Herr Merz, für wen verstehen Sie sich eigentlich als Kanzler? @bundeskanzler
Wenn Sie über Arbeitnehmer sprechen, geht es auffällig oft um mehr Arbeit, längere Lebensarbeitszeit, Vier-Tage-Woche, „Lifestyle“, Bequemlichkeit und darum, dass sich Deutschland den Sozialstaat so nicht mehr leisten könne.
Wenn Sie über Bürgergeld sprechen, geht es um Fehlanreize, Sanktionen und Missbrauch. Bei Migration um „Stadtbild“, Regeln und Rückführungen. Bei der Rente darum, dass Menschen länger arbeiten und mehr selbst vorsorgen müssen.
Stehen Sie dagegen vor Familienunternehmern, ändert sich der Ton.
Dann geht es um Mut, Verantwortung, Freiheit, Entlastung, Unternehmergeist und diejenigen, die unser Land „neu formen“ sollen. Unternehmenssteuern werden gesenkt. Eine höhere Erbschaftsteuer lehnen Sie ab. Eine Vermögensteuer ebenfalls.
Und als der Vertreter der Stiftung Familienunternehmen über angebliches „Superreichen-Bashing“, Feindbilder und Milliardäre klagt, die man angeblich aus dem Land treiben wolle, sagen Sie diesem Publikum, es müsse stärker in die öffentliche Debatte, sonst überlasse man sie denen,
„die gegen uns und gegen Sie arbeiten“.
Genau dieses „uns“ interessiert mich.
Denn schon in „Mehr Kapitalismus wagen“ vertraten Sie ein Gesellschaftsbild, in dem Markt, Eigenverantwortung, Leistung und Kapitalbildung einen sehr hohen Stellenwert besitzen. 2020 erklärten Sie selbst, den Titel heute zwar anders zu wählen, die Grundhaltung aber ähnlich zu sehen.
Deshalb die ernst gemeinte Frage:
Sind Sie als Bundeskanzler derjenige, der die unterschiedlichen Interessen dieses Landes miteinander ausgleichen will?
Oder sehen Sie Unternehmer und Vermögende als das gesellschaftliche Lager, dem Sie sich politisch näher fühlen, während Arbeitnehmer, Rentner, Transferempfänger und andere vor allem diejenigen sind, von denen mehr Leistung, mehr Verzicht und mehr Anpassung verlangt werden?
Denn ein Bundeskanzler ist nicht Kanzler eines wirtschaftlichen Milieus.
Er ist Kanzler des ganzen Landes.
Und nach Ihrem „uns und Sie“ darf man fragen, wen Sie mit diesem „uns“ eigentlich meinen.
Bei Volkswagen lohnt es sich inzwischen, nicht nur auf die Zahl der Stellen zu schauen, die Oliver Blume für überflüssig hält, sondern auf die Werke, für die er plötzlich keine „wettbewerbsfähige Belegung“ mehr sieht.
Emden sollte nach dem milliardenschweren Umbau einmal bis zu 300.000 Elektroautos im Jahr bauen. Gleichzeitig nahm Volkswagen dem Werk nach 47 Jahren den Passat und verlagerte die neue Generation nach Bratislava. 2025 kamen aus Emden noch rund 147.000 Fahrzeuge.
Hannover verlor mit dem T6.1 einen seiner großen Volumenträger. Der Nachfolger, der neue Transporter und Caravelle, wird nicht mehr dort gebaut, sondern bei Ford Otosan in der Türkei. Hannover bleiben im Wesentlichen Multivan und ID. Buzz. Jetzt heißt es, Hannover habe für die 2030er keine ausreichende Belegung.
Noch deutlicher ist Zwickau. Volkswagen baute den Standort für mehr als 300.000 Elektroautos und sechs Modelle von VW, Audi und Cupra um. 2021 hieß es noch, Zwickau sei langfristig so gut ausgelastet, dass zusätzliche ID.3-Kapazität in Wolfsburg gebraucht werde. 2025 waren es noch rund 212.000 Fahrzeuge, künftig soll Zwickau auf eine Produktionslinie reduziert werden. Modelle und Volumen wandern teilweise nach Wolfsburg. Und nun lautet die Diagnose: keine wettbewerbsfähige Belegung für die 2030er.
Bei Neckarsulm ist das Bild anders. Dort ist die geringere Auslastung stärker Folge des schwächeren Audi-Premiumgeschäfts in China und den USA. Auch dort fehlt die Antwort, welches Volumen künftig tragen soll.
