Wir waren mal wer.
Ihr wart stolz.
Auf die Automobilindustrie, Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Audi, diese Namen kennt man in der ganzen Welt und standen einst für Ingenieurskunst, Zuverlässigkeit und Qualität.
„Made in Germany“ war mal ein Symbol für Präzision und Technik (auch wenn es 1887 anders gemeint war, die britische Regierung wollte Konsumenten vor billigen Imitaten aus Deutschland warnen.)
Der Maschinen- und Anlagenbau, Siemens, Bosch, Rückgrat des Mittelstands, Lieferant von Spezialmaschinen für Industrie, Energie und Produktion weltweit.
Die Chemie- und Pharmaindustrie, BASF, Bayer, Merck, führend in Forschung, Werkstoffen, Medikamenten, Agrarchemie.
Die Forschung mit ihren Technischen Universitäten, Fraunhofer-Gesellschaft, Max-Planck-Institut.
Umwelt- und Energietechnik, wir waren mal Vorreiter der Energiewende mit hoher Kompetenz bei Wind-, Solar- und Effizienztechnologien.
Deutschland galt jahrzehntelang als industrielles Vorbild.
Und heute?
In praktisch allen klassischen Schlüsselbranchen lässt sich ein schleichender Bedeutungsverlust beobachten.
In der Automobilindustrie sind wir längst vom Vorreiter zum Nachzügler geworden,
der späte, viel zu zögerliche und von ideologischen Diskussionen ausgebremste Umstieg auf Elektromobilität. Die biedere Softwareentwicklung zusammen mit der schwindenden Markentreue im Zeitalter vom Software-defined Vehicles.
Die junge Kundschaft verliert den emotionalen Bezug zum 1000-Teile-Ingenieurspuzzle, die Zielgruppe dafür erodiert.
Die schwächelnde Innovationsdynamik im Maschinenbau, Fachkräftemangel, Bürokratie, Energiepreise, drücken die Wettbewerbsfähigkeit, China, Korea und die USA kopieren zu niedrigeren Kosten und viel, viel schneller, siehe Digitalisierung und KI. Uns fehlt die Agilität in der Automatisierung und der Software-Integration.
Chemie- und Pharmaindustrie:
Erstmals seit Jahrzehnten schrumpfen die Produktionskapazitäten in Deutschland. Europa verliert seinen Chemie-Cluster an Asien und Nordamerika.
Forschung: Ingenieurwesen und Ausbildung unterfinanziert und unattraktiv, Abwanderung von Fachkräften, Unis überlastet, zu wenig Investitionen in MINT-Fächer, Bürokratie.
Umwelt- und Energietechnik:
Früher weltweite Führerschaft bei Solar- und Windtechnik, heute dominiert China.
Politisch unklare Linie (ständige Diskussion, um Rückzug vom Verbrenneraus, schleppender Netzausbau, Trend für gesprengte Kühltürme).
Deutschland importiert heute Photovoltaikmodule und Windradkomponenten, die einst hier entwickelt wurden.
Die Software- und IT-Branche ist digitales Schlusslicht Europas.
Deutschland spielt in zentralen Zukunftsbereichen (Halbleiter, Chips, Sensorik, Robotik) kaum noch eine Rolle.
Wir verlieren gerade alles. Mittelfristig die Kompetenzen, aktuell jede Geschwindigkeit, jedes Momentum, jede Risikobereitschaft, Standortattraktivität, kurz: unseren Wohlstand.
Und in unserem Stolz, denn wir rechtschaffenen fleißigen Deutschen können ja unmöglich verantwortlich sein, haben wir auch schon längst unter dem Jubel der Massen die üblichen Sündenböcke herangekarrt: die Ausländer, die Grünen, wahlweise auch grüne Ausländer.
Dabei sind die hohen Energiepreise u.a. das Ergebnis jahrelanger fossiler Abhängigkeit (beispielsweise von Russland) oder hoher Netzentgelte, die Digitalisierung wurde schon verschlafen, da gab es die Grünen noch nicht, Bürokratie und Planungsrecht, Bauen, Genehmigen, alles dauert in Deutschland ewig.
Der Fachkräftemangel, der demografischer Wandel, zu wenig Zuwanderungspolitik mit Perspektive, wie bitte soll man sich in diesem Land mit 25 % Demokratie-Feinden willkommen fühlen? In einem unterfinanzierten Bildungssystem, einem risikoaversen Land, das lieber über die Tofuwurst im Stadtbild diskutiert, während andere massiv in Zukunftsindustrien investieren?
Was uns am Ende bleiben wird, ist allein:
Euer Stolz. 🇩🇪