@W0LL33 Ach nee, nur die Deutschen nicht: Die Importe von russischem LNG in die EU haben im ersten Halbjahr 2026 einen historischen Höchststand erreicht. Angetrieben wird dieser Boom maßgeblich durch Frankreich, Belgien und Spanien. Aber klar, der Russe war's, sagt eine Russophober.
@MikiGermany Die Atomwaffen haben der Ukraine nie gehört, die Abschusscods lagen in Moskau. Sind Sie auch der Überzeugung die 10 bis 20 US-amerikanische Atomwaffen des Typs B61 gehören Deutschland?
Zur Klarstellung an unsere lieben Bild-Redakteure
Es gab keinen Gaskrieg Putins. Die Behauptung, der Kreml habe Deutschland gezielt erpresst, ist eine politische Konstruktion, die Bild zu Unterstützung der Altparteien zusammenbastelt.
Die Bild-Zeitung berichtet am 11. September 2026 unter Berufung auf Angaben des Bundesfinanzministeriums, „Putins Gaskrieg“ habe den deutschen Staat 50,4 Milliarden Euro gekostet – umgerechnet rund 1.100 Euro je Steuerzahler. Vier Jahre nach dem sogenannten Doppelwumms der damaligen Ampel-Regierung werde nun klar, wie teuer die russische „Erpressung“ gewesen sei. Diese Darstellung ist unzutreffend. Sie verdreht Ursache und Wirkung und entlastet diejenigen, die die entscheidenden politischen Weichenstellungen vorgenommen haben.
Russland hat über Jahrzehnte zuverlässig Erdgas nach Deutschland geliefert. Die Verträge waren langfristig, die Infrastruktur stand. Erst nach dem Beginn des Krieges in der Ukraine und den darauf folgenden westlichen Sanktionen veränderte sich die Lage. Gazprom reduzierte die Mengen über Nord Stream 1 und stellte die Lieferungen schließlich ein. Die offizielle Begründung lautete technische Probleme, insbesondere eine in Kanada festgehaltene Turbine, deren Rückführung durch Sanktionen erschwert oder verhindert wurde. Ob diese Begründung vollständig oder vorgeschoben war, ist eine legitime Streitfrage. Sie ändert jedoch nichts an der Reihenfolge der Ereignisse: Zuerst kamen Sanktionen, eingefrorene russische Vermögenswerte und die Weigerung, Zahlungsmodalitäten anzupassen. Erst danach kam die Drosselung.
Einen „Gaskrieg“ im Sinne eines einseitigen, von Moskau vom Zaun gebrochenen Angriffs auf die deutsche Energieversorgung hat es in dieser Form nicht gegeben. Russland hat auf Maßnahmen reagiert, die der Westen selbst beschlossen hat. Wer Verträge politisiert, Sanktionen verhängt und gleichzeitig erwartet, dass der Vertragspartner unverändert liefert, handelt nicht als Opfer, sondern als Akteur.
Hinzu kommt die Zerstörung der Nord-Stream-Pipelines im September 2022. Zum Zeitpunkt der Sprengungen waren die Leitungen bereits nicht mehr im vollen Betrieb. Die Sabotage hat eine physische Verbindung zerstört, deren Wiederherstellung bis heute politisch blockiert oder zumindest nicht ernsthaft betrieben wird. Wer den Schaden ausschließlich Putin zuschreibt, blendet aus, dass die Leitungen einem Dritten zum Opfer fielen und dass Teile der westlichen Politik diese Infrastruktur ohnehin nicht mehr nutzen wollten.
Die genannten 50,4 Milliarden Euro sind reale Ausgaben. Sie entstanden jedoch nicht durch eine russische Offensive, sondern durch die deutsche und europäische Reaktion: Strom- und Gaspreisbremsen, teure LNG-Ersatzbeschaffung, beschleunigte Infrastrukturprojekte und die Absicherung einer Energiewende, die bereits vor 2022 durch den Atomausstieg und die unzureichende Absicherung der Grundlast verwundbar war. Diese Kosten sind hausgemacht. Sie wären geringer ausgefallen, hätte man vertragliche Lieferbeziehungen nicht vorsätzlich aufs Spiel gesetzt und gleichzeitig die eigene Erzeugungskapazität weiter eingeschränkt.
Die Narrative vom „Gaskrieg“ erfüllt eine politische Funktion. Sie lenkt von der Verantwortung derjenigen ab, die Energiepolitik ideologisch betrieben, Abhängigkeiten geschaffen und anschließend mit moralischer Rhetorik überdeckt haben. Sie rechtfertigt nachträglich teure Rettungspakete und lenkt den Blick auf einen äußeren Schuldigen, statt die eigene Fehlkalkulation zu benennen.
Putin hat Deutschland nicht in einen Gaskrieg gezwungen. Merz und Vorgänger haben sich in eine Lage manövriert, in der teures Flüssiggas, industrielle Standortverluste und milliardenschwere Ausgleichszahlungen die Folge waren. Die Zahlen des Finanzministeriums dokumentieren diese Kosten. Sie belegen jedoch nicht die Schuld, die ihnen zugeschrieben wird. Wer die Meldung der Bild-Zeitung ungeprüft übernimmt, wird an der Nase herumgeführt.