Man kann jede dieser Entscheidungen betriebswirtschaftlich begründen. Passat und Superb gemeinsam in Bratislava zu bauen kann effizient sein, die Ford-Kooperation beim Transporter Kosten sparen. Produktionsnetze müssen angepasst werden.
Nur sollte man anschließend Ursache und Wirkung nicht vertauschen.
Ein Automobilwerk hat enorme Fixkosten. Wenn der Konzern einem Werk Modelle oder Stückzahlen entzieht, sinkt die Auslastung. Die Fixkosten verteilen sich auf weniger Fahrzeuge, die Kosten pro Auto steigen und beim nächsten Standortvergleich sieht dasselbe Werk noch schlechter aus. Dann bekommt es möglicherweise noch weniger Volumen.
Weniger Modelle, weniger Auslastung, höhere Stückkosten, schlechtere Wettbewerbsfähigkeit, noch weniger Modelle. Das ist keine Verschwörung. Das ist Betriebswirtschaft.
Und deshalb wird Blumes Erzählung schwierig. Volkswagen hat bereits mehr als 35.000 Stellen Abbau bei der VW AG vereinbart, 734.000 Fahrzeuge technische Kapazität sollen dauerhaft aus den deutschen Werken verschwinden, die Arbeitskosten sollen um 1,5 Milliarden Euro jährlich sinken und VW selbst sagt, die Fabrikkosten seiner deutschen Standorte seien allein 2025 durchschnittlich um mehr als 20 Prozent gesunken.
Nun reicht offenbar auch das nicht.
Dabei ist Oliver Blume kein Sanierer, der gestern von außen kam. Er sitzt seit 2018 im Volkswagen-Konzernvorstand und trug dort ausgerechnet Verantwortung für die Konzernproduktion. Die heutigen Kapazitäten und Produktionsstrukturen sind also nicht über Nacht auf dem Parkplatz erschienen.
Natürlich muss Volkswagen sich anpassen. China ist als alter Gewinnmotor eingebrochen, deutsche Premiumexporte dorthin sind massiv gesunken, die USA kosten Milliarden und VW hat Produktionskapazitäten für mehr Autos, als der Konzern künftig verkaufen dürfte.
Aber dann muss die Führung die richtige Frage beantworten.
Nicht nur: Wie viele Menschen sind zu viel und wie billig müssen die verbleibenden werden?
Sondern: Warum wurden diese Werke so geplant, warum wurden Modelle verlagert, welche Produkte sollen dort künftig gebaut werden und wie sieht ein Geschäftsmodell aus, das deutsche Standorte wieder auslastet?
Denn wer entscheidet, welches Werk welches Auto bekommt, entscheidet auch über dessen Auslastung.
Und wer einem Werk erst Arbeit nimmt, sollte anschließend etwas vorsichtiger damit sein, den Beschäftigten zu erklären, ihr Werk sei leider zu leer und zu teuer geworden.
Die CDU war erfolgreich, als sie mehr war als eine Arbeitgebervertretung
Na, ihr Freunde der sozialen Marktwirtschaft, bei der man das Soziale inzwischen offenbar für eine unnötige Doppelung hält.
Die CDU war über Jahrzehnte die erfolgreichste Partei der Bundesrepublik. Nicht, weil Deutschland schon immer von Friedrich Merz regiert werden wollte. Sondern weil die Union sehr unterschiedliche Menschen unter einem politischen Dach versammeln konnte.
Unter Adenauer verband sie Wiederaufbau, Westbindung und Sicherheit mit dem Aufstiegsversprechen der sozialen Marktwirtschaft. Ludwig Erhards Marktwirtschaft war ausdrücklich keine reine Marktlehre. Wettbewerb sollte Wohlstand schaffen, der breite Teile der Bevölkerung erreichte.
1957 gewannen CDU und CSU 50,2 Prozent. Es blieb die einzige absolute Stimmenmehrheit bei einer Bundestagswahl.
Auch Helmut Kohl gewann seine stärksten Wahlen nicht als Vorstandsvorsitzender der Deutschland AG. 1983 erreichte die Union 48,8 Prozent. Sie verband wirtschaftliche Ordnungspolitik mit Sozialpartnerschaft, Tarifautonomie, Mitbestimmung und dem Versprechen, dass Leistung sich lohnt, ohne dass Krankheit, Alter oder Arbeitslosigkeit zum Absturz führen.
