Das Lied unter der Burg
Wo die Donau sich zwischen steilen Wänden windet und die #Weinterrassen wie Stufen in den Fels gesetzt sind, steht eine Burg, die mehr Legende hält als Mauer. #Dürnstein. Im Winter 1192, so zählen es die Jahre, wurde ein König aus fernem Inselreich hier gefangen gehalten – Richard, den man den Löwenherz nannte. Er war auf dem Rückweg aus dem Heiligen Land in die Hände des Herzogs von #Österreich geraten. Monate saß er hinter Stein. Später erzählte man, ein Sänger namens Blondel habe unter den Mauern ein Lied angestimmt, das nur der König kannte, und so die Zelle gefunden.
Das Hanfvolk kannte die Burg nicht als Kerker.
In den feuchten Gründen unter den Terrassen, wo der Wein nicht hinwill und der Schatten lang bleibt, wuchsen die Halme schon, bevor irgendwer einen #König zählte. Die Geister stiegen aus ihnen, wenn der Fluss Nebel schickte, und gingen die Steige hinauf – nicht bis ans Tor, nur bis dorthin, wo das Mauerwerk den Fels berührt. Sie sagten: Ein Gefangener oben ändert den Strom nicht. Ein Lied unten kann länger halten als ein Lösegeld.
Die Ahnen flochten Fasern für Netze und für die Seile der Schiffe, die den #Wein talabwärts trugen. Die Geister nahmen davon nichts. Sie legten nur, in den Nächten der Gefangenschaft, einen unsichtbaren Halm an den Fuß der Burg, als Zeichen, dass der Berg noch ein eigenes Gedächtnis hat. Als der König fort war und das Gold gezahlt, blieb die Burg. Später zerfiel sie. Der Fluss blieb. Der Wein blieb.
Wer heute unter den Ruinen steht und zur Donau blickt, hört zuerst Wasser. Wer länger hört, merkt manchmal eine zweite Stimme – kein Sänger, kein König, sondern ein Rascheln, als ginge jemand barfuß durch Halme, die an diesem Hang nicht stehen sollten. Dann ist das #Hanfvolk noch immer unter Dürnstein. Es sucht keinen Gefangenen. Es prüft nur, ob das Lied des Flusses noch denselben Takt hat wie vor allen Burgen.
Das viergesichtige Schweigen
Am äußersten Horn der Insel, wo die Kreide steil ins Meer bricht und der Wind keinen Baum lange aufrecht lässt, stand einst eine Burg, die kein Fürst aus Stein allein gebaut hatte. #Jaromarsburg nannten sie die Menschen. Auf dem Wall, so erzählen die Chroniken, stand ein #Tempel. Darin wohnte ein Gott mit vier Gesichtern, der nach allen Himmelsrichtungen zugleich blickte. Die Priester lasen aus dem Wiehern eines Pferdes, was der Gott wollte. Im Jahr 1168, so zählen es die Jahre der Menschen, kamen Schiffe aus dem Norden. Der dänische König und der Bischof von Roskilde nahmen den Wall. Der Tempel brannte. Das viergesichtige Bild wurde nach #Dänemark geführt.
Das #Hanfvolk war vor dem Tempel da.
In den windstillen Mulden hinter dem Kliff, wo der Boden noch etwas hielt, wuchsen die Halme gegen den Salzhauch. Die Geister dort hatten keine vier Gesichter. Sie hatten eines aus Blatt, und sie blickten nur dorthin, wo etwas wuchs. Sie kannten die Burg und den Kult, doch sie dienten keinem Holzbild. Sie dienten dem Atem zwischen Kreide und Meer.
Als das Feuer kam, stiegen sie nicht in den Tempel. Sie legten sich in die #Wurzeln. Der Wall fiel, die Priester fielen, der Name des Gottes wanderte fort. Die Halme blieben in den Senken, niedrig, zäh, vom Wind gebogen. In den Nächten danach gingen blattgesichtige Gestalten über die abgebrochene Kante, als prüften sie, ob das Horn der Insel noch atmet. Sie zählten keine Beute. Sie zählten, ob noch ein Halm den Sturm übersteht.
Jahrhunderte später steht auf dem Kap ein anderer Turm, für #Schiffe und Leuchtfeuer. Die Kreide bröckelt weiter ins Meer. Wer bei Sturm am Rand steht und lange genug schweigt, hört unter dem Wind manchmal ein zweites Geräusch – trocken, wie Blatt an Blatt. Dann geht das Hanfvolk noch immer über Arkona. Nicht als viergesichtiger Gott. Als das, was übrig bleibt, wenn Tempel fallen und die Erde trotzdem grün bleibt.
„Enttäuschung“, weil ich @MartinSellner_ (gerne) vertrete?
