Wie man die AfD aus der Ausweichzone holt
Das Interessante an Ulrich Siegmunds Auftritt im ZDF-Morgenmagazin ist für mich nicht, dass er irgendwann gereizt wirkte oder, wie BILD es boulevardesk formuliert, „ins Schlingern“ kam. Interessant ist, warum das passierte.
Andreas Wunn hat etwas gemacht, das eigentlich selbstverständlich sein sollte und in politischen Interviews trotzdem erstaunlich oft nicht passiert: Er hat eine konkrete Frage gestellt und sich anschließend geweigert, Siegmund beim Ausweichen hinterherzulaufen.
Die Frage betrifft ausländische Ärzte und eine entsprechende Aussage im eigenen AfD-Programm. Siegmund antwortet nicht mit Daten oder Belegen, sondern landet beim Attentäter von Magdeburg. Ein perfekter Themenwechsel, denn nun könnte man über Migration, Sicherheit und Taleb A. diskutieren und die ursprüngliche Frage wäre verschwunden.
Wunn macht genau das nicht.
Er kommt zurück zur Frage.
Siegmund versucht es erneut, erklärt sogar, wie er auf eine Frage antworte, müsse ihm selbst überlassen bleiben. Natürlich. Nur muss der Journalist diese Antwort deshalb noch lange nicht als Antwort akzeptieren.
Also wieder zurück zur Frage.
Beim 100-Tage-Programm dasselbe Spiel. Wirtschaft sei eines der wichtigsten Themen, also fragt Wunn nach den konkreten wirtschaftspolitischen Maßnahmen dieses Programms. Siegmund redet über Ideologie, Mittelstand, Insolvenzen und andere Themen. Wunn folgt ihm nicht, sondern geht wieder zurück zum 100-Tage-Programm.
Und genau da liegt für mich die eigentliche Geschichte dieses Interviews.
Man muss einen Politiker nicht anschreien, nicht moralisch aburteilen und ihm auch nicht zwanzig Gegenargumente gleichzeitig um die Ohren hauen. Gerade bei populistischer Kommunikation reicht manchmal etwas viel Einfacheres.
Eine Frage stellen.
Das Ausweichen erkennen.
Nicht auf den Themenwechsel aufspringen.
Zur ursprünglichen Frage zurückkehren.
Und das so lange, bis entweder eine Antwort kommt oder für jeden Zuschauer sichtbar wird, dass keine kommt.
Das funktioniert übrigens nicht nur bei der AfD und sollte auch nicht nur bei ihr angewandt werden. So sollte guter politischer Journalismus grundsätzlich funktionieren.
Bei der AfD ist es allerdings besonders interessant, weil ihre Kommunikation häufig davon lebt, eine konkrete Frage schnell in eine größere Erzählung über Migration, Medien, Eliten, Berlin, Brüssel oder „das System“ zu verwandeln. Folgt der Journalist dieser Erzählung, bestimmt der Politiker plötzlich wieder das Thema.
Wunn hat ihm diese Möglichkeit genommen.
BILD erzählt daraus die Geschichte eines Kandidaten, der „gegrillt“ wurde. Ich sehe etwas anderes.
Ich sehe einen Journalisten, der einem Politiker schlicht nicht erlaubt hat, die Frage zu beantworten, die dieser lieber gestellt bekommen hätte.
Vielleicht ist genau das eine der wirksamsten Methoden gegen politische Nebelkerzen:
Nicht empören.
Nicht hinterherrennen.
Einfach fragen.
Und bei der Frage bleiben.
Es gibt nur einen Akteur, der eine Fluchtbewegung von Mali aus über Algerien über Marokko in Richtung Ceuta und Melilla in Bewegung setzen kann, und gleichzeitig eine Mehr-Staaten Social Media Kampagne für den nächsten Ansturm auf den 15. August koordiniert verbreiten und koordinieren kann. In Rumänien schlagen Drohnen ein, in Polen ein Marschflugkörper, um die Entschlossenheit der Flugabwehr der NATO zu testen, in Deutschland wird ein Flughafen mit einer Drohne mit Semtex angegriffen und Anschläge auf einen Drohnen-Startup CEO vorbereitet, weil unsere Geheimdienst-Befugnisse einer der schwächsten in Europa sind. Spanien wird mit einem Ansturm von illegalen Migranten an seinen Außengrenzen angegriffen, weil sie hier in Europa die Schwächsten beim Grenz-Schutz sind. Das ist in der Gesamtbetrachtung nichts anderes als das nächste Level der hybriden Kriegsführung Russlands gegen Europa, und wir sollten mal aufhören diese Geschehnisse als Einzelereignisse zu betrachten, denn das sind sie nicht, und das ist vor allem erst der Anfang. Jetzt ist strategisches Denken und Handeln in größeren Zusammenhängen gefragt.
