"Schrödinger’s Trump": NATO doesn't know which Trump will show up in a crisis: the cooperative one, the erratic one, or the hostile one. All three exist simultaneously, until someone looks.
Der NATO-Gipfel hat uns erneut ein geistiges Schleudertrauma verpasst.
Trump äußerte Sätze, die jeder für sich zur Eilmeldung wurden: Handelsstopp mit Spanien, Beschimpfung von NATO-Partnern, Zweifel an der Bündnislogik. Manche nennen das Politik. Andere vermuten ein freischwebendes Elektron, das zufällig durch Trumps Hirn schießt.
Man weiß es nicht. Man kann es nicht wissen. Niemand weiß es. Und genau das ist das Problem.
Christian Mölling vom European Policy Centre nannte das kürzlich „Schrödinger’s Trump“: Die NATO weiß nicht, welcher Trump in einer Krise auftaucht: der kooperative, der erratische oder der feindliche. Alle drei existieren gleichzeitig, bis jemand hinschaut.
Das stimmt. Aber ich glaube, es greift zu kurz.
Schrödinger beschreibt Ungewissheit über einen verborgenen Zustand. Die Katze ist tot oder lebendig, wir wissen es nur nicht. Irgendwo hinter der Ungewissheit gibt es eine Realität.
Was wir gerade erleben, ist etwas anderes. Es ist das Doppelspaltexperiment der Politik.
Trump, Putin, Le Pen, Farage, Weidel und Chrupalla existieren in mehreren Zuständen gleichzeitig. Nicht, weil wir sie nicht beobachten. Sondern weil der Beobachtungsakt selbst erst den Zustand erzeugt.
Putin ist Kriegsverbrecher und Friedensfürst zugleich. Nicht abwechselnd. Gleichzeitig. Je nachdem, wer hinschaut.
Le Pen wird verurteilt, tritt mit Fußfessel zum Präsidentschaftswahlkampf an, und man braucht keine Glaskugel, um zu ahnen, dass ihr genau das politisch noch nutzen kann.
Die AfD verteidigt Putin, dessen Krieg ihr erst die Wähler beschert hat. Dessen Bomben schon in Syrien mit dafür sorgten, dass Menschen flohen – und damit genau jene Angstkulisse beflügelten, von der die AfD bis heute lebt.
Der Brexit passierte, weil Farage ihn wollte. Er hat dem Land nichts Gutes gebracht. Und trotzdem führt derselbe Farage wieder Umfragen an.
Willkommen in der Quantenpolitik des 21. Jahrhunderts.
Was wir erleben, ist keine Anomalie. Es ist ein neues Betriebssystem.
Die Frage ist nur: Woher kommt es?
Als die Quantenmechanik Anfang des 20. Jahrhunderts die klassische Physik zertrümmerte, wollte selbst Einstein es nicht wahrhaben. Gott würfelt nicht, sagte er. Er suchte nach versteckten Variablen, nach der Ordnung hinter dem Chaos. Er hatte recht und verlor trotzdem.
Die jüngere Generation der Physiker war längst in der Quantenwelt angekommen, die Einstein selbst mit eröffnet hatte. Nur wollte er am Ende die Tür nicht mehr durchschreiten.
Politisch stehen wir heute an einem ähnlichen Punkt.
Dieser Paradigmenwechsel in der Politik begann allerdings schon vor langer Zeit. Er begann mit der Aufklärung, mit dem Moment, in dem Religion aufhörte, die alles ordnende Instanz zu sein. Eine kopernikanische Wende unserer Gesellschaften, die 300 Jahre gebraucht hat, um heute in den sozialen Medien zu kulminieren.
Die Postmoderne war der erste Spalt: Wahrheit wurde zur Machtfrage, Vernunft zu einer Option unter vielen.
Dann kam das Internet. Dann kamen die Algorithmen. Und Russland begriff früh, was in diesem System steckt.
Seither leben wir in der Quantenpolitik und wollen es nicht wahrhaben. Das Paradoxe daran: Niemand hat sie wirklich erfunden. Es wurden nur die Bedingungen geschaffen, unter denen sie funktioniert.
Die sozialen Medien sind der gesellschaftliche Isolator, der verhindert, dass die Wellenfunktion kollabiert. Die Echokammern sind die Vakuumkammern des politischen Doppelspaltexperiments.
Und da stehen wir nun.
Die liberale Demokratie, die Vernunftpolitiker, die Qualitätsjournalisten – sie alle sind Einstein. Klug, korrekt, mit den besseren Argumenten. Und strukturell außerstande, in einem System zu gewinnen, dessen Grundbedingungen sich geändert haben.
Trump, Putin, Farage, Weidel und Co. sind aber nicht Niels Bohr. Sie haben keine Theorie, kein Modell, kein Verstehen. Sie haben nur den Instinkt, dass Kohärenz optional ist. Dass Widerspruch keine Schwäche ist. Dass man beide Spalte gleichzeitig passieren kann, solange niemand mehr auf Kausalität besteht.