Angela Merkel modernisierte diese Formel. Sie nahm der Union ideologische Schärfe, besetzte Teile der gesellschaftlichen Mitte und vermittelte vielen Menschen, dass Veränderung stattfindet, aber nicht über ihre Köpfe hinweg. 2013 erreichte die Union 41,5 Prozent.
Das war keine Politik, die jeden begeisterte. Aber sie gab unterschiedlichen Gruppen einen Platz: Unternehmern und Beschäftigten, Konservativen und Modernisierern, Stadt und Land, Rentnern, Facharbeitern und Mittelstand.
Merz macht daraus zunehmend eine Partei für jene, die Reformen vor allem aus der Perspektive einer Bilanz betrachten.
Länger arbeiten. Weniger Rente. Höhere Pflegekosten. Weniger Absicherung für pflegende Angehörige. Karenztage. Kürzungen beim Bürgergeld. Mehr Eigenverantwortung für Beschäftigte, während Steuerentlastungen vor allem Unternehmen und hohen Einkommen zugutekommen sollen.
Jede einzelne Maßnahme lässt sich begründen. In der Summe entsteht jedoch eine klare Botschaft: Wer von seiner Arbeit lebt, soll mehr leisten, länger durchhalten und größere Risiken selbst tragen.
Dabei besteht die traditionelle CDU-Wählerschaft keineswegs nur aus Unternehmern und Spitzenverdienern. Bei der Bundestagswahl 2025 war die Union besonders stark bei den über 60-Jährigen. Zu ihrer Basis gehören Rentner, Angestellte, Handwerker, Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und Menschen im ländlichen Raum.
Genau diese Gruppen spüren inzwischen, dass sie in Merz’ Reformplänen weniger als Wähler denn als Kostenstellen vorkommen.
Das Ergebnis lässt sich messen. Bei der Bundestagswahl 2025 kamen CDU und CSU auf 28,5 Prozent. Anfang August 2026 liegt die Union im Umfragetrend nur noch bei rund 22 Prozent. Die AfD steht bei etwa 27 Prozent.
Umfragen sind keine Wahlen. Aber ein Verlust von sechs bis sieben Punkten nach anderthalb Jahren ist kein Kommunikationsproblem. Es ist ein Vertrauensproblem.
Deshalb rebellieren Ministerpräsidenten, Sozialpolitiker und Landesverbände. Nicht alle haben plötzlich ihr Herz für soziale Gerechtigkeit entdeckt. Einige haben schlicht erkannt, dass man keine Wahl gewinnt, indem man der eigenen Stammkundschaft Rente, Pflege und soziale Sicherheit zur betriebswirtschaftlichen Optimierung vorlegt.
Die CDU war erfolgreich, wenn sie den Markt organisierte und den Menschen Sicherheit gab.
Merz organisiert Unsicherheit und erklärt sie zum Reformwillen.
Deutschland ist kein Unternehmen. Die Bürger sind keine Belegschaft. Und eine Regierung verbessert ihre Bilanz nicht, indem sie Kosten auf Familien, Rentner und Kommunen verschiebt.
Die CDU hat ihre größten Erfolge als Partei der sozialen Marktwirtschaft gefeiert.
Unter Merz droht sie zur Partei der Marktwirtschaft ohne sozialen Unterbau zu werden.
Und genau deshalb laufen ihr die Wähler davon.
Deutschland hat die Zukunft nicht verschlafen. Es hat sie vertagt.
Na, ihr Freunde der staatlich geförderten Zukunft und der privat gepflegten Vergangenheit.
2009 beschloss die Bundesregierung den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität. Eine Million Elektrofahrzeuge sollten bis 2020 auf deutschen Straßen fahren. Aus dem Konjunkturpaket II flossen zunächst 500 Millionen Euro in Batterieforschung, elektrische Antriebe, Modellregionen und Ladeinfrastruktur.
Die Zukunft stand also nicht unangemeldet vor der Tür. Sie hatte einen Entwicklungsplan, Förderbescheide und vermutlich mehr Arbeitskreise als zugelassene Elektroautos.
2011 erhöhte der Bund die Forschungsmittel auf rund zwei Milliarden Euro. Die Industrie kündigte zusätzlich Investitionen von bis zu 17 Milliarden Euro an. Deutschland wollte Leitmarkt und Leitanbieter werden.
Es wurde vor allem Leitankündiger.
