>>Die wissenschaftlich vertretbare Kurzfassung
Versailles hatte Toiletten, aber keine annähernd ausreichende öffentliche Sanitärversorgung für seine außergewöhnlich große und durchlässige Bevölkerung. Private Toilettenstühle waren am Hof verbreitet; außerdem bestanden Latrinen, Gruben und eine organisierte Entsorgung. Wildes Urinieren und vermutlich auch Defäkieren kamen in abgelegenen Bereichen und Gärten vor. Das Bild dauerhaft fäkalienbedeckter Prachtkorridore ist dagegen eher eine moderne Sensationsgeschichte als ein gesicherter Gesamtbefund.
Als seriöser Einstieg eignet sich das pädagogische Dossier L'hygiène à Versailles sous l'Ancien Régime des Schlosses. Es stützt sich unter anderem auf die Arbeiten des Versailles-Historikers Mathieu Da Vinha, besonders Louis XIV et Versailles. Das Dossier ist institutionell belastbarer als die zahlreichen populären Internetartikel, wenngleich es selbst eine Synthese und keine peer-reviewte Spezialmonografie ist.<<