In dieser neuen Welt fehlt uns noch jemand wie Bohr.
Eine demokratische Antwort, die nicht Einstein ist. Die nicht auf die Rückkehr der alten Vernunft wartet, sondern begreift, dass sich die politische Physik verändert hat – und endlich lernt, mit ihr zu arbeiten.
Denn die Zeit drängt.
Quantenpolitik funktioniert nur so lange, wie alles verhandelbar bleibt. Trump kann gleichzeitig Handelskrieg und Handelsdeal sein. Farage kann gleichzeitig Zerstörer und Retter sein. Die AfD kann gleichzeitig Systemfeind und Stimme des Volkes sein.
Das Klimasystem kann das nicht.
Die Thermodynamik kennt keine Superposition. Sie kennt keine versteckten Variablen. Sie kennt keinen Beobachter, der den Zustand nachträglich umdeutet.
Wenn es zu heiß ist, ist es zu heiß.
Wenn Kipppunkte erreicht sind, kann man nicht zurück in den Zustand davor. Klassische Physik schlägt Quantenpolitik.
Die Quantenpolitik endet dort, wo die klassische Physik keine Verhandlungen mehr annimmt.
Und genau da liegt der Horror: Wir sitzen alle im selben Haus mit denen, die politisch längst in den Quantenzustand gewechselt sind.
Im Dreißigjährigen Krieg gab es am Ende den Westfälischen Frieden. Verfeindete Parteien gaben ihren Kampf zähneknirschend auf. Der Schalter wurde auf null gestellt. Damals gab es diesen Schalter noch: ein oder aus.
Heute sind wir dabei, vor lauter Quantenpolitik das Notaus abzuschaffen.
Denn beim Klima gibt es keine Aus-Option mehr.
Bei der Demokratie im Grunde auch nicht, auch wenn wir uns mit viel Anstrengung nach einer Zeit der Autoritarismus wieder mühsam dahin kämpfen könnten.
Wenn uns das Klima dann überhaupt noch lässt.
An Assembly of Creative Mistakes
Roger Rosenblatt | Embrace Mistakes or Abandon Hope | Week in Review
When you think of it, life is an assembly of creative mistakes. | Roger Rosenblatt
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Decision-Making: Autonomy versus Speed
Deciding how to make decisions may be the most important decision of all. And remember, fast decisions are more likely to be catastrophic. Here’s how to slow down to go fast safely.
https://t.co/4c77aU4Xq1
They Should Not Pay | Stowe Boyd
Claudia Sahm | Low Quality Jobs | Sad Desk Lunch | Stop Hiring Humans
Workers did not cause inflation, and they should not pay for bringing it down.
| Claudia Sahm
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Enslaved To A Recent Past
Living In An Unhistorical Present | US Literacy | Who's Getting Hired?
No class of men are less enslaved to the past than historians. The unhistorical are usually, without knowing it, enslaved to a fairly recent past. | C.S. Lewis
https://t.co/UaAGeGcP1G
31/31
So unless the WH can provide a transparent explanation, of his health, that better fits these circumstances, I'm forced to conclude that they are lying to the American people - and hiding that Trump had a stroke.
It's time for the press to push on this and get clarity.
@jasonaverbook Accelerating the past might change the future, but the result is likely to be a future we don't want.
'There ought to be a future we can choose. It’s up to us to find it.' | Katsuhiro Otomo, *Akira*'
@TfTHacker What if she had never started relying on LLM-based tools? What if she had been writing everyday, her own thoughts? What if she had been reading hard works, not doom scrolling. Maybe we don't need a reboot if we never fell into the trap she found herself in?
Lattice of Coincidence
Alexander Cox | Razib Khan | Note to Readers | Urban Doom Loop, Revisited | Cognitive Debt: The Downside of LLM Tools
A lot of people don't realize what's really going on. They view life as a bunch of unconnected incidents and things. They don't realize that there's this, like, lattice of coincidence that lays on top of everything.
| Alexander Cox, Miller in the film Repo Man
https://t.co/u6OGUf4FcT
@clairesuddath I'm writing a retrospective on your It’s Getting Harder to Be a Woman in America piece, and would like to get your response to some questions, embedded in this sketch.
https://t.co/SqiJjoMB8D
Sheer Insanity
Hannah Arendt | Brain Drain | Values | Go East, Young Man | Elsewhere
Never has our future been more unpredictable, never have we depended so much on political forces that cannot be trusted to follow the rules of common sense and self-interest — forces that look like sheer insanity, if judged by the standards of other centuries. | Hannah Arendt
https://t.co/jTUKRvzHH8
History Teaches
Antonio Gramsci | Upside-Down Story about an Upside-Down Reality | Elsewhere: Speaking of WFH, Vulnerability, The Robot Curve, More Posts
History teaches, but has no pupils. | Antonio Gramsci
https://t.co/qhT4O3CrF4