Demografie; im anderen Fall ist ein identitäres Kriterium (deutsche Herkunft, Abstammung, Familienngeschichte und Tradition) rassistisch und ausschließend. Eine Debatte über Staatsvolk, Demografie und die Frage, wer eigentlich Deutscher ist und wer nicht, sollte in Deutschland deshalb in Daniels Weltsicht nicht offen geführt werden, ohne sich vorwerfen zu müssen, Ethnopluralist zu sein. Unsere Vergangenheit ist schließlich, überspitzt gesagt, »Reinrassigkeit«, »Rassegesetze«, »Reichskristallnacht« – und wenn man bei ethnischen Nicht-Deutschen auch nur ansatzweise ihr Deutschsein infrage stellt, bediene man schlimmste Muster. Daniel verweist dabei (zurecht) darauf, dass Israel ein multiethnisch ist – und überträgt dies auf Deutschland –, verkennt aber völlig, dass sich Israel nicht entlang von Hautfarben und Nationen definiert, sehr wohl aber entlang einer mehrheitlichen Religion, dem Judentum.
Der Witz an der ganzen Geschichte ist, dass das Abstammungsprinzip nach der jüdischen matriarchalen Halacha deutlich strenger ausfällt (Stichwort: Reinheit) als das heutige deutsche Abstammungsprinzip, was in linken jüdischen Communities speziell in den letzten Jahren auch eine offene Diskussion befördert hat. Aber das nur am Rande. Israel heute ist aber natürlich ein ethnoreligiöser Staat, wie er im Lehrbuch steht. Er mag multiethnisch sein, aber in seiner ethnoreligiösen Natur (die das Fortbestehen des eigenen jüdischen Volkes zum wichtigsten Ziel hat) begründet sich sein raison d’être.
Von der Ukraine, also dem zweiten Land, das Daniel in seinem Profilbild trägt, will ich gar nicht erst anfangen, denn die kämpft um ihren identitären Selbsterhalt, der sich noch viel stärker ethnisch ableitet. Im Fall der Ukraine ist diese identitäre Komponente wiederum mit der Geschichte von Slawen und Stämmen verbunden. Diese Slawen (aber auch etwa Germanen) kämpften auf dem Gebiet der heutigen Ukraine seit Jahrhunderten um ein territorial eingegrenztes Gebiet (google Kiever Rus; später ist das plakativste Beispiel Lemberg, Lwów, Lwiw usw.), aus dem sich auf der heutigen Weltkarte dann die heutige Ukraine herausbildete. Sie will heute im Westen des Landes genuin ukrainisch sein und betont eigene Sprache und Alphabet (schon wieder: identitäres Anliegen), im Osten ist sie weit mehr russisch geprägt. Aber ihre Selbstdefinition leitet sie historisch aus einer, bitte nicht umfallen, Blut-und-Boden-Realität ab, weil die Geschichte der Ukraine (und auch anderer Osteuropäer) eine Blut-und-Boden-Geschichte war. Es ging um Nachfahren, Blutlinien, ethnische Stämme, Territorien und Grenzen, die sich immer wieder verschoben.
Heute wählt die Ukraine eine identitäre Selbstdefinition, die sich jahrhundertelang zurückverfolgen lässt (Google: Taras Schewtschenko oder Kosaken-Widerstand) und die in Abkehr zu Russland steht. Ukrainische Soldaten berufen sich im jetzigen Krieg gegen den Aggressor Russland und Wladimir Putin, jetzt muss sich Daniel erneut festhalten, aus einer ethnisch-identitären Selbstbehauptung nicht nur, aber auch auf Helden, die nichts anderes als Nationalisten waren – und das Ukrainischsein im Sinne von Widerstand und »Supremacy« definiert haben (Google: Petliura, UNR, Schuchewytsch, Bandera, meinetwegen geh zurück zu Chmelnyzkyj).
