Die stillschweigende Duldung, die dem (geliebten!) Lebenspartner außerhäusige Liebschaften gewährt, ist verdeckte Ohnmacht, die, mit dem Wort Toleranz geschmückt, aus Schmerz eine Tugend macht.
Manfred Poisel
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Die Grausamkeiten, die ihr der Staat in Kürze antun würde, konnte Susanne Krüger, als sie glücklich 1953 und 1954 hinter dieser Ladentheke in West-Berlin steht, noch nicht erahnen.
Weder die Kunden des kleinen Radiogeschäfts Paszotta in Charlottenburg damals, noch die Leser von heute kennen ihre Geschichte:
Frau Krüger war erst am 5. September 1953 - wie Millionen andere - aus der DDR geflohen. Nichts Besonderes. Die Mauer steht noch nicht und das Verlassen der kommunistischen Diktatur, die sich selbst "Demokratische Republik" nannte, ist einfach.
Was Susanne Krüger von den Millionen anderen Flüchtlingen jedoch unterscheidet, ist, dass sie selbst bis vor kurzem für den SED-Parteigeheimdienst, die Stasi, gearbeitet hatte. Verräter sind schlimmer als Feinde - und so plant die „kommode Diktatur“ (wie Nobelpreisträger und SPD-Wahlkämpfer Günter Grass sie einst nannte) schreckliche Rache.
Das IM-Ehepaar Bräuer alias „Hugo“ und „Marianne“, reist zu ihrer Beobachtung nach West-Berlin und erkundet den Weg zwischen Susanne Krügers Arbeitsplatz und ihrer Wohnung.
Von ihrem Ehemann, der ebenfalls nach West-Berlin geflohen war, lebt sie getrennt, sie kümmern sich abwechselnd um den gemeinsamen Sohn Wolfgang.
Die Stasi schickt außerdem die Mutter von Anneliese Schultz (einer Freundin von Susanne Krüger, die ebenfalls in den Westen geflohen war) nach West-Berlin, um ihre Tochter zu überreden, sich an der geplanten Entführung ihrer Freundin Susanne zu beteiligen.
Anneliese Schultze lässt sich tatsächlich dazu überreden und holt (wie schon öfter) am 8. Oktober 1954 den Sohn Wolfgang aus der Wohnung des Vaters ab, angeblich um ihn wie üblich zur Mutter zu bringen. Tatsächlich aber entführt sie ihn diesmal in die DDR.
Susanne Krüger erstattet Anzeige wegen Kindesentführung gegen ihre ehemalige Freundin Anneliese Schultze bei der West-Berliner Polizei, am 15. Oktober 1954 wird sie mit Nervenzusammenbruch ins Krankenhaus eingeliefert.
Nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus zu Jahresbeginn 1955 versucht sie verzweifelt, etwas über den Verbleib ihres Kindes herauszufinden.
Susannes frühere Freundin Agnes aus Schwerin reist ebenfalls im Stasi-Auftrag nach West-Berlin und erstattet einen ausführlichen Bericht über deren persönliche und gesundheitliche Probleme.
Als nächsten Schritt inszeniert die Stasi die „Flucht“ eines weiteren Mitarbeiters nach West-Berlin: Otto Buchta wird 1955 losgeschickt, landet im Flüchtlingslager Marienfelde (im Süden West-Berlins) und nimmt bald Kontakt zu seiner Zielperson Susanne Krüger auf. Voller Freude ist die verzweifelte Mutter über den vermeintlichen Überläufer, der vielleicht Neuigkeiten von ihrem entführten Sohn aus der DDR mitbringen kann.
Am 16. März 1955 schnappt die Falle schließlich zu:
Susanne Krüger verabredet sich mit Otto Buchta in einem Lokal in der feinen Fasanenstraße mitten im Zentrum von West-Berlin und trinkt dort auch Wein. Nach dem Lokalbesuch steigt Susanne Krüger in vermutlich alkoholisiertem Zustand mit Buchta in ein Taxi. Er dirigiert den Fahrer auf Ost-Berliner Gebiet, am Potsdamer Platz wird Susanne Krüger von der Stasi in Empfang genommen.
Susanne Krügers Arbeitgeber Franz Paszotta meldet seine Angestellte bei der Polizei als vermisst. Die West-Berliner Kriminalpolizei ärgert sich über den Leichtsinn, dass Susanne Krüger ihr nichts vorab von dem Treffen am 16. März erzählt hatte.
