Deutschland ignoriert seine eigenen Verstrickungen, während die USA noch über die geschwärzten Epstein-Akten streiten.
Wie viele Namen müssen noch fallen? In den US-Akten steht ein neunjähriges Mädchen – doch in Deutschland will offenbar kaum einer wissen, wer diejenigen finanziert hat oder sich politische Vorteile von denen versprach, die dieses Kind missbrauchten.
Heute muss die amerikanische Justizministerin Pam Bondi vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses aussagen. Ab 16 Uhr unserer Zeit. Es ist eine sogenannte Oversight-Anhörung – die parlamentarische Kontrolle der Regierung durch den Kongress, ein Grundpfeiler der amerikanischen Demokratie. Der Justizausschuss hat das verfassungsmäßige Recht, jedes Ministerium und dessen Leitung zu befragen. Und der Ausschuss hat Fragen.
Der Journalist Aaron Parnas, der seit Monaten eng mit Überlebenden von Epsteins Missbrauch zusammenarbeitet, berichtet allerdings, dass republikanische Ausschussmitglieder angewiesen wurden, bei der Anhörung KEINE Fragen zu den Epstein-Akten zu stellen. Sie sollen sich auf die „positiven Leistungen“ von Bondi konzentrieren. Das berichteten Epstein-Überlebende, die sich zuvor mit republikanischen Abgeordneten getroffen hatten. In diesen Treffen hatte man ihnen versichert, man werde Bondi „harte Fragen“ stellen. Danach kam die Ansage von oben: keine Epstein-Fragen.
Es wird also auf die Demokraten ankommen. Und die haben sich vorbereitet. Allen voran Jamie Raskin.
Raskin ist der ranghöchste Demokrat im Justizausschuss. Am Montag saß er stundenlang in einem abgeschirmten Raum im Justizministerium – vier Computer, keine Telefone, keine Mitarbeiter, nur handschriftliche Notizen erlaubt – und sichtete zum ersten Mal die ungeschwärzten Epstein-Akten. Was er fand, nannte er „verstörend“. Nicht wegen der Inhalte allein, sondern wegen der Art, wie das Justizministerium damit umgegangen ist.
Die Opfernamen in 3.000 Seiten: NICHT geschwärzt. Nacktfotos von Opfern: NICHT geschwärzt. Dafür die Namen von mutmaßlichen Tätern und Mitwissern: geschwärzt. Ohne erkennbaren Grund. Ohne rechtliche Grundlage.
Raskin sagte vor Kameras: „Tonnenweise völlig unnötige Schwärzungen.“ Das Justizministerium befinde sich „im Vertuschungsmodus“.
Trumps Name war an zahllosen Stellen geschwärzt. Darunter ein Mailwechsel zwischen Epsteins Anwälten und Trumps Anwälten aus dem Jahr 2009 über Epsteins Besuche in Mar-a-Lago. In diesem Mailwechsel wird Trump damit zitiert, Epstein sei kein Mitglied seines Clubs gewesen, wohl aber Gast – und man habe ihn nie gebeten zu gehen. Das ist das exakte Gegenteil dessen, was Trump seit Jahren behauptet: Er habe Epstein rausgeworfen. Diese Passage war geschwärzt. Warum?
Thomas Massie, Republikaner aus Kentucky und einer der beiden Autoren des Epstein Transparency Act – also des Gesetzes, das die Veröffentlichung der Akten erzwungen hat –, fand in nur zwei Stunden die Namen von mindestens sechs Männern, deren Identitäten in der öffentlichen Version geschwärzt worden waren. Darunter mindestens ein US-Bürger. Ein hochrangiger ausländischer Regierungsvertreter. Und drei oder vier weitere, deren Nationalität Massie und sein demokratischer Co-Autor Ro Khanna nicht sofort bestimmen konnten. Einer davon, so Khanna, sei „eine ziemlich prominente Persönlichkeit.“
Und dann sagte Raskin noch etwas, das man nicht vergessen sollte: Er sah in den Akten Verweise auf Mädchen im Alter von 17, 16, 14, 11, 10 Jahren. Und auf ein neunjähriges Mädchen.
Von den sechs Millionen identifizierten Seiten hat das Justizministerium 3,5 Millionen veröffentlicht. Drei Millionen hält es zurück. Todd Blanche, der stellvertretende Justizminister, behauptet, man habe „nichts zu verbergen“ und sei „der Transparenz verpflichtet.“ 500 Mitarbeiter hätten die Schwärzungen vorgenommen. Gleichzeitig hat der Oversight-Ausschuss des Repräsentantenhauses Bondi per Subpoena – einer Vorladung mit Zwangscharakter – zur Herausgabe aller ungeschwärzten Akten aufgefordert. Bondi ignoriert diese Vorladung. Ein Antrag, sie wegen Missachtung des Kongresses zu belangen, wurde von den Republikanern blockiert.