Wären diese in der Ukraine gefeierten Widerständler und Nationalhelden Deutsche, würde Daniel sie vermutlich verachten, denn sie hatten ein ethnisches Überlegenheitsdenken verinnerlicht, das das Eigene gegenüber dem Fremden bevorzugt und überhöht. Aber sie waren Ukrainer, die ihr Land verteidigten, und wenn Ukrainer dies aus Selbsterhaltungstrieb tun, ist dies eben löblich, weil man seine eigenen Komplexe in einen Fremdnationalismus überführen kann (was im Übrigen auch so für Israel gilt). Heute sind viele Bezugsgrößen der ukrainischen Soldaten de facto Rechtsnationale, die weit rechts der AfD stünden und in Deutschland als Nazis gelten würden, die aber die Ukraine in erster Linie gegen das Zarenreich (und andere kleinere Mächte) verteidigten und damit frühzeitig eine heutige Nation konstituierten. Sie sind vielerorts Identifikationsflächen und Helden.
Jene ukrainischen Bezugsgrößen (Google: OUN, UPA, aber auch die oben genannten) haben aber, das nur am Rande, früher nicht nur gegen Polen, Litauer und Russen gekämpft, sondern auch gegen Juden. Sie haben dabei Juden brutal ermordet und Pogrome durchgeführt, weil Osteuropa nun mal jüdisch war und Juden sehr oft kommunistisch und/oder russisch waren. Und Konflikte ethnisch waren.
Dies wiederum sieht Daniel als einen (legitimen) Mitgrund dafür an, dass Israel das Land der Juden werden musste, was wiederum dazu führte, dass Israel in heute ein identitäres Staatswesen hat, das das jüdisch-nationale Wesen betont und sich als Schutzraum versteht.
Ich will gar nicht weitermachen, aber wenn Daniel ehrlich mit sich selbst wäre, würde er erkennen, dass seine Argumentation und sein ganzes Weltbild ein einziger Self-Own ist, bei dem Widerspruch auf Widerspruch folgt. Würde man ukrainischen und israelischen Selbstdefinitionen folgen, wäre die Debatte um Ethnizität und multikulturelle Vermischung (die ich anhand von Fußball-Teams geführt habe, mein Gott, das ist so harmlos) heute eine gänzlich andere, und das nicht in Daniels Sinne.
Ja, wir führen keinen Krieg, ja, wir sind im Zentrum Europas, und ja, wir haben eine andere Geschichte. Und ich will auch gar nicht sagen, dass ich ukrainischen oder israelischen Nationalismus widerspruchslos verteidige oder nicht auch auf diesen Seiten Gräueltaten eingestehe. Ich will aber sehr wohl sagen, dass diese Debatte von Seiten solcher CDU-Politiker und Liberalkonservativen wie Daniel so heuchlerisch und verlogen geführt wird. Man kann nicht Völkern ein Anrecht auf (historisch gewachsene) ethnisch-nationale Behauptung zugestehen, aber jede auch nur ansatzweise Debatte über ethnisch-nationale Realitäten in Deutschland shamen.
Sowohl in der Ukraine als auch in Israel würden Nationalmannschaftszusammensetzungen (und Stadtbilder und Parks und Grundschulklassen und Sportvereine und so weiter), die immer mehr nicht-ukrainisch oder nicht-jüdisch werden, eine riesige Debatte auslösen und politisch, wie ich vermute, sofort korrigiert werden. Wenn man das für Deutschland auch nur ansatzweise fordert – oder darüber eine differenzierte Diskussion anstoßen möchte –, wird man als Rassist gebrandmarkt, und zwar von Leuten, die sich konservativ nennen.
Es ist unsäglich. Und ich schreibe das jetzt alles nicht, um einen einzelnen User zu zerlegen, sondern weil ich finde, dass sich hier beispielhaft ein liberalkonservatives Weltbild zeigt, das unterkomplex und unehrlich ist – und früher oder später beerdigt werden sollte.
@jannibal_ Bravo! Die beste Analyse/Zusammenfassung des ethnischen Problems ever! Da kann sich Poschardt, der immer nur beleidigende Einwürfe macht, statt zu argumentieren, mal eine Scheibe von abschneiden.