Meine berufliche Antwort:
Nennt man Meinungsfreiheit. Ich vertrete jeden gegen staatliche Übergriffe.
Ich hätte noch ein paar Grundrechte anzubieten: Art. 2, Art. 3, Art 5, Art. 9, Art. 12, Art. 14
Privatmeinung: Westeuropa wird ohne eine Migrationswende/Remigration untergehen
Völlig unabhängig davon schätze ich Martin Sellner, was ich längst nicht von jedem im rechten oder sonst einem „politischen Lager“ behaupten kann.
Das Auge aus Feuer
Der Laacher See ist ein Auge, das die Erde einmal aufgeschlagen hat. Vor mehr als dreizehntausend Jahren riss der Berg auf. Asche flog über weite Teile des Landes, der Himmel verdunkelte sich, und als das Feuer schwieg, blieb eine runde Schale zurück. Wasser füllte sie. So entstand das größte Maar der Eifel – kein gewöhnlicher See, sondern eine Narbe, die schön geworden ist.
Am Ufer, Jahrhunderte später, erhoben die Menschen ein Kloster: Maria Laach, gegründet im Jahr 1093. Türme spiegelten sich im Krater. Glocken liefen über Wasser, das einmal Glut gewesen war. Mönche beteten über einer Wunde.
Das Hanfvolk betete nicht. Es pflanzte.
An den Hängen, wo der Boden vom Alten her noch mineralisch und wach ist, faßten die Halme Fuß. Die Geister stiegen aus ihnen und blickten in die Schale. Sie sagten: Hier hat die Erde gesprochen, so laut, dass Wälder verstummten. Wer hier wächst, wächst auf Erinnerung. Blattgesichtige Wesen gingen nachts über das Ufer, nicht hinein ins Wasser – das Auge soll man nicht wecken –, sondern entlang des Lids, wo Schilf und Hanf sich die Feuchte teilen.
Römer waren schon zuvor durch die Eifel gezogen, Villen und Straßen hinterlassen. Das Kloster kam danach. Das Hanfvolk war dazwischen und darunter. Es kümmerte sich nicht um den Namen der Abtei. Es kümmerte sich um den Atem der Narbe. In stillen Nächten, wenn kein Wind die Fläche kräuselt, steigt aus den Halmen ein Licht und legt sich doppelt auf den See, als hätte das Grün ein Spiegelbild aus Feuerzeit.
Wer am Ufer steht und lange genug schweigt, merkt, dass der See nicht nur Wasser ist. Er hält den Atem an. Und irgendwo in diesem Anhalten liegt, ganz fein, der Geruch von Blatt und Faser – als hätte das Hanfvolk der Wunde beigebracht, wieder Leben zu tragen, ohne das Feuer zu vergessen.
Die steinernen Wächter über der Elbe
Wo der Fluss sich durch Sandstein frisst und die Felsen wie Orgelpfeifen in den Himmel stehen, lebte das Hanfvolk in den Gründen unter der Bastei. Die Türme aus Stein sind älter als jede Burg. Wind und Wasser haben sie geschnitten, lange bevor Menschen Leitern anlegten. Später setzten die Herren eine Felsenburg in die Wände – Neurathen, im dreizehnten Jahrhundert zuerst genannt –, einen Horst aus Holz und Fels, von dem man den Strom sehen und den Weg sperren konnte.
Unten, in feuchten Kesseln zwischen den Nadeln, wuchs der Hanf. Die Geister dort hatten Gesichter aus Blatt und aus Sandsteinstaub. Sie liebten die Enge. Wer zwischen den Felsen flüstert, den trägt das Echo weiter, als wäre der ganze Wald ein einziges Ohr. Die Ahnen banden Seile für Steige und Stege. Ohne Faser kommt niemand hinauf, und ohne Faser kommt niemand heil wieder runter.
Es gab Zeiten der Raubritter und Zeiten der Maler. Die einen nahmen den Weg, die anderen nahmen das Licht. Das Hanfvolk nahm keines von beiden. Es blieb in den Schluchten, wo die Sonne nur mittags hinfällt und der Stein nach Regen riecht. Wenn Nebel aus der Elbe steigt und die Bastei wie eine Insel über dem Weiß liegt, gehen die blattgesichtigen Gestalten über die schmalen Rücken, barfuß, als wären Fels und Halm dasselbe.
Die Burg verfiel. Die Felsen blieben. Wer heute über die Brücke zwischen den Türmen geht und in die Tiefe blickt, sieht zuerst Abgrund. Wer länger blickt, merkt manchmal Grün, wo kein Baum stehen sollte – einen einzelnen Halm in einer Ritze, und darüber ein Licht, das kein Himmel erklärt. Dann steht das Hanfvolk unter der Bastei und hält den Stein fest, nicht mit Mauern, sondern mit Wurzeln.