@MatthiasHartel Die Morgenröthe schien wie eine Raute durch den Kranz, als der Mann geboren wurde.
Leider zähle ich mich nicht mehr zu den jungen Menschen. 😉
Ich freue mich über den Leo-Baeck-Preis für Dieter #Nuhr.
Ein FAZ-Artikel erklärt ausführlich, dass Nuhr Antisemitismus kritisiert. Das stimmt natürlich.
Wer allerdings seit Jahren Nuhr schaut, weiß:
Er kritisiert außerdem Politiker, Aktivisten, Esoteriker, Verschwörungsgläubige, Klimaretter, Klimaleugner, Medien, Bürokraten, Influencer, Genderdebatten, Religionen, sich selbst und vermutlich auch die Bedienungsanleitung seines Kaffeeautomaten.
Ihn auf ein einziges Thema zu reduzieren, wirkt ein wenig so, als würde man bei Richard Wagner feststellen, dass er gelegentlich auch Geigen verwendet hat.
Vielleicht liegt die eigentliche Leistung Nuhrs gerade darin, dass er niemandem das Monopol auf die Wahrheit zugesteht. Und genau deshalb fühlen sich regelmäßig Menschen aller politischen Richtungen gleichermaßen auf den Schlips getreten.
Für einen Kabarettisten ist das vermutlich das schönste Gütesiegel überhaupt.
Meine Partei Die Grünen organisiert Busse zur Verhinderung des AfD-Parteitags. Ich schäme mich.
Es gibt Momente, in denen man als Parteimitglied der @Die_Gruenen innehält und denkt: Meinen die das ernst?
Mein Kölner Kreisverband meint es ernst. Per Rundmail werden Mitglieder aufgerufen, in Bussen nach Erfurt zu fahren – nicht zum Protestieren, sondern um den Bundesparteitag der #AfD zu verhindern. Tickets werden bereitgestellt. Busse werden organisiert. Die Grünen als Reiseveranstalter für den Angriff auf demokratische Grundrechte.
Der Text lautet wie folgt: "Gemeinsam nach Erfurt: AfD-Bundesparteitag verhindern
Aus Köln fahren mehrere Busse zum AfD-Bundesparteitag am 4. und 5. Juli, um ein Zeichen zu setzen: AfD-Bundesparteitag verhindern..."
Man muss das sacken lassen.
Eine Partei, die sich Hüterin der Demokratie nennt, ruft dazu auf, einer anderen Partei ihren Bundesparteitag unmöglich zu machen. Nicht verboten. Nicht vom Bundesverfassungsgericht untersagt. Legal. Verfassungsrechtlich geschützt. Einfach unerwünscht – und das reicht offenbar.
Das ist keine Grauzone. Art. 21 Grundgesetz schützt die Freiheit politischer Parteien. Art. 8 schützt die Versammlungsfreiheit. Auch die der AfD-Delegierten. Wer einen Parteitag aktiv verhindert, riskiert Strafbarkeit wegen Nötigung. Und wer als Parteiorganisation dafür Busse bucht, macht sich zum Organisator dieses Rechtsbruchs.
Aber das Rechtliche ist vielleicht noch das Kleinere. Das Eigentliche ist die Denkweise dahinter.
Sie lautet: Wir wissen, was demokratisch ist – und deshalb dürfen wir demokratische Regeln brechen. Wir verteidigen den Rechtsstaat – und deshalb nehmen wir das Recht selbst in die Hand. Wir sind die Guten – und das legitimiert alles.
Diese Logik hat einen Namen: Der Zweck heiligt die Mittel. Sie ist nicht neu. Und sie ist nicht links.
Wer heute den Parteitag des politischen Gegners verhindert, hat das Argument verloren. Er hat nicht die AfD besiegt – er hat ihr das stärkste Opfernarrativ des Jahres geliefert. Frei Haus. Mit Busservice.
Ich bin Grüner und ich bleibe es. Aber ich weigere mich, so zu tun, als wäre das hier normal.
Es ist nicht normal. Es ist beschämend.