Brüder werden sich bekämpfen
und einander den Tod bringen,
Schwesternsöhne die Sippe brechen;
wüst ist’s in der Welt, voll Hurerei;
Axtzeit, Schwertzeit, gespaltene Schilde,
Windzeit, Wolfszeit, bis die Welt zu Grunde geht;
kein Mann wird den andern verschonen.
@kisoudis Da Weltanschauung ja als etwas ganz Schlimmes und Dummes angesehen wird, bleibt nur noch ein »Lager« als Lifestyle. So wie auf dem Schulhof halt. Und wenn einer aus der Punk- oder Gothclique keine Lust mehr hat, werden alle ganz panisch.
[…] Teils wohl, weil man eigentlich gar nicht »die Rechte« sein möchte, sondern sich dem »gesunden Menschenverstand« und einer herbeiphantasierten »Mitte« viel näher fühlt und deshalb instinktiv Anschluß an »normale Leute« sucht. Um so mehr, wenn sie Renommee mitbringen. […]
[…] neigt die »Szene« aber dazu, gerade ihre zuverlässigen ureigenen »Gewächse« eher herablassend zu behandeln und statt dessen vorgeblich »Aufgewachte« von außerhalb zu umwerben, auch wenn man sich damit regelmäßig selbst Läuse in den Pelz setzt. Warum? […]
Einige Gedanken zur »Odyssee«, bevor ich demnächst im @Jungeuropa_2016-Podcast mit @stein_schreibt ausführlicher darüber sprechen werde:
1. »Die Odyssee« ist maximal so woke wie die dahinterliegende Inhalte liberal sind. Nur woke allein reicht als Adjektiv nicht aus, um den Film abzustempeln, weil die Begrifflichkeit in die Irre führt – und meistens entweder von X-Polemikern benutzt wird oder von »Rechten«, die selber eigentlich kein Problem mit dem Liberalen haben (sondern nur mit Schwarzen auf der Leinwand). Das erkennt man daran, dass dem Nolan-Film hier auf X gern »Troja« von 2004 entgegengesetzt wird, der in seiner Prämisse wenigstens genauso liberal ist – aber immerhin sind kaum Schwarze zu sehen, was vielen schon reicht. Es reicht nicht. Es reicht auch nicht, um einen guten Film von einem schlechten zu unterscheiden.
2. Kritiken an der historischen Genauigkeit des Films und Vergleiche mit den Punkten, die die homerische Odyssee zu machen versucht, gehen schon deswegen fehl, weil der Film relativ schnell deutlich macht, dass er mit seinen Themen im hier und jetzt verortet ist. Dann ergibt das Bild (die Sets, der Cast, die Kostüme, der Graufilter, diese Athene) auch Sinn. Das kann man natürlich scheiße finden, aber letztendlich ist auch jede Adaption ein Spiegel ihrer Zeit und des Autors (auch Homers Werk geht so mit dem ihm zugrundeliegenden bronzezeitlichen Stoff so um; die mittelalterlichen Bearbeiter des Nibelungenlieds ebenso mit dem germanischen Urstoff). Und das ist legitim; es ist sogar mehr als das, es ist der einzig mögliche Umgang. Was wir in der »Odyssee« sehen, ist Nolans Interpretation, und er ist eben ein Liberaler.
3. Weil Nolan ein Liberaler ist, ist es für ihn auch keine Schändung des Urstoffs, Schwarze, Rapper, Transen, Inder etc. in seinen Cast zu integrieren. Das ist nur folgerichtig, weil dieser multikulturelle Cast den multikulturellen, liberalen Westen widerspiegelt. Und man muss verstehen, dass dieser Westen kein Betriebsunfall der Geschichte ist, sondern das logische Ende einer Kette von Entwicklungen, die von der Antike über das christliche Mittelalter über den Humanismus über die Aufklärung über Industrialisierung, Kapitalismus und Moderne bis ins Heute reicht. Deswegen funktioniert es ja auch, dass die Welt von Nolans »Odyssee« eine Welt im Niedergang ist, genau wie die unsrige. Und genauso wie einige, rechte Beobachter zieht Nolan via seines Films den selben Schluss: Wir, der »Westen«, sind Schuld an unserem eigenen Untergang – alles andere ist Beiwerk, ist Symptom. Der Liberalismus ist ein ureuropäisches Phänomen. Der Unterschied ist nur, dass Nolan den Liberalismus vermutlich für reformierbar hält. Zumindest deutet das Ende seines Films das an.
4. Als rechter Beobachter und Zuschauer liegt es natürlich nahe, diese moderne Interpretation abzulehnen, zugunsten einer Welt, in der man entweder das hier und jetzt vergessen kann (siehe »Der Herr der Ringe«) oder die mit ihren mythischen-heroischen Idealen den eigenen Vorstellungen nahekommt. Das ist absolut legitim. Und es ist legitim, diesen Film dann nicht sehen zu wollen. Dass der Film aber damit gesamt zum Flop werden würde, hat sich bislang nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, es scheint, als hätte der rechte Shitstorm den Erfolg eher noch gepusht. Vielleicht sollte man das bei der nächsten großangelegten kulturkämpferischen Operation mitbedenken.
5. Ich habe den Film gesehen, weil ich ihn für relevant halte. Auch nach dem Sehen bin ich dieser Ansicht, auch wenn ich nicht jede Entscheidung des Films deswegen gutheiße. Die Diskussion um den Film zeigt, dass die Rechte mittlerweile (endlich!) ein Faktor im kulturellen Bereich ist. Aber ähnlich wie bei der Diskussion um die Weltmeisterschaft und die »Mannschaft« glaube ich nicht, dass man sich mit einer totalen Ablehnungshaltung einen Gefallen macht.
Only a vanguard can mention these sorts of issues, because only a vanguard is unafraid to deal with the thought of not being nice. These ideas afflict and paralyze our people to a degree which is quite extraordinary.
Um dieser Bauernromantik irgendeinen politischen Aspekt abgewinnen zu können, muss man völlig aus der Zeit gefallen sein. Dass so etwas mit Wohlwollen aufgenommen wird, zeigt dass die Rechte oft nicht mehr als ein Milieu der Wehmut ist. Die Geschichte wird darüber hinwegrollen.
🗝️ Das nächste geheime Fest liegt hinter uns.
Nach @ChristianIllner und @shlomo96, waren diesmal Götz Kubitschek und @VolkerZierke unsere Gäste.
📖 Sie lasen aus ihren letzten Büchern und sprachen über die Verzauberung der Welt, über Grenzerlebnisse und über das, was es zu erschweigen gilt.
🍻Das nächste geheime Fest und die nächsten Gäste lauern schon - nicht nur um zu diskutieren, sondern auch um vorher und nachher das rechte Leben zu feiern.