Die Bilder der gröhlenden Nazimenge schaue ich mir dann morgen an. Heute freue ich mich über ein unglaubliches Zeichen, das wir gemeinsam mit 1000 tollen Menschen in und für #Bautzen gesetzt haben. Danke an jede einzelne Person, die das heut möglich gemacht hat. Wahnsinn. #bz1008
Was mir seit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt nicht aus dem Kopf geht, ist dieses Foto, das Ulrich Siegmund am Sonntag, wenige Stunden vor der Wahl, gepostet hat. Er sitzt mit seiner Frau, diesem Anti-Woke-Comedian Udo Bönstrup und dem Influenzier Kolja Barghoorn auf seiner Terrasse. Vor ihnen: Wurstgulasch mit Spirelli, Coca-Cola und eine Packung Gut-&-Günstig-Gouda von Edeka. Siegmund trägt ein etwas abgewetztes Adidas-Shirt. Im Hintergrund eine ziemlich gewöhnliche Terrassengarnitur aus diesem schwarzen Fake-Rattan. Dazu schreibt er: „Kleine Mittagspause, wir sehen uns um 18 Uhr.“
Ich glaube, dieses Foto zeigt ein Phänomen, das die politische Konkurrenz der AfD und auch wir ganzen rund um die Uhr analysierenden Journalisten so gar nicht auf dem Schirm haben: Die AfD kann sich als „normal“ darstellen, weil viele andere politische Milieus diese ganz banale Normalität kaum noch glaubwürdig repräsentieren können.
Ich glaube nämlich ernsthaft: Wenn ich dieses Essen meiner Berliner Bubble – egal, ob konservativ, liberal oder linksliberal – vorsetzen würde, würden bei nicht wenigen ziemlich schnell die Nasen gerümpft. Wurstgulasch mit Spirelli und dazu Gut-&-Günstig-Gouda. „Was ist das denn?“ oder „Sowas esse ich doch nicht.“
Und genau das ist doch interessant. Gerade in Milieus, die ständig über Klassismus, soziale Ausgrenzung und die Lebensrealität der „kleinen Leute“ reden, ist diese ganz banale Alltagsnormalität teilweise so weit entfernt, dass man sie selbst gar nicht mehr repräsentieren kann.
Ich meine damit ausdrücklich nicht, dass Wurstgulasch oder Gut-&-Günstig-Gouda schlecht wären. Ich würde das auf jeden Fall essen. Es geht um die Optik, um die ganze Szenerie. Um eine bestimmte Form von Alltag, die für einen großen Teil der Bevölkerung völlig normal ist, die aber in manchen politischen Milieus fast schon wie eine fremde Welt wirkt.
Und genau das kann die AfD inzwischen erstaunlich gut besetzen. Da sitzt der Spitzenkandidat eben einfach auf seiner Terrasse, kurz vor der wahrscheinlich wichtigsten Wahl Deutschlands seit Jahren. Wurstgulasch, Spirelli, Cola, billiger Gouda, altes Adidas-Shirt. Das ist vielleicht auch einfach keine besonders raffinierte politische Inszenierung, sondern vielleicht wirklich einfach das, was Ulrich Siegmund in diesem Moment gemacht hat. Vielleicht funktioniert es gerade deshalb.
Auch die Ostromantik, die im Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt eine Rolle gespielt hat, funktioniert ja nicht über konkrete politische Inhalte. Sie funktioniert über eine bestimmte Ästhetik und über das Gefühl: Die verstehen, wie wir leben. Die finden das nicht peinlich. Die müssen uns nicht erklären, wie man richtig lebt.
Ich glaube, man unterschätzt den kulturellen Teil dieser Erzählung. Die AfD vermittelt nicht nur: Wir haben die richtigen politischen Antworten. Sie vermittelt auch: Wir sind wie ihr.
In Sachsen-Anhalt hat die AfD damit ein Klientel politisiert, das bisher unpolitisch war. Vielleicht eben auch, weil dieses Klientel bisher in einer ganz anderen Welt gelebt hat als die, die bisher Politik gemacht haben. Ulrich Siegmund hat es geschafft, das Politische zurück in deren Welt zu holen.
