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Da habe ich wohl in ein ganz dickes Wespennest gestochen, als ich Gaza mit Singapur verglichen habe. Haintz Media kritisiert diesen Vergleich, und ich nehme die Diskussion gerne an. Was habe ich geschrieben und warum?
In einem Satz: Wäre Gaza wie Singapur von Chinesen regiert, dann wäre jetzt dort Singapur am Mittelmeer.
Die Kritik daran: Ich vereinfache geopolitische und historische Realität und entmenschliche damit.
Meine Verteidigung:
Als Singapur vor 60 Jahren in die Unabhängigkeit entlassen wurde, war es ein Slum auf einem trockenen Felsen, ohne eigene Ressourcen, ohne Industrie, ohne Geld und ohne die Hoffnung auf Hilfe von außen.
60 Jahre Marktwirtschaft, Rechtsstaat, Korruptionsbekämpfung und Transparenz haben aus Singapur einen Vorzeigestaat gemacht, den die Welt beneidet. Seine Bewohner haben sich um genau eine Sache gekümmert: Wie schaffe ich Wohlstand? Von Tag eins war ihnen klar: Wir haben nur diesen winzigen Felsen und unsere Menschen, die mit Kreativität, Ehrgeiz, Fleiß und konservativen Werten ausgestattet sind. Was sie nicht in Erwägung gezogen haben, war es, Streit mit den Nachbarn auszufechten, egal ob es dafür berechtigte Gründe gegeben hätte oder nicht.
Bereits 25 Jahre nach der Unabhängigkeit hatte sich Singapur mit diesem einfachen Rezept einen bescheidenen, aber schnell wachsenden Wohlstand und den Respekt seiner Nachbarn erarbeitet. Deng Hsiao Ping, der große Reformer Chinas fragte den Premier des winzigen Singapur um Rat, wie er China auch wohlhabend machten könnte.
Mein Tweet stellt die Hypothese auf, dass es den Menschen in Gaza auch so gehen würde, wenn sie handeln würden wie die Chinesen in Singpur, die dort nämlich die größte Bevölkerungsgruppe stellen. Wie immer, wenn ich schreibe, provokant formuliert, aber inhaltlich klar nachvollziehbar.
Jetzt ist es natürlich so, dass man sich in Gaza für einen anderen Weg entschieden hat, weil man die illusorische Vorstellung hat, ein Palästina "vom Fluss bis zum Meer", also auf den gesamten Gebiet des früheren britischen Mandatsgebietes Palästina inklusive Israels zu errichten. Dieser Konflikt dauert jetzt 76 Jahre und in dieser Zeit wurde jeder Kompromiss von den Hardlinern auf palästinensischer Seite in der waagen Hoffnung auf einen besseren Deal torpediert. Die Falken in Israel sagen dazu: Auf unsere Palästinensischen Hardliner können wir uns verlassen, denn sie wissen, dass das was von einem möglichen Palästinensischen Staatswesen übrig bleibt nach jeden Konflikt kleiner wird.
Israel hat sich vor 20 Jahren aus dem Gazastreifen zurückgezogen, damals unter MP Sharon. Ab da war Gaza von den Palästinensern selbstverwaltet.
Welche Voraussetzungen hat die Selbstverwaltung vorgefunden, um Gaza wirtschaftlich erfolgreich zu machen und zu beweisen, dass ein palästinensisches Gemeinwesen mit allen Nachbarn in fruchtbaren wirtschaftlichen Austausch treten kann und welche nicht?
Gaza hatte bis zur gewaltsamen Machtübernahme der Hamas 2 Jahre nach dem Abzug Israels die Möglichkeit des freien Handels mit der Außenwelt, auch wenn Israel sich militärisch die Luft- und Seehoheit vorbehalten hat.
Gaza erhielt in diesen 20 Jahren internationale Hilfe in Höhe von 40 Milliarden US-Dollar, laut Chat-GPT die höchste pro-Kopf Entwicklungshilfe auf der Welt.
Hamas verfügte aus externer Hilfe und interner Besteuerung der Bürger von Gaza über ein Gesamtbudget von ca. 1 Milliarde Dollar pro Jahr, wovon 300 Millionen ins Militär gingen, insbesondere in die Kassam-Brigaden und die Tunnel für Überfälle aus israelisches Territorium.
Weitere erhebliche Mittel wurden von Hamas-Funktionären für private Zwecke verwendet. Die genaue Höhe lässt sich aber wohl nicht ermitteln. So viel zu den Prioritäten.
Zugleich ist die geographische Lage des Gazastreifens ideal als Handelsbrückenkopf zwischen Israel, Europa, den GCC-Ländern und Nord- und Ostafrika. Die Handelsströme, die sich dort kreuzen übersteigen diejenigen, die Singapur vor 60 Jahren vorgefunden hat um ein Vielfaches. Gaza hätte einfach nur den Löffel heraushalten müssen, denn es regnet Brei.
Es hat also nichts mit Entmenschlichung zu tun oder damit, dass die Bewohner Gazas nicht auch in einer friedlichen und freien Marktwirtschaft aufblühen würden. Es hat etwas damit zu tun, dass sich die Bewohner dort entschieden haben eine Regierung zu wollen, die ganz andere Prioritäten setzt. Eine Regierung, die korrupt ist, die die eigenen Bürger bestiehlt, die deswegen eine Ideologie des Todes, des Krieges und der Feindschaft braucht um die Menschen von der Sklaverei abzulenken, in die man sie geführt hat.
Diese Diagnose entmenschlicht die Bewohner von Gaza keineswegs, aber sie sagt eines aus: Man bekommt geliefert was man bestellt hat.
Ich bin aber überzeugt: Wenn man den Menschen in Gaza Freiheit gibt und Frieden, dann können sie auch diesen unwirtlichen Ort zu einem Paradies machen, denn die Kraft der Freiheit wirkt immer. Die erfolgreichsten Staaten der Welt sind Klein- und Stadtstaaten. Nicht die Größe ist entscheidend, sondern was man daraus macht.
Wer aber immer nur rückwärtsgewandt die Schuld bei anderen sucht, in diesem Falle insbesondere bei Israel, der muss sich ja nicht damit befassen, wie er seine Zukunft gestaltet und sich den wirtschaftlichen Herausforderungen stellt. Wer das macht, der macht es sich zu einfach.
Und deswegen sage ich: Bürger Gazas, lernt von den Chinesen, die wissen wie es geht.
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