Wer vor der AfD warnt, schwächt sie nicht. Er füttert sie.
@GrimmVeronika bringt es im “Kölner Stadt-Anzeiger” auf den Punkt: Warnrufe ersetzen keine Reform. Sie kaschieren nur deren Fehlen. Drei Politikfelder nennt sie: Bildung, Regulierung, Arbeitsmarkt. Drei Politikfelder, die seit Jahren auf der Liste stehen und nie oben ankommen.
Das ist keine ökonomische Petitesse. Das ist eine Frage der Macht. Wer regiert, ohne zu gestalten, überlässt das Deutungsfeld denen, die wenigstens behaupten zu gestalten. Kassandra hatte immer recht und wurde trotzdem nie gehört. Vielleicht liegt der Fehler nicht bei der Botin, sondern bei denen, die seit Jahren nichts liefern außer der nächsten Warnung.
Reformstau. Verwaltungsstau. Vertrauensstau.
Wer wundert sich noch über Umfragewerte?
Zwanzig Prozent. Wer das noch eine Delle nennt, belügt sich selbst. Die Union stürzt im aktuellen Insa-Sonntagstrend auf ihren tiefsten Wert seit Oktober 2021, während die AfD unverändert bei 28 Prozent verharrt. Das eigentliche Drama liegt nicht im Vorsprung der Opposition. Es liegt darin, dass eine Regierungspartei ihre eigene Basis verliert, Woche für Woche, Punkt für Punkt.
Acht von zehn Befragten sind laut Insa mit der Arbeit des Kanzlers unzufrieden, ein Höchstwert seit Amtsantritt. Und das ist kein Ausreißer eines einzelnen Instituts, den man wegdiskutieren könnte. Der ARD-Deutschlandtrend zeigt bereits seit Anfang August mit 21 Prozent den schwächsten Wert seit November 2021. Zwei Institute, zwei Wochen, ein Befund: Diese Koalition verliert nicht an Umfragewerten. Sie verliert das Recht, sich Regierung zu nennen, im vollen Sinn des Wortes.
Eine Regierung ohne Rückhalt verwaltet nicht mehr, sie überwintert. Sie verhandelt nicht, sie duckt sich weg. Jede Reform, die Deutschland wirtschaftlich wieder wettbewerbsfähig machen soll, braucht politisches Kapital. Und dieses Kapital ist aufgebraucht, noch bevor die eigentliche Arbeit begonnen hat.
Schwache Umfragen. Ein Kanzler ohne Rückendeckung. Ein Koalitionspartner im Überlebensmodus. Wer glaubt eigentlich noch, dass aus dieser Lähmung die Kurskorrektur kommt, die dieses Land wirtschaftspolitisch braucht?
Der Treppenwitz der Woche kommt aus Düsseldorf. Ein grünes Wirtschaftsministerium, gebaut, um Standort und Wohlstand zu sichern, macht sich über Menschen lustig, die an der Zapfsäule rechnen müssen. “Sollen sie doch E-Autos kaufen” ist keine neue Pointe. Marie-Antoinette hatte für den Hunger des Volkes auch nur ein Achselzucken übrig. Der Unterschied: sie musste dafür nicht mal selbst bezahlen. Wer regiert, ohne die Rechnung der Regierten zu kennen, verwaltet nicht mehr, er verhöhnt. Ist das noch Wirtschaftspolitik, oder nur noch Kommunikationsabteilung mit Ministerium drumherum?
Wer zweimal Ja sagt, kann hinterher schlecht Nein meinen. Genau das versucht die Union gerade bei Klingbeils Steuerplänen. Erst die Empörung über zu kleine Entlastungen. Dann der Rückzieher bei den Steuererhöhungen zur Gegenfinanzierung, die angeblich nie final beschlossen waren. Interne Mails zwischen Kanzleramt und Finanzministerium, die dem Handelsblatt vorliegen, erzählen eine andere Geschichte: zweimal zugestimmt, zweimal öffentlich bestritten.
Das ist kein Steuerstreit mehr. Das ist ein Offenbarungseid über Verlässlichkeit.
