Vier Jahre Krieg in der Ukraine. Nicht “Konflikt”. Nicht “Situation”. Krieg. Mit allem, was das Wort bedeutet und was wir trotzdem verdrängen, weil es 1.500 Kilometer weg ist und wir morgen früh arbeiten müssen.
Ein paar Zahlen, weil Zahlen das einzige sind, was wir noch ernst nehmen:
Über 10.000 zivile Todesopfer dokumentiert – die undokumentierten zählt niemand mehr. Über 6 Millionen Ukrainer als Flüchtlinge in Europa registriert. Über 14 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine vertrieben. Mariupol, eine Stadt mit 400.000 Einwohnern, existiert in der Form nicht mehr. Bachmut existiert nicht mehr. Teile von Cherson existieren nicht mehr.
Die russischen Verluste: je nach Quelle zwischen 150.000 und 200.000 Tote. Junge Männer, größtenteils. Aus Regionen, die arm genug waren, dass die Armee attraktiv wirkte.
Das ist die Zynismus-Fabrik des 21. Jahrhunderts: Armut schickt die Menschen in den Krieg. Der Krieg produziert neue Armut. Und irgendwo dazwischen sitzt jemand in einem gut beheizten Raum und nennt es Strategie.
Vier Jahre lang hat Europa geschaut, diskutiert, Pakete geschnürt, Gipfel abgehalten, rote Linien gezogen und diese roten Linien dann still und leise wieder weggewischt, wenn sie unbequem wurden. Vier Jahre lang hat der Newsfeed diese Bilder zwischen Werbung für Lieferdienste und Urlaubsfotos geschoben.
Wir haben uns daran gewöhnt.
Das ist vielleicht das Schlimmste.
Nicht der Krieg selbst – Kriege hat es immer gegeben, das ist die traurigste Aussage, die man über die Menschheit treffen kann. Sondern die Geschwindigkeit, mit der wir aufgehört haben, aufzuwachen, wenn wir das Wort hören.
Irgendwo in der Ukraine schläft heute Nacht jemand in einem Keller.
Irgendwo in Russland hat heute eine Mutter Post bekommen.
Leute, ich muss mal kurz was loswerden.
Ich hab heute den Podcast „ungeskriptet” mit Frank Thelen gehört. Fast drei Stunden. Und seitdem bin ich irgendwo zwischen fasziniert und leicht panisch. Beides gleichzeitig. Wie nach dem dritten Jägermeister – du weißt, es war zu viel, aber du kannst nicht aufhören drüber nachzudenken.
Thelen sagt Sachen, bei denen du erstmal kurz schlucken musst. Humanoide Roboter? Fertig. Nicht „irgendwann mal”. Jetzt. Die müssen nur noch in Massenproduktion. KI kann heute schon 90 Prozent aller Bürojobs ersetzen. NEUNZIG. Aber hey, wir in Deutschland diskutieren noch, ob man eine E-Mail mit „Liebe Grüße” oder „Mit freundlichen Grüßen” beendet.
Die E-Mail wird bald von der KI geschrieben, verschickt und beantwortet – und wir haben noch nicht mal mitgekriegt, dass sie rausgegangen ist.
Der Mann stand mit Mitte 20 kurz vor der Privatinsolvenz. Heute investiert er dreistellige Millionensummen in KI, Roboter und Satelliten. Und er sagt ganz klar: KI entwickelt sich exponentiell. Nicht linear. Exponentiell. Das heißt, was letztes Jahr noch beeindruckend war, ist nächstes Jahr Grundschulniveau.
Er spricht darüber, dass China uns technologisch längst abhängt, während wir in Europa noch überlegen, wie wir das Ganze regulieren. Er fragt: Was passiert, wenn KI uns irgendwann als Störfaktor sieht? Und ehrlich gesagt hatte er auf diese Frage keine beruhigende Antwort.
