#SGE 390 Millionen Umsatz – und trotzdem kein Geld für Kalimuendo?
Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Eintracht Frankfurt erzielt seit Jahren Rekordeinnahmen, verkauft Spieler für enorme Summen und weist auch im laufenden Transfersommer ein deutliches Transferplus aus. Trotzdem sind rund 30 Millionen Euro für Arnaud Kalimuendo offenbar nicht ohne Weiteres darstellbar.
Der Grund ist einfacher, als es die riesigen Ablösesummen vermuten lassen: Umsatz ist nicht gleich Gewinn – und Transfererlös ist nicht gleich frei verfügbares Transferbudget.
Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte Eintracht Frankfurt 389,1 Millionen Euro Erlöse. Gleichzeitig lagen die Gesamtaufwendungen bei 397,5 Millionen Euro. Unter dem Strich stand deshalb ein Verlust von 8,3 Millionen Euro.
Besonders stark gestiegen sind die Personalkosten. Sie erhöhten sich von 119,6 Millionen Euro 2022/23 auf 177,3 Millionen Euro 2024/25 – ein Plus von fast 58 Millionen Euro beziehungsweise rund 48 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. Hinzu kamen zuletzt rund 46 Millionen Euro Abschreibungen, größtenteils als Folge der Investitionen in den Spielerkader.
*@timmey82 hatte dazu einen wichtigen Hinweis, zwecks Differenzierung: Ein wesentlicher Teil der Steigerung entfiel auf vertragliche Erfolgsprämien für das Europa-League-Viertelfinale und vor allem die Champions-League-Qualifikation.
Finanzvorstand Julien Zamberk hat selbst erläutert, dass Frankfurt große Teile seiner Transfererlöse in den vergangenen Jahren wieder in den Kader investiert hat. Dadurch steigen jedoch automatisch Abschreibungen und Personalkosten. Diese höheren laufenden Kosten müssen anschließend wiederum durch neue Einnahmen – insbesondere weitere Transfererlöse – refinanziert werden.
Die berühmten Millionenverkäufe landen außerdem nicht eins zu eins auf einem frei verfügbaren Transferkonto. Von Ablösen können unter anderem Beteiligungen anderer Vereine, Beraterkosten und Restbuchwerte abgehen. Zudem werden große Transfers häufig in Raten über mehrere Jahre bezahlt.
Ein nomineller 50-Millionen-Verkauf bedeutet deshalb weder automatisch 50 Millionen Euro Gewinn noch 50 Millionen Euro sofort verfügbare Liquidität.
Gleichzeitig verlangt der Aufsichtsrat nach aktuellen hr-Informationen neben einem sportlich konkurrenzfähigen Kader auch einen erheblichen Transferüberschuss. Markus Krösche kann die Einnahmen eines Transfersommers deshalb nicht einfach vollständig wieder ausgeben.
Das gilt umso mehr, weil das Frankfurter Wachstumsmodell inzwischen stark auf Transfer- und UEFA-Erlösen basiert. Eintracht bezeichnet diese beiden Bereiche selbst als wesentlichen Bestandteil des Geschäftsmodells.
Zwar plant die Eintracht nach Aussagen ihres Finanzvorstands konservativ und kalkuliert ihr Grundbudget zunächst ohne Einnahmen aus einem internationalen Wettbewerb. Trotzdem fehlt 2026/27 erstmals seit sechs Jahren der zusätzliche finanzielle Schub aus Champions League, Europa League oder Conference League.
Auch die Bilanz zeigt, weshalb Umsatz und finanzielle Bewegungsfreiheit nicht dasselbe sind. Das Eigenkapital stieg zuletzt auf rund 69 Millionen Euro – allerdings wesentlich aufgrund einer Kapitalerhöhung von 25,7 Millionen Euro. Gleichzeitig lagen die Finanzschulden bei 71,8 Millionen Euro. Die Kapitalerhöhung soll nach Angaben der Eintracht ausdrücklich vor allem der Liquiditätsvorsorge und größeren Flexibilität bei strategischen Entscheidungen dienen.
Eintracht Frankfurt ist deshalb keineswegs „pleite“ oder wirtschaftlich handlungsunfähig. Im Gegenteil: Der Klub ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen. Dieses Wachstum hat aber gleichzeitig einen wesentlich teureren Kader und einen deutlich höheren laufenden Kostenapparat hervorgebracht.
Damit erklärt sich auch die aktuelle Haltung bei Arnaud Kalimuendo.
Nottingham Forest bevorzugt offenbar einen festen Verkauf für bis zu rund 30 Millionen Euro. Frankfurt möchte dagegen eine erneute Leihe mit Kaufoption oder eine finanziell besser planbare Kaufpflicht.
Unterm Strich hat Eintracht Frankfurt also nicht grundsätzlich zu wenig Geld für Kalimuendo. Der Klub kann einen nominellen Transferüberschuss aber nicht einfach wie Bargeld ausgeben. Frühere Kaderinvestitionen haben die laufenden Kosten deutlich erhöht, neue Transfererlöse werden zur Refinanzierung dieses Wachstums benötigt und gleichzeitig verlangt der Aufsichtsrat weiterhin einen erheblichen Überschuss.
Deshalb sind weitere 30 Millionen Euro für einen einzelnen Spieler heute eine wesentlich größere Entscheidung, als die spektakulären Verkaufssummen der vergangenen Jahre vermuten lassen.
Ein zusätzlicher großer Verkauf kann diesen Spielraum allerdings erheblich verändern. Genau deshalb ist der sich am Deadline Day abzeichnende Abgang von Hugo Larsson für rund 25 Millionen Euro auch für die Stürmersuche so wichtig: Nach aktuellen Medienberichten benötigt Frankfurt zusätzliche Einnahmen, um auf dieser Position noch einmal nachlegen zu können.
@AdlerNews@Eintracht Would be a real shame if Ben Farhat ends up at Freiburg now. Apparently the Atubolu deal has something to do with it.
With all the departures, the squad would definitely be looking a bit thin in a few areas. Could be a tough season 😮💨
#SGE Kalimuendo: Der hr/Hessenschau hat um 11:13 Uhr einen neuen Ticker-Eintrag veröffentlicht und bezieht sich dabei auf Kalimuendo, er sei „wieder ein heißes Thema“ und Eintracht wolle versuchen, ihn „auf den letzten Drücker noch auszuleihen“. FREEEEE KALLI♥️