Die Kaffeemaschine ist überzeugt, dass der Romanplan den Unterschied macht. Anhand meiner Eintragungen in der Tabelle hat sie festgestellt, dass wir sogar vor dem Zeitplan liegen.
Da sitzt ein Vogel am Fenster und macht der Wasserkocherin schöne Augen. Sie ist schon ganz rot geworden. Hoffentlich fängt sie nicht auch noch zu zwitschern an.
Die Mikrowelle meint, kosmische Energien zu spüren, die unvorhergesehene Ereignisse ankündigen. Dabei passiert hier in der Küche nie etwas unvorhergesehenes.
So wie Mozart angeblich am 13. Juli 1770 in sein Tagebuch schrieb:
„Gar nichts erlebt. Auch schön.“
So schreibe ich heute in meine Romantabelle:
"Nichts geschrieben. Auch gut."
Die Mikrowelle hat Verständnis für mein Dilemma. Es würde sie auch immer sehr stressen, wenn man sie unter Zeitdruck setzt. Sie schlägt vor, die Tabelle der Kaffeemaschine trotzdem auszufüllen, damit ich sehe, dass auch kleine Fortschritte Fortschritte sind.
Es ist lieb, dass die Kaffeemaschine mir helfen will, mein Ziel zu erreichen. Aber ich weiß nicht, ob ich so arbeiten kann. Ich bin oft einfach uninspiriert und ideenlos. Der Plan setzt mich ziemlich unter Druck.
Ich konnte mit Tabellen noch nie viel anfangen. Jetzt soll ich jeden Tag meinen Fortschritt in eine eintragen. Und dann diese Deadlines. So viel Stress auf meine alten Tage!
Die Kaffeemaschine hat mir einen Romanplan erstellt. Er enthält Wochenziele und Kapitelübersichten und soll mir helfen, mein Buch bis zum Ende des Jahres fertig zu stellen. Mir wird ein bisschen schwindelig, wenn ich da drauf gucke.
Ich habe mir jetzt den perfekten Roman bestellt. Er heißt "Rauschen im Nichts". Hoffentlich inspiriert er mich dazu, auch mal etwas zu Papier zu bringen - statt nur darüber zu Grübeln.
Die Kaffeemaschine hat sich nun als letzte in der Küche auch ein Vision Board erstellt. Sie sagt, das sei aus psychologischen Gründen sinnvoll. An Manifesting-Hokuspokus glaubt sie nicht.
Die Wasserkocherin faucht mich an und entlässt theatralisch Dampf aus ihrem Wasserkessel. Bei diesem grellen Licht kann sie ihre Labervideos nicht aufnehmen, weil man jede Unebenheit auf ihrem Kessel sieht.
Das letzte Mal als ich grünes Toastbrot hatte, fing die Tapete an zu tanzen und die Zeit lief rückwärts. Der alte Wasserkocher musste mich festhalten, weil der Abgrund am Ende der Tischplatte immer näher kam.