Ein Linienbus hält, der Fahrer betet, die Fahrgäste warten. Millionen Muslime beten, ohne dass es jemand merkt: zu Hause, in der Pause, in der Moschee – und das ist selbstverständlich zu akzeptieren. Hier aber geht es um einen Anspruch: die eigene Religiosität über die Verantwortung für andere zu stellen, über die Pflichten des Arbeitsplatzes. Genau hier muss eine liberale Gesellschaft klar sein. Doch die Verunsicherung ist so groß, dass viele keine Worte und keine Argumente mehr finden, um selbst die klarsten Regeln zu kommunizieren. Das passiert, wenn man Vielfalt und Toleranz ausschließlich als Zelebrieren von Unterschieden versteht – und dabei vergisst: Regeln, die für alle gelten, sind das Fundament jeder multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft.