Ich schreibe anders als ich rede
Ich rede anders als ich denke
Ich denke anders als ich denken soll
Und so geht es weiter
Bis ins tiefste Dunkel
-Franz Kafka-
(...)
Dein Herz wuchs auf einer Sommerwiese.
Einfach wie Butterblumen
Und kräftig wie der Salbei.
Wir atmen uns ein.
Draußen am dunstblauen Horizont
Atmen sich Sommermeer und Sommerhimmel ineinander.
Max Dauthendey (1867-1918)
DAS HERZ
In der Wüste
Sah ich ein Wesen, tierisch, nackt,
Das, am Boden kauernd,
Sein Herz in den Händen hielt
Und davon aß.
Ich sprach: „Ist es gut, Freund?“
„Es ist bitter-bitter,“ antwortete er,
Aber ich mag es,
Weil es bitter ist,
Und weil es mein Herz ist.“
Sei ganz ruhig.
Das Leben besteht nicht aus Sensationen,
es läuft nicht davon,
es bietet keine verpassten Gelegenheiten,
es wird nicht einmal weniger mit den Jahren.
Dreh dich nur beiläufig um:
Es wird mehr.
Angela Krauß
Aus: Ich muß mein Herz üben
Verwirrung, Verlangen und Furcht sind ausgelöscht für einen Augenblick; Tod ist ausgelöscht, für die Zeit einiger Schritte am Wiesenrand.
- Philippe Jaccottet -
Glaube mir und denk, ich sags aus tiefer Seele dir: die Sprache ist ein großer Überfluß.
Das Beste bleibt doch immer für sich und ruht in seiner Tiefe, wie die Perle im Grund des Meeres.
friedrich hölderlin
Es ist sehr gut denkbar,
daß die Herrlichkeit des Lebens
um jeden und immer in ihrer ganzen
Fülle bereitliegt, aber verhängt,
in der Tiefe unsichtbar, sehr weit.
- Franz Kafka -
KLEINE MORGENGABE
Früh in der Morgendämmerung
wird über meiner Stadt der Himmel
manchmal so apfelgrün,
dass ich ihn riechen kann.
Ich werde heut Nacht nicht schlafen,
um ihn zur rechten Stunde zu pflücken
und in dein fernes Fenster zu legen,
dass er dir duftet.
Christine Busta
Es ist die Reserve an Ungesagtem, die in jedem Gedicht ist, die immer – aber immer anders – mitgehört wird. Dies macht die eigentliche Lebensfähigkeit des Gedichts aus.
- Hilde Domin -
Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.
(...)
- Rainer Maria Rilke -
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Wenn du das Leben begreifen willst,
glaube nicht, was man sagt und was man schreibt,
sondern beobachte selbst und denke nach.
- Anton Pawlowitsch Tschechow -
Lehnen im Abendgarten beide,
Lauschen lange nach irgendwo...
Etwas ist in den Garten getreten,
Und das Gitter hat nicht geknarrt,
Und die Rosen in allen Beeten
Beben von seiner Gegenwart.
- Rainer Maria Rilke -