Die Meldungen überschlagen sich inzwischen.
Wie sich herausstellt, hat der heldenhafte Reiseleiter aus Leipzig womöglich nicht bloß eine ukrainische Antonow gerettet, sondern die NATO.
Aber das ist nicht alles:
Während die vom Reiseleiter (siehe Text oben) zu Boden gebrachte Drohne am Boden lag, kollidierte eine durchstartende DHL-Frachtmaschine sechs Kilometer vom Flughafen Leipzig entfernt in 400 Metern Höhe mit einem weiteren unbekannten Flugobjekt.
Bild berichtete, das Flugzeug sei sicher am Flughafen Hannover gelandet, wo am Nasenbereich leichte Schäden entdeckt wurden. Die Polizei ermittelt wegen eines Staatsschutzdelikts und schließt Sabotage nicht aus.
400 m Höhe! Sollte sich herausstellen, dass auch das Objekt in 400 Metern Höhe eine Drohne war, kann niemand glaubwürdig behaupten, er habe mit einem gewöhnlichen Hobbygerät nur ein bisschen am Flughafen herumfliegen wollen. Dafür hätten entweder Sicherheitssperren umgangen, ein entsprechend konfiguriertes Gerät eingesetzt oder die Drohne eigens dafür gebaut werden müssen.
Ob beide Vorgänge zusammenhängen, ist noch ungeklärt. Aber möglicherweise reden wir hier nicht über eine einzelne Drohne, sondern über einen koordinierten Angriff auf einen der wichtigsten europäischen Fracht- und NATO-Logistikknoten.
Die vom Reiseleiter geretteten Maschinen gehören zur strategischen Lufttransportlösung SALIS. Über sie verlegen mehrere NATO-Staaten schweres Gerät und Material, unter anderem zu den multinationalen Gefechtsverbänden an der Ostflanke.
Mit anderen Worten: Die Drohne schwebte nicht einfach neben irgendeinem ukrainischen Frachtflugzeug. Sie befand sich in unmittelbarer Nähe eines neuralgischen Punktes der europäischen Militärlogistik.
Wäre eine der Antonows zerstört worden, hätte das nicht nur die Ukraine getroffen. Es hätte zugleich eine schwer ersetzbare Transportkapazität der NATO beschädigt.
Und dass es womöglich noch brenzlicher war als bisher vermutet, berichtet die WELT: Bei dem Sprengstoff soll es sich nicht nur, wie zunächst berichtet, um eine nitrathaltige sprengfähige Substanz gehandelt haben, sondern um Semtex, also hochwirksamen Plastiksprengstoff.
Wer jetzt wieder versucht, diesen Vorgang kleinzureden, unter den Teppich zu kehren oder aus Angst vor „verbaler Eskalation“ sprachlich weichzuspülen, betreibt keine Besonnenheit.
Er hilft nur dabei, dass Europa den Ernst der Lage weiter verdrängt.
Wenn auf einem deutschen Flughafen mutmaßlich Plastiksprengstoff neben strategisch wichtigen NATO-Transportmaschinen deponiert wird, ist Schweigen keine Deeskalation mehr.
Es ist Fahrlässigkeit gegenüber der Sicherheit Europas.
Ich weiß, ich wiederhole mich: Gewaltbereite religiöse Fanatiker, Leute mit derartigen Störungen, dass sie eine Gefahr für andere darstellen, mafiöse Typen, die Clanstrukturen manifestieren, belassen wir im Land, weil sie sich dem Zugriff verweigern. Menschen, die hier Leben, sich einfügen, ihren Beitrag leisten, schieben wir ab, weil wir ihrer habhaft werden und damit die Statistik stimmt („Seht her, wir schieben doch ab!“) Dass diese Frau über zwei Jahrzehnte hier lebte, arbeitete und nun sogar ihren von ihr gepflegten Partner zurücklassen musste - egal. Für diese Politik gibt es nur eine Zuschreibung: komplett idiotisch.
Man kann Islamismus und Rechtsextremismus gleichermaßen ablehnen. Schließlich haben sie viel gemeinsam: Beide sind Feinde einer offenen und liberalen Gesellschaft. Versteht ein gewisses Klientel leider nur nicht.
»Studie belegt: Wie BILD mit dem erfundenen „Heizungshammer“ unsere Politik manipulierte«
Klartext: Milliardäre mit Fossil-Interessen haben indirekt die letzte Bundestagswahl beeinflusst.
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