Selbst im angeblich „ungeschwärzten“ Leseraum des Justizministeriums waren Dokumente immer noch geschwärzt.
Und hier wird es strukturell wichtig. Massie und Khanna stellten nach ihrer Einsicht eine entscheidende Frage: Woher kamen die Schwärzungen, die sie selbst im angeblich ungeschwärzten Raum noch vorfanden?
Khanna sagte: „Ich dachte, wir sollten die ungeschwärzten Versionen sehen.“ Beide vermuteten, dass die Dokumente bereits geschwärzt beim DOJ angekommen waren – vom FBI oder von einer Grand Jury.
Das klingt technisch. Ist es aber nicht. Es ist der Kern des Skandals.
Denn das FBI untersteht direkt dem Präsidenten. FBI-Direktor ist Kash Patel, Trumps handverlesener Mann. Wenn das FBI die Akten schwärzt, BEVOR sie ans Justizministerium gehen, dann kann Bondi vor dem Ausschuss sitzen und mit aufrichtiger Miene sagen: Wir haben nichts geschwärzt, die Akten kamen so bei uns an. Und das FBI schweigt.
Rachel Maddow hat diesen Mechanismus am Sonntagabend in ihrer Sendung seziert: Die Schwärzungskette läuft vom FBI – das Trump kontrolliert – über das DOJ – das Bondi und Blanche leiten – in den Leseraum des Kongresses. An jeder Stelle kann geschwärzt werden. An keiner Stelle ist jemand verantwortlich. Das ist keine Schlamperei. Das ist – bestenfalls – strukturelles Versagen oder sogar die Architektur eines Systems.
Massie formulierte es diplomatisch: Er hoffe, das Problem könne „behoben“ werden. Aber er ist kein naiver Mann. Er hat das Gesetz geschrieben. Er weiß, was er gesehen hat. Und er weiß, wer die Macht hat, Dokumente zu schwärzen, bevor sie irgendjemand zu Gesicht bekommt.
Ghislaine Maxwell, Epsteins engste Komplizin, verurteilte Kinderhändlerin, berief sich bei ihrer Anhörung am Montag auf ihr Recht, die Aussage zu verweigern. Ihr Anwalt sagte anschließend, sie werde nur dann „einen vollständigen Bericht liefern“, wenn Trump sie begnadigt.
20 Überlebende von Epsteins Missbrauch haben Bondi einen offenen Brief geschrieben, mit 15 Fragen. Ein Satz daraus: „Diese Veröffentlichung bringt keinen Abschluss. Sie fühlt sich an wie ein bewusster Versuch, Überlebende einzuschüchtern, diejenigen zu bestrafen, die den Mut hatten auszusagen, und dieselbe Kultur der Geheimhaltung zu zementieren, die Epsteins Verbrechen jahrzehntelang ermöglicht hat.“
Ein anderer: „Überlebende werden bloßgestellt, während ihre Peiniger verborgen und geschützt bleiben.“
Soweit die USA. Trumps Justizministerium vertuscht aktiv. Aber die Mauer bröckelt. Weil es auf beiden Seiten des Kongresses Abgeordnete gibt, die sich nicht kaufen lassen – Massie ist Republikaner, Khanna Demokrat, beide haben das Gesetz geschrieben. Weil es sechs Millionen Seiten gibt, von denen jede einzelne eine Bombe mit Zeitzünder ist.
Und weil 20 Frauen, die als Kinder vergewaltigt wurden, nicht aufhören werden für sich und all die Opfer zu kämpfen, deren Namen wir überhaupt noch nicht kennen, wie das neunjährige Mädchen.
Und in Europa? Da bewegt sich etwas. Überall. Außer bei uns.
Norwegen: Die Kronprinzessin Mette-Marit hat sich öffentlich entschuldigt. Das Parlament plant eine Untersuchungskommission. WEF-Präsident Børge Brende wird unabhängig untersucht.
Slowakei: Außenminister Lajčák ist zurückgetreten.
Großbritannien: Starmer wackelt, weil er Mandelson trotz Epstein-Wissen zum Botschafter machen wollte. Die Londoner Polizei ermittelt. Andrew wurde der Königstitel entzogen.