Das funktioniert mit einfachen Antworten und verkürzten Erzählungen natürlich besonders gut. Aber eben auch über das Gefühl, das Siegmund den Menschen gegeben hat: endlich wieder irgendwo dazuzugehören. Sich endlich wieder von Menschen repräsentieren zu lassen, die sind wie sie und leben wie sie. Eine Bewegung sei das eben, wie Siegmund unermüdlich betont hat.
Und vielleicht ist genau das ein Teil des Problems für die anderen Parteien. Man kann ständig über Klassismus und soziale Ausgrenzung sprechen. Aber wenn man gleichzeitig eine politische und kulturelle Ästhetik entwickelt, bei der ein Teller Wurstgulasch mit Spirelli und eine Packung Gut-&-Günstig-Gouda schon etwas sind, bei dem man insgeheim die Nase rümpft, dann wird es schwierig.
Deshalb geht mir dieses völlig banale Foto nicht aus dem Kopf.
Es geht einfach um die Frage, wer Menschen noch glaubwürdig vermitteln kann: So wie du lebst, ist völlig normal – und wir, die dich vertreten oder vertreten wollen, leben genauso.
Diesen Support kann man mittlerweile übrigens sogar völlig ohne Konsequenzen im Kreistag zum Ausdruck bringen - mit einem Soli-Shirt. Nicht mal dann ist der Landrat Udo #Witschas in der Lage, zu erkennen, dass Rechtsextreme im Raum sitzen. #bautzen
Falls es in der Bautzner Politik und anderswo wieder Zweifel an der Gesinnung der neonazistischen Gruppe "Balaclava Graphics" und deren Kopf Benjamin Moses gibt. Ein Blick auf deren Insta reicht auch. Heute gibt's da Support für den Neonazi + NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben.
Auch diesmal wollten Neonazis den Christopher Street Day in Bautzen stören, doch nach dem letzten Jahr hat diese Pride mehr Unterstützung – von verschiedenen Seiten.
Eindrücke aus Bautzen. Mit Fotos von Lea Greub. @zeitonline
https://t.co/zZDxYBLhUF
Der Neonazismus, der sorbische Menschen trifft, läuft in #Sachsen noch immer viel zu sehr unter dem Radar & es gehört so viel Mut dazu, in #Bautzen mit der Presse über diese Anfeindungen zu sprechen. Viel Kraft an die Betroffenen & danke für‘s mutig sein.
https://t.co/wWyS1lucOu
Schon wieder (zum fünften mal) wurde der DIY-Druckbar in #Zwickau die Scheibe eingeworfen. In #Sachsen und nicht nur da, ist alternative Jugendkultur permanent im Visier von Neonazis. Volle Solidarität mit dem Besitzer. Wer noch was über hat: https://t.co/oSpGs5iBGe
In die gleiche Kategorie an unnötigen Drecks-Tweets, die nichts beitragen, sondern nur vorführen, fallen im Übrigen die beschissenen "Ich will meinen Soli zurück"-Tweets oder irgendwelche lustigen Mauerbausprüche, auf die hier wirklich alle verzichten können.
Ich kann diese Scheiß-Tweets nicht mehr lesen. "Dort" - fuck ja, viele fühlen sich in #Bautzen und in #Sachsen nicht mehr sicher. Aber das nicht, weil sie sich auf Twitter über den bescheuerten Osten echauffieren, sondern weil sie jeden verdammten Tag VOR ORT dagegenhalten.
Dort würde ich mich nicht mehr sicher fühlen.
„Die Jugendlichen, die haben ja durchweg alle AfD gewählt. Und das ist ein böses Zeichen. So einen Tag haben wir schon mal gehabt – vor 33.“
Es ist ein historisches Versagen von SPD, Grünen & Linkspartei aus einer progressiven Mehrheit vor 10 Jahren eine strukturell rechte Merhheit gemacht zu haben. Wir kommen da nur wieder raus, wenn wir zusammenarbeiten und uns nicht gegenseitig kanibalisieren. #Bundestagswahl2025
In #Bautzen wurde gestern ein Infostand unserer Partei angegriffen. Es kam zu Böllerwürfen und einem Faustschlag ins Gesicht.
Ich verurteile diese Gewalt auf das Schärfste & bin in Gedanken bei meinen Genoss*innen.
Wir lassen uns nicht einschüchtern. @dieLinke#DeshalbdieLinke