@elfriede_s57223 Und genau dann kann sich der Prozess selbst verstärken. Wenn die Jungen ihre Ausbildung und Karriere zunehmend anderswo suchen, verliert man eben nicht nur Bevölkerung, sondern gerade diejenigen, die künftig Wachstum und Innovation tragen sollen.
Was nützt Wachstum, wenn am Ende die Menschen fehlen?
Drei baltische Länder, drei erstaunlich unterschiedliche Entwicklungen.
Seit Ende 2019 ist Lettlands reale Wirtschaftsleistung um rund 8,5 % gewachsen und damit stärker als im Euroraum. Litauen kommt sogar auf gut 16 %, während Estland kaum 3 % erreicht.
Auf den ersten Blick sieht Lettland damit gar nicht schlecht aus. Aber genau hier wird es interessant: Während die Wirtschaft aufholt, schrumpft die Bevölkerung. Bis 2070 könnte das Land rund ein Drittel seiner Einwohner verlieren.
Und dann bekommt Wachstum plötzlich eine andere Bedeutung. Denn mit weniger Menschen fehlen irgendwann nicht nur Arbeitskräfte. Es fehlen auch Konsumenten, Steuerzahler und letztlich Kapital für die nächste Generation von Investitionen. Gleichzeitig wächst der Druck auf das Rentensystem.
Das ist übrigens längst keine rein lettische Frage. Viele europäische Länder bewegen sich, wenn auch in unterschiedlichem Tempo, in dieselbe Richtung.
Was meinen Sie: Kann eine Volkswirtschaft auf Dauer wirklich wohlhabender werden, wenn ihre Bevölkerung gleichzeitig immer kleiner wird?
@ThomasH83938414 Dann müsste man wohl auch unseren Blick auf Wachstum neu justieren. Wenn KI und Robotik immer mehr Wertschöpfung übernehmen, verliert die reine Bevölkerungszahl an Bedeutung. Produktivität und Kapital werden dafür umso wichtiger.
@Michael42579814 Ja, gerade KI und Robotik könnten diese Rechnung ziemlich verändern. Dann ist vielleicht gar nicht entscheidend, wie viele Arbeitskräfte fehlen, sondern ob Europa produktiv genug wird, um mit weniger Menschen trotzdem mehr Wohlstand zu schaffen.
@HeUeberschaer Irgendwann fragt man sich halt ganz automatisch: Warum soll ich dauerhaft auf so viel verzichten, wenn ich anderswo bessere Möglichkeiten habe? Familie und Freunde sind ein starkes Argument fürs Bleiben, aber auf Dauer reicht das eben nicht immer.
Diese Grafik muss man eigentlich zweimal ansehen. Deutschland steht tatsächlich ganz am Ende.
Seit Ende 2019 ist die deutsche Wirtschaft real praktisch nicht gewachsen. Während selbst innerhalb Europas viele Länder deutlich zugelegt haben, sind wir heute ungefähr wieder dort, wo wir vor der Pandemie waren.
Da wundert es mich ehrlich gesagt auch nicht mehr, dass ich immer häufiger von Menschen höre, die Deutschland verlassen oder zumindest darüber nachdenken. Kapital und Fachkräfte sind schließlich nicht verpflichtet zu bleiben. Wenn anderswo bessere Bedingungen, mehr Dynamik und größere Chancen warten, werden sie irgendwann dorthin gehen.
Und genau da wird es für Deutschland unangenehm: Fehlendes Wachstum ist das eine. Wenn aber gleichzeitig Investitionen, Unternehmen und qualifizierte Menschen anfangen, sich anderswo eine Zukunft zu suchen, wird daraus ein viel größeres Problem.
Was meinen Sie: Was müsste Deutschland ändern, damit Kapital und Talente wieder lieber hierbleiben, statt sich anderswo umzusehen?
Nein, im Gegenteil. Nur heißt Diversifikation für mich nicht, möglichst viele verschiedene Anlagen zu besitzen. Gerade im aktuellen Markt halte ich eine Mischung aus soliden Large Caps und ausgewählten Small- und Mid-Caps für sinnvoll – entscheidend ist am Ende, wohin das Kapital tatsächlich fließt.
Früher galt Diversifikation als eine der wichtigsten Regeln beim Investieren. Im Moment scheint sie für viele Anleger plötzlich kaum noch eine Rolle zu spielen.