Lettland: Ermittlungen eingeleitet.
Polen: Untersucht Epsteins Verbindungen zum russischen Geheimdienst.
Frankreich: Jack Lang hat sein Amt aufgegeben.
Und Deutschland?
In Deutschland beschäftigen sich die Medien damit, dass Ghislaine Maxwell einen deutschen Presseausweis hatte, der inzwischen als Fälschung bestätigt wurde.
Dass Deutschland ein eigenes Epstein-Problem hat – davon will niemand etwas wissen. Dabei liegt es offen da. Man muss nur hinschauen.
Die Deutsche Bank war von 2013 bis 2018 Jeffrey Epsteins Hausbank. Nicht irgendeine Bankverbindung – seine HAUPTBANK. Über 40 aktive Konten. Er war „Key Client“, besonders wichtiger Kunde. JP Morgan, Amerikas größte Bank, hatte Epstein kurz zuvor rausgeworfen – zu riskant. Die Deutsche Bank hat ihn mit offenen Armen aufgenommen. In einem internen Dokument von 2013 hielten die Mitarbeiter fest: Jeffrey Epstein ist in Florida als Sexualstraftäter registriert. Sie haben ihn trotzdem genommen. Ihn als „Hochrisiko-Kunden“ eingestuft – und dann gefeiert.
Das Handelsblatt hat interne E-Mails der Deutschen Bank ausgewertet, die Teil der Epstein-Akten sind. Januar 2015. Ein Kundenbetreuer der Vermögensverwaltung schreibt an den damaligen globalen Vertriebschef Dario Schiraldi: „Dario – das ist das Geschäft, von dem ich dir vorhin erzählt habe. Gerade mit Epstein abgeschlossen, 20 Minuten nachdem ich die E-Mail verschickt habe.“ Die damalige Amerika-Chefin für die Betreuung vermögender Kunden antwortet: „Vier Abschlüsse mit diesem Kunden in den vergangenen drei Wochen! Jetzt benötigen wir mehr solche Kunden. Weiter so!“
Mehr solche Kunden. Wie Jeffrey Epstein. Den verurteilten Kinderschänder.
Was lief über diese 40 Konten? Eine 53-seitige Präsentation der Deutschen Bank an die New Yorker Staatsanwaltschaft aus dem Jahr 2019 listet unter der Überschrift „Zusammenfassung von Zahlungen an offenbar ausländische Models“ insgesamt 181 Zahlungen an 28 sogenannte „Models“ auf. Gesamtsumme: 874.649 Dollar. Dazu 800.000 Dollar Bargeldabhebungen in vier Jahren. Dazu Anwaltskosten für „Mitverschwörer“, die Epstein über seine Konten bei der Deutschen Bank bezahlte. Drei „potenzielle Vergleichszahlungen“ in Höhe von insgesamt 7,5 Millionen Dollar – meistens ging es um Missbrauchsvorwürfe.
Das US-Justizministerium stellte fest: Die Deutsche Bank unternahm „nichts oder nur sehr wenig, um Zahlungen an Verdächtige zu untersuchen oder zu verhindern.“
2020 zahlte die Deutsche Bank 150 Millionen Dollar Strafe an die New Yorker Finanzaufsicht. 2023 weitere 75 Millionen Dollar an Epsteins Opfer, um eine Sammelklage wegen Ermöglichung von Menschenhandel abzuwenden. Die Aktie brach letzte Woche um fünf Prozent ein, als die neuen Details bekannt wurden. Das Handelsblatt kommentierte: „Die Verstrickung der Bank mit dem Sexualstraftäter zeugt von einer derart abschreckenden Mischung aus Fahrlässigkeit und Skrupellosigkeit, dass sie das Vertrauen in das Institut bis heute erschüttert.“
Und was sagt die Deutsche Bank? „Wir bedauern unsere damalige Geschäftsbeziehung zu Epstein zutiefst. Die Deutsche Bank hat aus diesem Fehler gelernt.“
Fehler. Dieselbe Bank, die letzte Woche wegen ihrer Kontakte zum russischen Oligarchen Abramowitsch durchsucht wurde. Muster, anyone?
Hinzu kommt: Epstein suchte aktiv Kontakte nach Russland. Die New York Times berichtete gestern, dass er sich mit russischen Offiziellen vernetzte, darunter einem stellvertretenden Wirtschaftsminister mit Geheimdiensthintergrund.