Wer in Interviews Entlastung verspricht und in Verhandlungsräumen Erhöhungen mitträgt, verliert nicht nur Vertrauen beim Koalitionspartner. Er verliert es bei jedem, der genau hinschaut.
Vergessliche Verhandler. Beschlüsse mit Verfallsdatum. Eine Koalition, die sich die eigenen Kompromisse nicht mehr zutraut.
Wie soll man einer Regierung vertrauen, die sich nicht mehr erinnert, was sie selbst unterschrieben hat?
27 Gigawattstunden Batteriespeicher stehen heute in Deutschland. 400 Gigawattstunden soll das Land 2045 brauchen, folgt man der Fraunhofer-Systemstudie zum klimaneutralen Stromsystem. Vierzehnmal so viel, in nicht einmal zwanzig Jahren.
Ein Maßstab hilft, um die Zahl zu greifen. Deutschlands gesamte Pumpspeicherkraft, in über hundert Jahren gebaut, kommt heute auf rund 40 Gigawattstunden. Das Zielbild für 2045 verlangt das Zehnfache davon, überwiegend in Batterien, nicht in Wasserkraft, denn neue Standorte für Pumpspeicher gibt es in Deutschland kaum noch. Umgerechnet entsprechen 400 Gigawattstunden rund siebeneinhalb Stunden durchschnittlichem deutschen Stromverbrauch, gespeichert und binnen Sekunden abrufbar. Keine Jahresreserve, aber ein Puffer in einer völlig anderen Liga als heute.
Realistisch ist das nicht automatisch, aber auch nicht utopisch. 2025 kamen rund 6,5 Gigawattstunden neue Batteriekapazität hinzu, für 2026 rechnet die Branche mit 8 bis 10 Gigawattstunden. Um 2045 zu erreichen, muss sich dieses Tempo etwa verdoppeln, und zwei Jahrzehnte durchhalten, nicht nur zwei gute Quartale.
Parallel dazu schreibt die Bundesregierung zwölf Gigawatt neue Gaskraftwerkskapazität aus, mit Vergütungsgarantie ab 2031. Zwei Technologien, ein Ziel, radikal unterschiedliche Förderlogik. Die eine bekommt einen staatlich organisierten Kapazitätsmarkt. Die andere wächst am freien Markt, an Netzentgelten und Regulierungsunsicherheit vorbei, so gut es eben geht.
Das ist kein Plädoyer gegen jede Absicherung. Mehrtägige Dunkelflauten lassen sich mit Batterien allein nicht überbrücken, dafür braucht es Wasserstoff oder Methan, auch das zeigen die Modelle. Aber so wird das ganz sicher nichts.
Ist das eine Kapitulation vor den eigenen Zielen? Wurde eingesehen, dass das Unterfangen teuer ist?
@facts_arefacts das sehe ich anders. Zumindest wenn sie meinen, dass wir 100% auf EE sind.
Für 100% EE brauchen wir vor allem eines. SPEICHER.
27 Gigawattstunden Batteriespeicher stehen heute in Deutschland. 400 Gigawattstunden soll das Land 2045 brauchen, folgt man der Fraunhofer-Systemstudie zum klimaneutralen Stromsystem. Vierzehnmal so viel, in nicht einmal zwanzig Jahren.
Ein Maßstab hilft, um die Zahl zu greifen. Deutschlands gesamte Pumpspeicherkraft, in über hundert Jahren gebaut, kommt heute auf rund 40 Gigawattstunden. Das Zielbild für 2045 verlangt das Zehnfache davon, überwiegend in Batterien, nicht in Wasserkraft, denn neue Standorte für Pumpspeicher gibt es in Deutschland kaum noch. Umgerechnet entsprechen 400 Gigawattstunden rund siebeneinhalb Stunden durchschnittlichem deutschen Stromverbrauch, gespeichert und binnen Sekunden abrufbar. Keine Jahresreserve, aber ein Puffer in einer völlig anderen Liga als heute.
Realistisch ist das nicht automatisch, aber auch nicht utopisch. 2025 kamen rund 6,5 Gigawattstunden neue Batteriekapazität hinzu, für 2026 rechnet die Branche mit 8 bis 10 Gigawattstunden. Um 2045 zu erreichen, muss sich dieses Tempo etwa verdoppeln, und zwei Jahrzehnte durchhalten, nicht nur zwei gute Quartale.