Der Staat förderte Batterien, Elektroantriebe und Forschung. Die Autoindustrie entwickelte tatsächlich Technik. Es gab den elektrischen Smart, den BMW i3, den e-Golf und zahlreiche Versuchsträger.
Nur blieb das eigentliche Geschäft dort, wo die Margen besonders angenehm waren: bei großen Benzinern, Dieseln und Premium-SUVs.
Denn Zukunft war schön. Marge war schöner.
Während Politiker von Elektromobilität und industrieller Führung sprachen, erklärte die Branche den Diesel zur deutschen Wundertechnik. Sauber, effizient und selbstverständlich alternativlos. 2015 stellte sich heraus, dass ein Teil dieses Wunders auf Prüfstanderkennung, Abschalteinrichtungen und einer kreativen Auslegung von Abgasreinigung beruhte.
Der Steuerzahler half also, das Risiko der elektrischen Zukunft zu finanzieren. Die Konzerne nahmen die Förderung, forschten in Richtung morgen und verdienten ihr großes Geld weiter mit dem Geschäftsmodell von gestern.
Das ist der entscheidende Punkt: Der Staat bestellte keinen Premium-Diesel-SUV. Er stellte Geld für Batterien, Elektroantriebe und Infrastruktur bereit. Die Industrie entschied sich trotzdem, den profitablen Verbrenner möglichst lange auszureizen.
Auch die Warnungen fehlten nicht. Die ZDF-Dokumentation „Die leise Revolution“ zeigte bereits 2011, dass Elektroantriebe erheblich effizienter sind, Batterien billiger werden und Asien bei Zellen und Produktion Vorsprünge aufbaut. Selbst Vertreter der deutschen Industrie warnten vor verlorenen Marktanteilen.
Man wusste also, was kommen konnte.
Deutschland hat die Elektromobilität nicht verschlafen. Es hat sie erforscht, gefördert, angekündigt und dann so lange als Pilotprojekt behandelt, bis andere daraus einen Massenmarkt machten.
Das Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 wurde verfehlt. Erst 2021 war die Marke erreicht. Danach flossen über den Umweltbonus weitere Milliarden. Hinzu kamen Programme für Ladeinfrastruktur und Batteriezellfertigung.
Niemand kann behaupten, Politik und Steuerzahler hätten die Branche allein im Wald ausgesetzt.
Während Deutschland Schaufenster, Modellregionen und Leuchttürme eröffnete, baute China Lieferketten, Zellfabriken, Ladeinfrastruktur und bezahlbare Elektroautos in industriellem Maßstab auf.
2025 produzierte China fast drei Viertel aller Elektroautos weltweit und exportierte mehr als 2,5 Millionen Fahrzeuge.
Und nun erklärt Markus Söder, die Antwort auf genau diesen Wettbewerb sei der „Hightech-Verbrenner“.
Das ist ungefähr so, als hätte man seit 2009 Schwimmunterricht bezahlt, den Pool vermessen und Rettungsringe gefördert, um 2026 festzustellen, dass man lieber das Pferd wasserdicht machen möchte.
Die deutsche Autoindustrie wurde nicht von der Zukunft überrollt.
Sie sah sie kommen, bekam Geld für die Vorbereitung und parkte trotzdem noch einmal ausführlich beim Premium-Diesel.
Geliefert wurde nicht die elektrische Führung.
Geliefert wurden hohe Margen, Dieselgate und anschließend die Rechnung.
Bleibt freundlich, bleibt kritisch und verliert nicht den Humor.
Die Wetterfrösche werden doch von ÖRR, Grünen und NGOs bezahlt, um Kimaangst zu schüren oder?
Das Horrorszenario für 2050 trifft Frankreich bereits 2026.
Kann es sein, dass Katherina Reiche einfach keine gute Wirtschaftsministerin ist?
Ja.
Und langsam wird das schwer wegzulächeln.
Das eigene Haus kritisiert sie offen.
Der Personalrat warnt vor externen Leuten statt interner Fachkompetenz.
E-Mail-Konten wurden nach Leaks durchleuchtet.
Das Heizungsgesetz-Ersatzstück wackelt fachlich.
Und für die Außenwirkung braucht es PR-Berater.
Das sieht nicht nach Führung aus.
Das sieht aus wie Konzernchefin spielt Ministerium.
Nur leider ist ein Ministerium kein Vorstandsbüro mit angeschlossener PowerPoint-Abteilung.
Da sitzen Fachleute.
Die prüfen Gesetze.
Die kennen Akten.
Die wissen, was im Vollzug funktioniert und was später vor die Wand fährt.