Er versuchte wiederholt, ein Treffen mit Putin zu arrangieren. Er brachte junge Frauen aus Russland nach Europa und in die USA. Polen hat deshalb eine Untersuchung der Epstein-Geheimdienstverbindungen angekündigt.
Marc Henrichmann, der Vorsitzende des deutschen Geheimdienste-Kontrollgremiums, warnt vor „erheblichem Kompromittierungs- und Erpressungspotential.“ Aber eine deutsche Untersuchung? Fehlanzeige.
Nur, die Deutsche Bank ist nicht die einzige deutsche Verbindung.
Nicole Junkermann ist Unternehmerin und Investorin, international vernetzt, bewegt sich in den höchsten Kreisen von Technologie und Wirtschaft. Ihr Name taucht in den Epstein-Files so häufig auf wie kaum ein anderer deutscher Name. t-online hat die Mails ausgewertet: Junkermann und Epstein schrieben sich über Jahre hinweg, manchmal im Minutentakt. Epstein stellte ihr Kontakte zu Bill Gates her, vermittelte Treffen mit dem Umfeld von Peter Thiel. Auch Junkermann stellte Epstein ihrerseits Kontakte her. Auf Anfragen reagierte nicht sie, sondern eine auf Medienrecht spezialisierte Anwaltskanzlei. Ohne auf die Fragen einzugehen.
Joscha Bach, geboren 1973 in Weimar, ist KI-Forscher und in der internationalen Tech-Szene bekannt. Bei einem Abendessen stellte Epstein ihn dem ehemaligen US-Finanzminister Larry Summers vor:
„Joscha Bach, my AI guy I brought from Berlin.“ Bach erhielt laut Recherchen von Spiegel, ZDF und dem Wiener Standard über eine Million Dollar von Epstein.
Nicht nur für Forschung – auch für Miete, Flüge und das Schulgeld seiner Kinder an einer Privatschule in Kalifornien. Bach war auf Epsteins Insel. In einer Mail einer Freundin, adressiert an Bach und Epstein, ist von „High-Profile-Inselorgien“ die Rede.
In Mails an Epstein schrieb Bach, schwarze Kinder hätten eine „langsamere kognitive Entwicklung“, Frauen fänden „abstrakte Systeme langweilig“, und Faschismus sei „wahrscheinlich die effizienteste Regierungsform, wenn man ihn nachhaltig hinbekommt.“
Heute sagt Bach, er habe von Epsteins Verbrechen „keinerlei Kenntnis“ gehabt und sei „zutiefst schockiert.“
Steve Bannon, Trumps ehemaliger Chefstratege, schrieb Epstein in Chatverläufen, die der Spiegel ausgewertet hat, dass er die AfD berate – neben dem französischen Front National, Salvinis Lega, Orbán und Farage. Bannon traf sich mit Alice Weidel, Tino Chrupalla und dem mittlerweile aus der AfD ausgetretenen Jörg Meuthen.
Beide – Bannon und Epstein – wollten Merkel stürzen und die europäische Rechte aufbauen. Nach dem Rücktritt von Theresa May schrieb Epstein an Bannon: „good work.“ Bannon antwortete: „Merkel and Macron on Monday.“
Apropos Bannon. Wusste eigentlich Jens Spahn all das, als er 2017 bei Bannon im Weißen Haus saß?
Wahrscheinlich nicht. 2017 wusste die Öffentlichkeit nichts über Bannon-Epstein. Bannon war damals „nur“ Trumps Chefstratege und Chef des abscheulichen Hetzblattes Breitbart. Dass er parallel hundertfach mit einem verurteilten Kinderschänder korrespondierte, wurde erst ab Herbst 2025 bekannt.
ABER – und das ist der Punkt, der für unsere Betrachtung wichtig ist:
Spahn traf Bannon 2017.
Bannon traf 2017-2019 regelmäßig Epstein.
Bannon beriet laut eigener Aussage an Epstein die AfD.
Bannon versuchte mit Epstein, Merkel zu stürzen. Spahn sagte beim Republikanerparteitag 2024, er sehe „viele Gemeinsamkeiten“ mit Trump.
Es ist eigentlich völlig egal, ob Spahn 2017 wusste, dass Bannon mit Epstein verkehrte.
Aber jetzt weiß er es.
Konkret seit November 2025, als die Demokraten im Oversight Committee erstmals sechs Seiten veröffentlichten, die Epsteins Meetings mit Thiel, Musk und Bannon zeigten plus nach den ebenfalls 2025 veröffentlichten E-Mails, die die Arbeitsbeziehung Bannon-Epstein erstmals sichtbar machten: Europa-Strategie, Rehabilitierungspläne, „There are many leaders of countries we can organize for you“.