@OstseeObserver Worst case: wir nehmen noch mehr Schulden auf um die Zinsen zu bezahlen 🤦🏻
Wir nennen das dann nicht Schulden sondern „Wachstumsschild“.
Generell hast du recht.
Allerdings nimmst du dir mit der Einstellung auch die Möglichkeit es zu etwas zu bringen.
Nur wer jeden Tag ein bisschen mehr macht als andere, kann erfolgreich sein.
Alfred Herrhausen war einst Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Sein Vater sagte ihm „Sohn, du bist mindestens durchschnittlich Intelligent, wenn du jeden Tag etwas mehr machst als die anderen, wirst du es weit bringen.“
Und so war es dann auch.
Ich kann nur jedem empfehlen ordentlich Gas zu geben. Nicht für den Chef. Nicht fürs Unternehmen. Sondern für sich. Am Ende sind das natürlich die gleichen Sachen.
@WohlstandsWal Absolut richtig. Und dann kommt da noch sowas drauf. Kostet auch viel. Wie war der Name doch gleich. Ach ja Zinsen😂
Die kannst du nicht mal absetzen 🤦🏻
97.000 Deutsche mehr raus als rein, 2025.
Rekordabwanderung, während gleichzeitig die Zuwanderung um 45 Prozent einbricht.
Das Problem ist nicht per se Migration.
Das Problem ist, dass der Staat zwischen Bedarf und Anerkennung eine Bürokratie baut, die schneller wächst als jede Fachkräftelücke.
Das Problem ist, dass zu viele Menschen ohne einen Marktabgleich kommen - brauchen wir den Skill der Person die zu uns kommen will (hat sie überhaupt einen Skill).
Das Problem ist, wie du schon geschrieben hast, dass gut ausgebildete Menschen diesem Land den Rücken kehren. Die Gründe sind mannigfaltig. Wir alle kennen sie.
Reinhold Würth erbte 1954 zwei Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 80.000 DM. Heute beschäftigt sein Konzern über 86.000 Menschen in 80 Ländern. Für manch einen zählt trotzdem nur ein Wort: geerbt. Dieselbe Kategorie für den Erben, der verwaltet, und den Erben, der aus zwei Mitarbeitern eine Weltfirma baut. Das ist keine Statistik über Ungleichheit. Das ist eine Statistik über Anfangsbuchstaben.
Wer Leistung ernst nimmt, zählt nicht den Startpunkt. Er zählt den Weg. Zwei Mitarbeiter. Achtzig Länder. Sechsundachtzigtausend Jobs. Ist das Erbe, oder ist das Lebenswerk?
10 Milliarden Euro Steuerentlastung hat die Koalition im Juli angekündigt. Was laut einem Referentenentwurf des Finanzministeriums tatsächlich ankommt: rund 2,9 Milliarden im ersten Wirkungsjahr 2027, der Rest gestreckt bis 2028. Noch nicht final beschlossen, aber die Größenordnung passt zur Erklärung des Ministeriums selbst.
245 Milliarden Euro fließen 2026 allein in soziale Sicherung, Familie und Arbeitsmarkt. Das sind 46,7 Prozent des gesamten Bundeshaushalts, mit Abstand der größte Posten. Dazu ein Finanzierungsdefizit von 98 Milliarden Euro, gedeckt durch neue Schulden.
Das ist die eigentliche Erklärung für die müde Steuerreform. Nicht Geiz gegenüber dem Steuerzahler, sondern ein Haushalt, der seine Spielräume längst verplant hat, bevor über Entlastung überhaupt gesprochen wird. Wer fast die Hälfte des Etats gebunden hat und trotzdem neue Schulden braucht, kann keine 15 Milliarden schwere Einkommensteuerreform stemmen, wie sie selbst in der Union gefordert wird.
Die kalte Progression frisst Lohnerhöhungen auf, der Staat kassiert automatisch mit. Das ließe sich beheben, mit echtem politischem Willen zur Priorisierung. Stattdessen wächst der größte Ausgabenblock weiter, während dem Bürger drei Milliarden als großer Wurf verkauft werden.