Wenn man diese Leute wie Störgeräusche behandelt, bekommt man irgendwann genau das:
schlechte Gesetze, schlechte Stimmung, schlechte Presse.
Die CDU führt gerade ein politisches Kunststück auf, für das man fast Eintritt verlangen müsste.
Jahrelang haben Linnemann, Spahn und die selbsternannte konservative Erweckungsbewegung erzählt, Merz sei die Lösung. Endlich weg von Merkel. Endlich Schluss mit Mitte-Links, Ausgleich und diesem lästigen Regierungspragmatismus. Endlich wieder „echte konservative Werte“.
Also bekam die CDU genau das.
Mehr Härte gegen Bürgergeldempfänger.
Mehr Kulturkampf gegen Grüne.
Mehr markige Sprüche.
Mehr AfD-Sound mit CDU-Logo.
Mehr 1980er-Jahre im politischen Schaufenster.
Und jetzt?
Jetzt wundert man sich in der Union offenbar, dass dieses Rezept nicht heilt, sondern den Patienten nur noch blasser macht.
Die AfD wird nicht kleiner. Die Mitte kommt nicht jubelnd zurück. Die Regierung wirkt nicht stark. Und Merz, der große Anti-Merkel-Kanzler, sieht plötzlich aus wie der Mann, der genau das geliefert hat, was seine Partei bestellt hat.
Nur leider schmeckt es jetzt niemandem mehr.
Also beginnt die nächste Phase: Schuldverschiebung.
Nicht der Kurs war falsch. Nein, natürlich nicht. Es war nur der Fahrer. Nicht die AfD-Kopie war ein Fehler. Nicht der Anti-Grün-Fetisch. Nicht das Bürgergeld-Theater. Nicht diese eingebildete Vorstellung, Konservatismus bestehe daraus, möglichst oft nach rechts zu blinken.
Nein, Merz hat das alles nur nicht gut genug verkauft.
Wie praktisch.
Man schiebt den Mann vor, lässt ihn den Anti-Merkel-Kurs fahren, klatscht Beifall, solange er gegen die richtigen Feindbilder austeilt, und wenn der Wagen dann Richtung Graben rollt, ruft man: Wer hat diesem Mann eigentlich den Schlüssel gegeben?
Jetzt wird also über Wüst gesprochen.
Der soll dann vermutlich dasselbe Auto fahren, nur mit freundlicherem Gesicht, besserem Netzwerk und etwas weniger politischem Blechschaden. Aber genau da liegt das Problem: Wüst wäre nicht einfach ein anderer Merz. Wüst wäre das stille Eingeständnis, dass der ganze Merz-Kurs nicht funktioniert hat.
Und das ist für die Union gefährlicher als jeder BILD-Artikel.
Denn dann müsste man sich ehrlich machen.
Vielleicht war Merkel nicht das große Problem.
Vielleicht war die Merkels-Mitte kein Irrweg.
Vielleicht gewinnt man AfD-Wähler nicht zurück, indem man deren Sprache übernimmt.
Vielleicht verliert man dabei nur die eigene politische Würde.
Aber so weit ist man natürlich noch nicht.
Vorher wird erst einmal getestet, gemunkelt, dementiert und hintenrum gemessen, ob der Kanzlerstuhl schon die richtige Höhe für Wüst hat.
Die CDU wollte den großen konservativen Befreiungsschlag.
Geliefert wurde Merz.
Jetzt stellt man fest: Wenn man Politik macht wie eine AfD-Vorgruppe mit Steuerrabatt, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende trotzdem alle zum Original laufen.
Und plötzlich klingt der Kanzlertausch nicht mehr wie ein Machtspiel.
Sondern wie der Versuch, die falsche Medizin zu behalten und nur den Apotheker auszutauschen.
After 25 years in the liquor business, Tom quits, buys 50 acres in remote Alaska, and lives in total peace with no visitors for six months.
One day, there’s a knock. A huge, bearded man says, “Name’s Lars, your neighbor from 40 miles up the road. Having a party Friday at 5. You should come.”
“Sounds great,” says Tom.
Lars starts to leave, then adds, “Gonna be some drinkin’.”
“No problem—I can handle that.”
“Probably some fightin’, too.”
“I get along with folks—I’ll be fine.”
“Maybe some wild sex, too.”
“Even better!” Tom grins. “What should I wear?”
Lars shrugs. “Don’t matter… just gonna be the two of us.”