Und was hat der Fraktionschef der Regierungspartei seitdem dazu gesagt? Hat er sich distanziert? Hat er erklärt, warum er sich in einem Netzwerk bewegt, dessen Knotenpunkte (Bannon, Thiel, Angermayer) alle in den Epstein-Akten auftauchen? Hat er gefordert, dass sich Deutschland dringend um Aufklärung bemühen muss?
Das ist die Frage, die offenbar keiner stellen will. Nicht ob Spahn davon wusste. Sondern warum er jetzt schweigt, wo er es weiß.
Und das ist der Punkt, der mir am wichtigsten ist.
Es geht nicht darum, ob irgendjemand von den hier Genannten selbst Kinder missbraucht hat.
Nicht jeder Name in den Akten bedeutet eine Straftat.
Aber.
Jeffrey Epstein wurde 2008 verurteilt. Als Sexualstraftäter. In Florida öffentlich registriert. Level 3 – höchstes Rückfallrisiko. Das war keine Geheimakte. Das war eine öffentlich zugängliche Information.
Jeder, der nach 2008 Geschäfte mit diesem Mann machte, sein Geld nahm, an seinem Tisch saß, seine Kontakte nutzte, seine Türen durchschritt, muss sich die Frage gefallen lassen: War es dir egal? Hast du an einem Kinderschänder verdient? Waren dir die missbrauchten Mädchen schlicht scheißegal, solange die Kontakte stimmten, die Deals liefen, die Karriere lief?
Jeder Kontakt zu Epstein nach 2008 ist Salzsäure. Das frisst sich durch jeden Lebenslauf, durch jede Reputation, durch jede Verteidigungslinie. Es gibt kein „Ich wusste von nichts.“
Die Verurteilung war öffentlich. Wer trotzdem mit ihm verkehrte, hat sich entschieden. Und diese Entscheidung wird nicht verschwinden, nur weil man in Deutschland gerade beschlossen hat, nicht hinzuschauen.
Denn wenn die restlichen drei Millionen Seiten veröffentlicht werden – und sie werden veröffentlicht, weil es ein Gesetz gibt, weil Massie und Khanna nicht aufhören werden, weil Raskin sich durch die Akten gräbt, weil 20 Frauen 15 Fragen an die Justizministerin geschrieben haben, weil ein neunjähriges Mädchen in den Akten steht – dann wird jeder Name dort stehen. Auch die deutschen.
Und was macht Deutschland?
Konstantin von Notz, Grüne, fordert, dass deutsche Staatsanwaltschaften sich die Akten anschauen. Marc Henrichmann, CDU, Vorsitzender des Geheimdienste-Kontrollgremiums, sagt, die Enthüllungen böten „erhebliches Kompromittierungs- und Erpressungspotential.“ Sebastian Fiedler, SPD, hält deutsche Bezüge für „keineswegs ausgeschlossen.“
Zwei, drei Abgeordnete, die richtige Sätze sagen. Keine Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Kein Untersuchungsausschuss. Keine Regierungserklärung.
In Norwegen eine Untersuchungskommission. In der Slowakei ein Rücktritt. In Lettland Ermittlungen. In Polen eine Geheimdienstuntersuchung. In Großbritannien wackelt die Regierung.
In Deutschland hat die Deutsche Bank ihre Lektion gelernt. Nicole Junkermann schickt einen Anwalt. Joscha Bach ist zutiefst schockiert. Und der Bundestag schließt die Augen.
Die deutsche Reaktion auf den Epstein-Skandal ist die deutsche Reaktion auf alles. Wegschauen. Aussitzen. Bedauern. Lektion gelernt. Nächstes Thema.
Nur dass es kein nächstes Thema geben wird. Es gibt sechs Millionen Seiten. Es gibt ein Gesetz. Es gibt Abgeordnete, die sich nicht kaufen lassen. Es gibt 20 Frauen, die nicht aufhören werden. Und es gibt Kinder, die neun Jahre alt waren.
Die Frage ist nicht, ob es Deutschland trifft. Die Frage ist, wann. Und ob wir dann wieder sagen werden: Wir haben unsere Lektion gelernt.
Hunde bei 30 C Außentemperatur fast eine Stunde im Auto eingeschlossen. 😓
Warum machen Menschen so etwas grauenvolles?
Zur Strafe sollte man die Besitzer auch eine Stunde im überhitzten Auto einsperren. 😡👹