Seit dem Frühjahr fließen Milliarden fast ausschließlich in Technologie-ETFs. Andere Sektoren geraten zunehmend ins Abseits, einige verzeichnen sogar deutliche Abflüsse.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Stärke der Technologiebranche als die Konzentration des Kapitals. Wenn immer mehr Anleger dieselbe Richtung wählen, verändert sich nicht nur die Renditeerwartung, sondern auch das Risiko des gesamten Marktes.
Mich würde interessieren: Ist das aus Ihrer Sicht der Beginn einer neuen Marktstruktur – oder genau die Phase, in der Vorsicht langsam wichtiger wird als Euphorie?
@britsalz Wobei ich mich da gar nicht zu früh auf „konservativ“ festlegen würde. Entscheidend ist doch, wohin das Kapital tatsächlich wandert. Wenn sich die Ströme drehen, sollte man das ernst nehmen – an der Börse läuft das Geld den Schlagzeilen oft voraus.
@TanveerAmin4009 Schreiben Sie mir einfach kurz per Direktnachricht. Ich erkläre Ihnen dann erst einmal, worüber wir uns austauschen. Wenn Sie merken, dass die Themen zu Ihren Interessen passen, schicke ich Ihnen gern die Einladung.
@HofiHood Mal sehen. Gerade bei SpaceX zeigt sich wieder, wie stark Erwartungen den Markt kurzfristig bewegen können. Ob sie langfristig gerechtfertigt sind, wird sich mit der Zeit zeigen.
SPCX legt heute zeitweise um mehr als 12 % zu und notiert wieder bei rund 129 US-Dollar. Solche Bewegungen ziehen an der Börse natürlich sofort Aufmerksamkeit auf sich.
Mich interessiert allerdings weniger der Kurssprung selbst als die Frage, warum Kapital innerhalb so kurzer Zeit wieder in genau diesen Wert zurückfließt.
An der Börse wird selten die Gegenwart gehandelt. Meist geht es um Erwartungen. Genau deshalb beginnen die interessantesten Bewegungen oft lange bevor sie sich in den Unternehmenszahlen widerspiegeln.
Mich würde deshalb interessieren: Spiegelt dieser Kursanstieg für Sie eine realistische Zukunftserwartung wider – oder läuft der Markt den Fundamentaldaten einmal mehr voraus?
@EberleinJorg Das ist wahrscheinlich einer der schwierigsten Punkte überhaupt. Die Märkte verändern sich ständig – und wer nur an den Erfolgen der Vergangenheit festhält, wird früher oder später Probleme bekommen.
Mich fasziniert immer wieder, wie stark unsere ersten Erfahrungen an den Finanzmärkten unser späteres Denken prägen.
Wer in den 1970er-Jahren geboren wurde, erlebte in jungen Jahren einen Aktienmarkt, der sich über viele Jahre hinweg vervielfachte. Wer zwanzig Jahre früher geboren wurde, machte dagegen häufig ganz andere Erfahrungen.
Vielleicht erklärt genau das, warum Menschen über Aktien oft so unterschiedlich denken. Die einen sehen vor allem Chancen, die anderen erinnern sich zuerst an Krisen und Verluste.
Ich glaube deshalb, dass unsere Überzeugungen an den Finanzmärkten oft weniger aus objektiven Daten entstehen als aus den Erfahrungen, die wir selbst gemacht haben.
Über solche Zusammenhänge denke ich immer wieder nach. Oft hilft es, auch andere Blickwinkel kennenzulernen – denn gerade an der Börse sind es nicht nur Zahlen, sondern auch Erfahrungen, die unsere Entscheidungen prägen.
@RalfOtto08 Durchaus möglich. Gerade wenn sich viele Marktteilnehmer auf dieselbe Richtung festlegen, reicht oft schon eine kleine Überraschung – und plötzlich müssen viele ihre Positionen wieder drehen.
@HofiHood Durchaus. Die Positionsgröße kann man steuern – entscheidend bleibt am Ende aber, ob die Erwartungen auch irgendwann durch reale Erträge bestätigt werden.
Wenn heute über Künstliche Intelligenz gesprochen wird, richtet sich der Blick fast automatisch auf die Aktienkurse. Mich beschäftigt inzwischen allerdings etwas ganz anderes.
Allein Amazon, Alphabet und Meta dürften 2026 Unternehmensanleihen im Volumen von rund 170 Milliarden US-Dollar begeben. Für die großen Hyperscaler insgesamt wird inzwischen ein Emissionsvolumen von rund 285 Milliarden US-Dollar erwartet.