Woran soll ein Staat sparen, der bei jeder Ausgabenkürzung von Härte gegen die Schwächsten spricht, aber bei jeder Steuersenkung von Gegenfinanzierung?
Sie haben auf die Pille reagiert, wie der Rest des Westens auch. 1965 lag die Geburtenziffer in Westdeutschland bei 2,51 Kindern je Frau, 1975 bei 1,45. Zehn Jahre, ein Einbruch um fast die Hälfte, ausgelöst durch Verhütung und den Eintritt von Frauen in den Arbeitsmarkt, nicht durch eine kollektive Charakterschwäche eines Jahrgangs (das zu sagen ist reine Spekulation). Seitdem liegt die Ziffer fünfzig Jahre lang unter dem Bestanderhalt von 2,1, durch alle Generationen hindurch, auch durch die, die heute mit dem Finger zeigt. 2025 waren es 1,32.
China kopieren ist keine Strategie, sondern Kapitulation vor der eigenen.
Wer sich am chinesischen Erfolg orientiert, muss auch chinesische Mittel wollen:
Staatskapital, das ganze Industrien subventioniert.
Überkapazitäten, die Weltmärkte fluten.
Keine unabhängige Justiz, die Investitionen schützt.
Deutschland hat für diesen Preis keinen Plan B. Der Vorteil, den wir angeblich kopieren könnten, ist gar keiner.
Er ist eine Rechnung, die erst noch fällig wird: kommunale Schuldenberge,
Immobilienkrise,
demografischer Absturz.
Nicht Nachahmung schützt den Standort, sondern das Gegenteil:
Rechtssicherheit,
unabhängige Gerichte,
ein Markt, der Kapital nach Rendite lenkt statt nach Parteilinie.
Wollen wir das eine wirklich gegen das andere eintauschen?
@PhysicistBogan@sparbuchfeinde Absolut. Gezielte Zuwanderung mit Menschen die unsere Gesellschaft bereichern, da sie in den Haushalt und Sozialsystem einzahlen, ist notwendig.
Arbeitszeit ist nicht die Währung, in der Wohlstand bezahlt wird. Produktivität ist es.
Deutschland erwirtschaftet rund 88 Dollar Wertschöpfung pro Arbeitsstunde, mehr als der OECD-Schnitt von 71 Dollar. Die USA liegen bei 97 Dollar, mit deutlich längerer Arbeitszeit pro Kopf. Wer daraus schließt, wir müssten nur länger arbeiten, um mitzuhalten, verwechselt die Uhr mit dem Motor.
Die SPD kennt diesen Unterschied genau. Sie hat ihn nur falsch herum benutzt: erst die 32-Stunden-Woche als Fortschrittsversprechen verkauft, jetzt im eigenen Haus die 37-Stunden-Woche kassiert, weil die Wahlniederlage ins Budget durchschlägt. Zwischen Parteitagsrhetorik und Personalabteilung liegt offenbar eine andere Wirklichkeit.
Wer wirklich mithalten will, kämpft nicht um Stunden. Er kämpft um Kapital, das investiert wird. Um Genehmigungen, die nicht Monate brauchen. Um Bürokratie, die nicht mehr Arbeitszeit frisst, als sie verwaltet.
Drei Fronten, ein Ziel: mehr Ertrag pro Stunde, nicht mehr Stunden pro Ertrag.
Traut sich die SPD, das ihren eigenen Leuten so zu sagen, wie sie es von der Wirtschaft verlangt?
Ein Gesetz, das man sich nicht einklagen kann, ist ein Versprechen ohne Deckung. Genau das ist der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz für 300.000 Familien in Deutschland. Der Kinderwunsch liegt bei 1,76, die Realität bei 1,32, tiefster Stand seit dem Krieg. Nicht Egoismus schließt diese Lücke, sondern die Kita, die es nicht gibt, die Wohnung, die zu teuer ist, der Antrag, der drei Monate liegt. Der Staat hat sich als Ausfallbürge der Familienplanung angeboten und die Bürgschaft nicht bezahlt. Vielleicht ist nicht die Familie aus der Mode gekommen. Vielleicht ist es der Staat, der aus der Verantwortung genommen werden sollte.