Und wo wir gerade bei E-Mails sind: Apple öffnet CarPlay jetzt für KI-Chatbots. ChatGPT, Claude, Gemini – alles bald direkt über dein Autodisplay nutzbar. Per Sprache. Das heißt, du sitzt auf der A40 im Stau, sagst „Schreib dem Veranstalter, dass wir den Soundcheck um eine Stunde verschieben”, und die KI formuliert, verschickt und bestätigt das, bevor du auch nur bei der nächsten Ausfahrt bist. Kein Tippen. Kein Anhalten. Kein „ich ruf dich gleich zurück”. Einfach erledigt.
Dazu wird Siri mit Googles Gemini aufgerüstet – persönlicher, kontextbezogener, schlauer. Apple Intelligence kommt jetzt auch auf Deutsch. Siri soll sich merken, was du letzte Woche gefragt hast, verstehen wer „Mama” in deinen Kontakten ist und Zusammenhänge zwischen deinen Apps erkennen. Klingt gut. In der Theorie. In der Praxis hat Apple das gerade WIEDER verschoben, weil die Beta-Version Anfragen falsch verstanden hat. Also im Grunde verhält sich Siri aktuell wie ein durchschnittlicher deutscher Sachbearbeiter – nichts verstehen, lange brauchen, am Ende nochmal nachfragen.
Aber im Ernst: Was Thelen beschreibt, ist kein Science-Fiction. Das ist Realität, die so schnell auf uns zurollt, dass die meisten noch nicht mal den Seitenblick machen. Jobs, von denen heute Millionen Menschen leben, werden in den nächsten zwei bis drei Jahren einfach wegfallen. Nicht irgendwann. Nicht „in zehn Jahren, wenn die Technik so weit ist.” Die Technik IST so weit. WIR sind es nicht.
Und jetzt die unbequeme Frage: Womit verdienen wir 2027 unser Geld? Was können wir, was eine KI nicht in Sekunden besser, schneller und billiger kann?
Ich würde anfangen, mir Gedanken zu machen. Ernsthaft.
Schönen Freitag noch.
Karneval ist, wenn Deutschland kollektiv beschließt: Wir machen jetzt 5 Tage lang Dinge, für die wir den Rest des Jahres Leute verurteilen.
Alkohol ab 9 Uhr? Tradition.
Fremde Menschen küssen? Brauchtum.
Verkleidet auf der Arbeit erscheinen? Kultur.
Montag nicht kommen? Altweiber-Nachwirkung.
Gerüchte in Berlin: Angela Merkel könnte 2027 erste Bundespräsidentin werden. Friedrich Merz soll begeistert sein. So begeistert wie damals, als sie ihn 2002 entsorgt hat.
#merkel#CDU
Ralf Schumacher heiratet einen Mann. Sein Sohn David schreibt öffentlich: ‚Ich stehe 100% hinter dir, Papa.’ In einer Welt voller Hate – das ist der eigentliche Sieg.
Markus Söder hat sich dieses Jahr als William Wallace verkleidet. Braveheart. Der schottische Freiheitskämpfer. Sein Kommentar dazu: „Auch wir Bayern lieben unsere Freiheit und Eigenständigkeit. Da sind wir wie die Schotten.”
Kurze Erinnerung: William Wallace wurde am Ende gevierteilt. Aber gut, politische Metaphern waren noch nie Söders Stärke.
Wobei – Parallelen gibt es schon. Die Schotten wollen raus aus dem Vereinigten Königreich. Söder will raus aus dem Länderfinanzausgleich.
Wallace kämpfte gegen die Engländer. Söder kämpft gegen die Grünen. Wallace hatte ein Schwert. Söder hat ein Instagram-Konto. Gleich gefährlich, unterschiedliche Reichweite.
Man muss dem Mann aber lassen: Die Verwandlung ist beeindruckend. Professioneller Maskenbildner vom Staatstheater Nürnberg. Steuerzahler fragen sich leise, ob das unter „Kulturförderung” läuft.
Und vergessen wir nicht die Vorjahre: Shrek, Homer Simpson, Gandalf. Der Mann hat mehr Verwandlungen durchgemacht als seine Parteilinie zur Energiepolitik. Einziger Unterschied: Die Kostüme sind konsistenter.
Nächstes Jahr dann bitte als Don Quijote. Gegen Windmühlen kämpfen kann er ja schon.