Für mich zeigt das vor allem eines: KI wird längst nicht mehr nur über den Aktienmarkt finanziert. Die Erwartungen der Investoren reichen inzwischen tief in den Anleihemarkt hinein.
Solange das Vertrauen hoch bleibt, fällt das kaum auf. Spannend wird es erst dann, wenn sich die Erwartungen einmal verändern. Dann stellt sich nicht nur die Frage nach einzelnen Aktien, sondern nach der Stabilität des gesamten Kapitalmarktes.
Genau über solche Zusammenhänge sprechen wir immer wieder. Oft entstehen die interessantesten Gedanken nicht aus einer Schlagzeile, sondern aus dem Blick auf das, was sich im Hintergrund verändert.
@britsalz Genau das macht die Entwicklung ja so problematisch. Wenn das Elternhaus immer stärker über die Bildungschancen entscheidet, geht Europa langfristig viel Potenzial verloren – und das merkt man irgendwann auch bei Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Über den Fachkräftemangel wird in Europa fast täglich gesprochen. Für mich beginnt die eigentliche Herausforderung allerdings schon viel früher.
Wenn fast jeder dritte Jugendliche die Mindeststandards beim Lesen nicht erreicht, geht es längst nicht mehr nur um Bildung. Es geht um Produktivität, Innovationskraft und letztlich um die Wettbewerbsfähigkeit Europas.
Kapital lässt sich beschaffen. Technologie kann man entwickeln. Was deutlich mehr Zeit braucht, ist eine Generation gut auszubilden und ihr das nötige Rüstzeug für die Zukunft mitzugeben.
Vielleicht diskutieren wir deshalb zu oft über die Folgen und zu selten über die Ursachen.
Über genau solche langfristigen Entwicklungen tauschen wir uns übrigens regelmäßig in unserem kleinen Gesprächskreis aus. Gerade unterschiedliche Erfahrungen helfen oft, solche Zahlen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.
Mich würde interessieren: Wo sollte Europa heute zuerst investieren – in neue Förderprogramme oder in die Bildung der nächsten Generation?
@LotterHans Das dürfte tatsächlich einer der entscheidenden Punkte sein. Kapital bleibt selten dort, wo es entsteht, sondern wandert dorthin, wo die besseren Perspektiven gesehen werden. Im Moment spricht vieles dafür, dass das eher die USA als Europa sind.
Europa wird immer älter. Mich beschäftigt allerdings eine ganz andere Frage: Was passiert mit einer Volkswirtschaft, wenn ein immer größerer Teil ihres Kapitals nicht mehr in die Zukunft, sondern in die Folgen der Vergangenheit fließt?
Immer mehr europäische Länder gehören inzwischen zu den ältesten Gesellschaften der Welt. Damit verschieben sich zwangsläufig auch die Prioritäten. Ein wachsender Teil der finanziellen Mittel fließt in Renten, Gesundheit und Pflege.
Das ist zunächst einmal eine ganz normale Entwicklung. Gleichzeitig stellt sich aber eine andere Frage: Wie viel Kapital bleibt künftig noch für Innovationen, neue Unternehmen und produktive Investitionen übrig?
Vielleicht liegt genau darin eine der größten Herausforderungen Europas. Nicht die Alterung selbst, sondern die Art und Weise, wie sie die Kapitalströme und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit verändert.
Vielleicht sprechen wir deshalb viel zu oft über den nächsten Börsenrekord – und viel zu selten darüber, wo Europas Kapital in zehn oder zwanzig Jahren überhaupt noch investiert wird.
Über solche langfristigen Entwicklungen entstehen immer wieder spannende Diskussionen. Gerade unterschiedliche Blickwinkel helfen oft dabei, wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen.
@HofiHood Absolut, wobei genau dieser zweite Punkt oft unterschätzt wird. Optimismus ist wichtig, aber ohne konsequentes Risikomanagement bringt er auf Dauer wenig. Deshalb sage ich auch in meinem persönlichen Gesprächskreis immer wieder: Risiko kommt zuerst, Rendite danach.
@PhraAthit Durchaus möglich. Solange genügend Liquidität vorhanden ist, geraten viele Risiken leicht in den Hintergrund. Wirklich interessant wird es meist erst dann, wenn sich die Finanzierungsbedingungen verändern und der Markt plötzlich wieder genauer hinschaut.