Deutschland will „diesen Krieg“ in der Ukraine nicht. Die AfD hat nicht zuletzt deswegen einen Bomben-Zulauf. Wir wollen alles wieder so, wie es früher war. Stabile Verhältnisse. Mit Russland. Jawoll. Denn das war eine gute Ordnung.
So ungefähr gestern wieder Erich Vad bei Lanz. Der „nüchterne Realist“, der seit Jahren denselben Satz vor sich herträgt: Es gibt keine militärische Lösung.
Kleine Staaten müssen sich nun mal fügen. Russland hat eben seine Interessen. „Unsere Freunde“, die USA, haben ja auch ihren Hinterhof, siehe Venezuela. Und die Ukraine - tja, die hätte halt selbst nicht wirklich in die NATO gewollt, also selber schuld.
Das ist keine Analyse. Das ist die Sprache des deutschen Opportunisten, der seine Pfründe ins Trockene bringen will, koste es eine andere Nation, was es wolle - und das Ganze dann noch in bestechende Vernunft kleidet. Gefährlicher Zündstoff fürs deutsche Hirn.
Vad sagt, die Ukraine in die EU? Bloß nicht! Wir holen uns den Krieg hierher. Nein und nochmal nein!
Dabei hat Russland den Krieg in die Ukraine gebracht. Mit der Annexion der Krim, mit den angeblich pro-russischen Separatisten im Donbass und dann mit dem ganzen Besteck ohne weitere Maskerade ab dem 24. Februar 2022.
Am selben Tag erklärte derselbe Vad bei Illner, militärisch sei die Sache eh gelaufen. Gut ein Jahr später, am 3. Mai 2023, explodierten die ersten ukrainischen Drohnen über dem Senatspalast im Kreml - der erste symbolische Treffer mitten ins Herz der russischen Macht. So treffsicher ist dieser Vad, der uns heute erklärt, was realistisch ist - ach was, was das einzig Vernünftige sei, wenn man noch alle deutschen Tassen im Schrank hat.
Klar, wenn man es sich einfach machen will und huschidihusch zurück zu Nord Stream und seinen Vorteilen möchte. 2023 stand derselbe Vad als Redner auf der Bühne mit Alice Schwarzer, Wagenknecht und Lafontaine. Erstunterzeichner ihres „Friedensmanifests“.
Der vermeintlich vernünftige Experte aus der Mitte. Von wegen. Das ist die Querfront, die sich einen General als Glaubwürdigkeitsausweis ins Boot geholt hat. Und Vad ist mit stolz geschwellter Brust bei den Russlandverstehern eingestiegen und da hingesegelt, wo er schon Merkel hinmanövriert hatte mit seiner wortgewandten Vernunft.
Der eigentliche Skandal ist nicht Vad. Es ist, dass seine Denke als seriös durchgeht und bei uns die große AfD-Schar und noch einige Millionen bei SPD und Linken mitten ins Herzchen trifft.
Russland hat doch auch Rechte, ohhhh. Seine Einflusssphäre, mimi. Das muss man doch verstehen. Völker sind eben Verhandlungsmasse. Wer keine Atombomben hat, hat keine Rechte. Souveränität gilt nur für die Großen. Genau diese Logik hat Putin nach Butscha, Mariupol und Irpin getragen.
Dabei verschweigt Vad, was Putin noch so vorhat: Von Wladiwostok bis Lissabon. Am Ende will er die DDR zurück, nachdem er sich Polen, das Baltikum und all das zurückgeholt hat, was mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verloren ging.
Und in dieser Denke ist es einerlei, was Trump in seinem Hinterhof treibt. Das ist ebenso verabscheuungswürdig, wenn auch bisher weniger brutal als Putins Vorgehen seit Amtsbeginn: Tschetschenien - der Krieg, mit dem er sich an die Macht bombte -, Georgien, nun die Ukraine.
Von Moldau oder anderen „abtrünnigen“ Ex-Republiken ganz zu schweigen. @RKiesewetter hat recht: Die Ukraine verteidigt uns. Mit ihrem Blut. Mit ihrer Jugend. Sie gehört zu uns. Auch um uns stark zu machen gegen einen wildgewordenen Wiedergänger von Iwan dem Schrecklichen.
Ich will diesen Krieg auch nicht. Aber ich will erst recht nicht die Welt, die nach Vads Logik käme: eine, in der Panzer Grenzen verschieben dürfen, solange nur einer laut genug Schlagwörter wie „Frieden“, „Einflusszonen“ und „Diplomatie“ bellt - am Ende aber nur meint: Lasst mich mit eurem Konflikt in Ruhe, wir wollen billiges Öl und Gas, und damit basta - egal, wer bei uns die Ansagen macht.
@Sunnymica Vad ist ein grotesker Talkshow-General, der jede russische Drohgebärde für geopolitische Tiefenschärfe hält und seit Jahren mit der Selbstsicherheit eines Feldmarschalls Prognosen abliefert, die regelmäßig schlechter altern als Frischmilch auf nem Autobahn-Rastplatz im Juli.