Wisst ihr, was das Schönste an den Epstein-Files ist? Wie schnell sich alle erinnern konnten, dass sie ihn eigentlich gar nicht kannten.
Da gibt es Hunderte Seiten Gerichtsdokumente, Flugprotokolle, Zeugenaussagen – und plötzlich hat niemand jemals in diesem Flugzeug gesessen. Niemand war auf dieser Insel. Und die Fotos? Ach, der stand halt einfach da. Auf jeder Gala. Neben jedem. Zufällig.
Jeffrey Epstein – ein Mann, der 2008 einen Deal bekam, für den du beim Falschparken nicht mal ein Lächeln kriegst. Ein verurteilter Sexualstraftäter, der danach mehr prominente Freunde hatte als vorher. Weil nichts so attraktiv ist wie ein Mann mit Privatjet und null Konsequenzen.
2019 stirbt er in einer der am besten überwachten Zellen Amerikas. Beide Kameras kaputt. Beide Wärter eingeschlafen. Gleichzeitig. Man kennt das ja – passiert jedem mal auf der Arbeit.
Ghislaine Maxwell sitzt seit 2022 im Gefängnis. Verurteilt wegen Menschenhandels mit Minderjährigen. Die logische Folgefrage – für wen hat sie diese Minderjährigen gehandelt, außer Epstein? – wird vom Universum offenbar als rhetorisch betrachtet.
Anfang 2024 wurden dann Hunderte Seiten entsiegelt. Namen fielen. Und die öffentliche Reaktion lässt sich zusammenfassen als: „Ach, DER auch?”, gefolgt von absolutem Weitermachen.
Das eigentlich Verstörende an diesem Fall ist nicht die Verschwörungstheorie. Es sind die Fakten. Die reichen völlig.
Gute Nacht. 🕯️
Kurze Zusammenfassung für alle, die gerade aus dem Koma aufwachen: Gil Ofarim hat das Dschungelcamp gewonnen. Ja, DER Gil Ofarim. Und Deutschland so: gespalten wie seit der Frage „Pommes mit oder ohne Mayo?“ nicht mehr. Die halbe Republik fordert seinen Kopf, die andere Hälfte feiert ihn wie einen Kriegsheimkehrer, und RTL zählt leise die Quoten und lächelt. Mal ehrlich – der Mann hat sich 17 Tage lang Kakerlaken ins Gesicht werfen lassen, während der halbe Cast ihn behandelt hat wie den Bösewicht in einem Disney-Film. Und jetzt reden wir ernsthaft darüber, ob eine Dschungelkrone ein moralisches Gütesiegel ist? Leute. Es ist eine Sendung, in der erwachsene Menschen für Geld Tierpenisse essen. Entspannt euch. 🤦♂️👑
Es ist ein Tag nach dem zweiten Weihnachtstag.
Ich weiß seit drei Tagen nicht mehr, welcher Wochentag ist.
Ich messe Zeit gerade in Mahlzeiten, Resten und der Frage: „Gab es heute schon Kaffee?“
Falls jemand weiß, ob heute noch irgendwas Wichtiges ist – bitte kurz melden.
Heute „Denn sie wissen nicht, was passiert“ gesehen. Wow! Was für eine grandiose Show ist das bitte. Auch der Abschied von Thomas Gottschalk war würdig, respektvoll und einfach emotional. Danke, RTL!
#dswnwp#thomasgottschalk
Der Fernsehgarten musste wegen Blitz und Donner evakuiert werden.
Ein Glück – viele Gäste hatten schon nach den ersten Songs um Erlösung gebeten.
#Fernsehgarten
Ich gönn’s dem Wendler.
28 Mal Sex pro Woche ist eine beeindruckende Leistung.
Vor allem für jemanden, der sonst nur mit Verschwörungstheorien kommt.
#wendler
Köln schafft den „Spielplatz“ ab.
Aber keine Sorge – die Parkbank bleibt.
Nur heißt sie jetzt:
„Sitzmodul zur städtischen Regenerationsförderung.“
#Spielplatz#köln