Der vielleicht gefährlichste Gedanke im Krypto Markt gerade lautet:
„Ich warte einfach bis Q4. Da kommt das Tief. So war es im Vierjahreszyklus schließlich immer.“
Und genau da würde ich vorsichtig werden.
Stellt euch folgendes vor: Es gibt einen Zug, der fährt nur alle vier Jahre. Ziel: Bullenmarkthausen.
Der Fahrplan hängt seit Jahren an jeder Wand. Jeder kennt ihn auswendig. Abfahrt im vierten Quartal, irgendwo zwischen Oktober und November, so wie immer, so wie beim letzten Mal und beim Mal davor.
Also füllt sich der Bahnsteig. Menschen verkaufen ihre Positionen, setzen sich auf ihr Bargeld und starren auf die Anzeigetafel. Komplett raus aus dem Markt, komplett sicher, dass der Zug pünktlich kommt. Manche stehen seit Monaten dort und warten auf diesen einen Moment, in dem sich die Türen öffnen.
Koffer gepackt.
Cash an der Seitenlinie.
Nicht investiert.
Und alle schauen auf die große Anzeigetafel:
„Abfahrt: Oktober / November.“
Und dann passiert das, was gerade passiert: Der Kurs bricht nach oben aus, ohne vorher tief gefallen zu sein. Auf dem Bahnsteig wird es unruhig. Menschen schauen auf die Uhr, dann auf die Gleise, dann wieder auf den Fahrplan, an den sie so fest geglaubt haben.
Es gibt aber einen Punkt, den viele unterschätzen: Ein Zug hat nur begrenzte Plätze.
Mein Leitsatz im Markt lautet, dass jeder Geld verdienen kann, aber niemals alle gleichzeitig. So funktioniert dieses Spiel nicht. Irgendjemand muss die Gewinne derjenigen bezahlen, die früh eingestiegen sind.
Wenn wirklich jeder weiß, wann der Zug fährt, glaubt ihr ernsthaft, dass die erfahrensten Marktteilnehmer erst fünf Minuten vor Abfahrt am Hauptbahnhof auftauchen?
Natürlich nicht.
Wer sich in der Gegend auskennt, macht deshalb etwas anderes. Er fährt eine Station vorher hin, oder sogar zwei. Dort ist der Bahnsteig leer, dort gibt es kein Gedränge, und wenn der Zug dann am Hauptbahnhof einrollt, sitzt er längst am Fenster und schaut hinaus auf die Menge, die nicht mehr hineinkommt.
Genau das ist Front Running, also das Positionieren, bevor das Ereignis eintritt, statt darauf zu warten, dass es eintritt. Wer erst kauft, wenn alle anderen die Bestätigung sehen, kauft von genau den Leuten, die schon drin sitzen.
Märkte warten nicht darauf, bis ein Szenario für jeden offensichtlich und bestätigt ist. Erwartungen werden vorher gehandelt.
Der Preis dafür ist ein gewisser Umweg. Vielleicht steigt man zu früh ein und der Zug steht noch eine Weile im Bahnhof. Vielleicht kostet es Nerven, wenn draußen alle rufen, dass der richtige Termin doch erst im Herbst ist. Dafür hat man aber die eine Sache, die auf dem vollen Bahnsteig niemand hat: einen sicheren Platz.
Und genau deshalb sind Bewegungen wie die letzten Tage so interessant.
Vielleicht war dieser massive Breakout bei Bitcoin und Krypto nur eine Bärenmarktrally. Vielleicht kommt Q4 tatsächlich noch das Tief, auf das gerade so viele warten. Das Szenario ist absolut möglich.
Aber das Gefährliche ist nicht, dieses Szenario zu haben.
Das Gefährliche ist, 100% davon überzeugt zu sein.
Denn wenn du komplett draußen bist und darauf wartest, dass der perfekte Vierjahreszyklus wieder exakt nach Fahrplan abläuft, machst du im Grunde eine riesige Wette darauf, dass Millionen andere Marktteilnehmer nicht vorher auf dieselbe Idee kommen.
Und Märkte funktionieren selten so bequem.
Es gibt im Zug nach Bullenmarkthausen keine unbegrenzten Sitzplätze.
Die entscheidende Frage ist also vielleicht gar nicht:
„Wann fährt der Zug?“
Sondern:
„Was mache ich, wenn er diesmal eine Station früher losfährt?“
Wie siehst du das? Wenn dir dieses Gedankenexperiment hilft, teile und interagiere gerne mit Post 🤍
@RG1909@FurkanCCTV Doch, ich finde sehr wohl. Offensichtlich können sie mir gestohlen werden, obwohl ich alles richtig mache.
Das fördert kein Vertrauen in das asset.