Die AfD hat ein neues Problem: Die CDU liest jetzt vor.
Nicht besonders links. Nicht woke. Nicht Antifa. Sondern CDU.
Und genau deshalb tut diese Broschüre weh.
Sie behauptet nicht einfach, die #AfD sei gefährlich. Sie zeigt es an dem, was AfD-Leute selbst sagen: über „Passdeutsche“, Remigration, Gerichte, Verfassungsschutz, politische Gegner und ein angeblich verratenes Volk.
Das Entscheidende daran: Die CDU behandelt die AfD nicht mehr als etwas raueren konservativen Wettbewerber. Sie sagt offen: Das ist keine bürgerliche Partei. Das ist ein völkisches Gegenprojekt zur demokratischen Ordnung.
Man muss diese CDU nicht lieben, um zu sehen, wie schwer das für die AfD abzuwehren ist.
Denn der Vorwurf kommt nicht aus der linken Ecke.
Er kommt von dort, wo man jahrelang so getan hat, als sei die AfD nur ein etwas lauter geratener Protest.
Jetzt liegt das Material auf dem Tisch.
Nicht als linke Empörung.
Sondern als bürgerliche Bestandsaufnahme.
@Regenbogenpfert@LunaLuft1 Die Heftigkeit der Troll- und Bot-Kommentare, insbesondere Beleidigungen, passen zur Brisanz des Papiers. Dass es allerdings von Februar bis zu Baumanns Gang zur CDU-Zentrale brauchte, bis es eine breite Öffentlichkeit findet, sagt auch viel über die Digitalkompetenz der CDU aus.
@lars_jaeg@Johanna26753388@Oliastic@NurderK@TiloJung Wäre definitiv mehr wert als der Rial, mit dem Sie bezahlt werden. Aber höchstwahrscheinlich sind Sie eh nur einer von diesen nicht mal sonderlich kreativen Bots. 🙄
@Oliastic@salem942408569@NurderK@TiloJung Das Unrecht ist die stark zu kritisierende und in Teilen abzulehnende Kriegsführung. Das bedeutet nicht automatisch, dass Israel kein Recht auf militärische Selbstverteidigung hatte. Warum haben Sie wohl die unzähligen Verbrechen Palästinas weggelassen?! DAS ist selektive Moral.
@salem942408569@NurderK@TiloJung Der Russland-Vergleich ist hier der bizarrste Teil. Russland marschiert in einen souveränen Nachbarstaat ein, um Territorium zu annektieren. Israel reagiert auf den größten Terrorangriff seiner Geschichte. Dass beides völkerrechtlich identisch sein soll, ist absurd.
@salem942408569@Oliastic@NurderK@TiloJung Der IGH hat ein Advisory Opinion abgegeben, kein endgültiges „Urteil ohne Diskussion“. Und selbst dieses Gutachten beendet weder die juristische Debatte über Gaza noch hebt es Israels Sicherheitsinteressen einfach auf.
@salem942408569@NurderK@TiloJung Sie übernehmen hier gerade mehrere längst widerlegte oder hochumstrittene Narrative gleichzeitig. Hannibal-Doktrin, „Israel ließ es geschehen“, massenhafte Tötung durch die IDF. Irgendwann wird aus Skepsis einfach Verschwörungsdenken.
@Sunnymica Das ist mit internationalen Verträgen natürlich grundlegend trotzdem möglich. Allerdings hängt an Verträgen die Glaubwürdigkeit von staatlichem Handeln. Genau die gilt es ja zu verteidigen nach Minsk, Budapest und Trumpismus. Merz war, ist und bleibt ein politischer Fehlgriff.
@salem942408569@Oliastic@NurderK@TiloJung Jedenfalls behaupte ich nicht, die Wahrheit zu kennen. Ich sehe ganz grundlegend, dass ein Unrecht kein anderes rechtfertigt. Ich sehe aber auch jahrzehntelangen Terror, der einseitig massiv eskaliert wurde. Selbstverteidigung hat Grenzen, aber sie bleibt ein berechtigtes Mittel.
@salem942408569@NurderK@TiloJung Ob man Gaza vor dem 7.10. als besetzt bewertet oder nicht, ändert doch nichts daran, dass die Hamas an einem einzigen Tag gezielt über tausend Zivilisten massakriert hat. Nach Ihrer Logik verliert ein Staat sein Selbstverteidigungsrecht allein wegen eines bestehenden Konflikts.
@Oliastic@NurderK@TiloJung Israel wird seit Gründung von Kriegen, Terror und Vernichtungsdrohung begleitet. Dass man daraus trotzdem keinen Freifahrtschein ableiten darf, ist banal. Aber so zu tun, als sei der 7.10. einfach aus dem Nichts „mitzuerklären“, ist grotesk und eine intellektuelle Katastrophe.