Am 4. August 1955 verurteilt das Oberste Gericht der DDR Susanne Krüger nach nur eintägiger Verhandlung zum Tode durchs Fallbeil.
Am 13. September 1955, in der Nacht vor ihrer Hinrichtung in Dresden, schreibt Susanne Krüger an ihre Familie einen letzten „Gruß an alle meinen Lieben“. Sie bittet ihren Onkel und dessen Frau, sie mögen sich ihres Kindes annehmen. Einen zweiten Brief richtet sie an ihren Sohn:
„Mein liebes Kind, noch bist Du klein. Wenn Du etwas größer bist, wird Dir Dein Onkel diesen Brief aushändigen, dann ist Deine Mutti aber nicht mehr unter den Lebenden. Mein Kind, im Jahr 1953 flüchtete Dein Vater nach Westberlin und ich folgte ihm zusammen mit Dir am 5.9.53, da ich Dir Deinen Vater erhalten wollte. Dein Vater sowie auch ich waren Angestellte der Staatssicherheit in der Deutschen Demokratischen Republik. In Westberlin haben wir bei den dortigen Geheimdiensten einen Verrat begangen und wurden aus diesem Grund am 4. August 1955 zum Tode verurteilt. Das Urteil wird nun morgen vollstreckt. Mein liebes Kind, werde Du deshalb kein Feind der Arbeiterklasse, sondern werde Du ein Kämpfer für die fortschrittliche Menschheit, denn Du bist ein Arbeiterkind. In Gedanken bin ich bis zur letzten Stunde bei Dir.“
Am 14. September 1955 um 1.45 Uhr nachts werden Susanne Krüger, wie es im Vollstreckungsprotokoll heißt, „in Vorbereitung der Vollstreckung die Nackenhaare geschnitten. Irgendwelchen Widerstand hat sie nicht gezeigt bzw. geleistet. Um 2.00 Uhr wurde sie gefesselt und in den Richtraum gebracht. Dort selbst wurde ihr im Beisein von 4 Genossen sowie des Hauptarztes Dr. Skrobeck vom Anstaltsleiter nochmals kurz die Urteilsformel verkündet und sie anschließend dem Scharfrichter übergeben. Irgendwelche Schwierigkeiten hat sie auch da nicht bereitet. Die Vollstreckung selbst nahm ca. 3 sec. in Anspruch.“
Ihr Leichnam wird sofort verbrannt und anonym bestattet. Als Todesursache wird auf dem Bestattungsschein akutes Herz- und Kreislaufversagen angegeben. Sohn Wolfgang Krüger kommt zunächst in ein Kinderheim, bis sich geeignete Pflegeeltern für ihn finden. Sein neuer Vater ist Mitarbeiter der DDR-Generalstaatsanwaltschaft, seine neue Mutter eine Vertrauensperson des Staatssicherheitsdienstes. Krüger wird später Hochleistungssportler. Unter dem neuen Namen, den ihm seine Adoptiveltern gegeben haben, gewinnt er mehrere DDR-Meisterschaftswettbewerbe und erringt große internationale Erfolge für seinen Staat: Jürgen Ciezki. Wiederholt belegt er bei Welt- und Europameisterschaften zweite und dritte Plätze.
Vom Schicksal seiner leiblichen Mutter erfährt er erst 2011, 56 Jahre nach deren Tod liest er den Abschiedsbrief seiner Mutter in den Akten der Stasiunterlagenbehörde.
"Ein Alltag ohne soziale Demütigung – das ist das Grundrecht aller, ausnahmslos."
Heute würde Regine Hildebrandt 85 Jahre alt werden. Sie starb 2001 viel zu früh.
Eine wie sie fehlt schmerzhaft, der SPD und dem Land ❤️
#DieErstenihrerArt
Der Bericht des Außendienst vom Jobcenter liest sich wie ein Stasi-Bericht. Auf 4 Seiten wird dort ein nicht angemeldeter Hausbesuch dokumentiert. A. ist privatinsolvent und bezieht #Bürgergeld, er ist wegen schweren Depressionen in Behandlung und wird vom Jobcenter akribisch
On this day, 81 years ago, the Nazis murdered German anti-fascist and communist Georg Elser, most known for his heroic attempt on the life of Adolf Hitler. Hitler only narrowly escaped Elser’s precise and detailed assassination plan by chance. 🧵