Was mir seit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt nicht aus dem Kopf geht, ist dieses Foto, das Ulrich Siegmund am Sonntag, wenige Stunden vor der Wahl, gepostet hat. Er sitzt mit seiner Frau, diesem Anti-Woke-Comedian Udo Bönstrup und dem Influenzier Kolja Barghoorn auf seiner Terrasse. Vor ihnen: Wurstgulasch mit Spirelli, Coca-Cola und eine Packung Gut-&-Günstig-Gouda von Edeka. Siegmund trägt ein etwas abgewetztes Adidas-Shirt. Im Hintergrund eine ziemlich gewöhnliche Terrassengarnitur aus diesem schwarzen Fake-Rattan. Dazu schreibt er: „Kleine Mittagspause, wir sehen uns um 18 Uhr.“
Ich glaube, dieses Foto zeigt ein Phänomen, das die politische Konkurrenz der AfD und auch wir ganzen rund um die Uhr analysierenden Journalisten so gar nicht auf dem Schirm haben: Die AfD kann sich als „normal“ darstellen, weil viele andere politische Milieus diese ganz banale Normalität kaum noch glaubwürdig repräsentieren können.
Ich glaube nämlich ernsthaft: Wenn ich dieses Essen meiner Berliner Bubble – egal, ob konservativ, liberal oder linksliberal – vorsetzen würde, würden bei nicht wenigen ziemlich schnell die Nasen gerümpft. Wurstgulasch mit Spirelli und dazu Gut-&-Günstig-Gouda. „Was ist das denn?“ oder „Sowas esse ich doch nicht.“
Und genau das ist doch interessant. Gerade in Milieus, die ständig über Klassismus, soziale Ausgrenzung und die Lebensrealität der „kleinen Leute“ reden, ist diese ganz banale Alltagsnormalität teilweise so weit entfernt, dass man sie selbst gar nicht mehr repräsentieren kann.
Ich meine damit ausdrücklich nicht, dass Wurstgulasch oder Gut-&-Günstig-Gouda schlecht wären. Ich würde das auf jeden Fall essen. Es geht um die Optik, um die ganze Szenerie. Um eine bestimmte Form von Alltag, die für einen großen Teil der Bevölkerung völlig normal ist, die aber in manchen politischen Milieus fast schon wie eine fremde Welt wirkt.
Und genau das kann die AfD inzwischen erstaunlich gut besetzen. Da sitzt der Spitzenkandidat eben einfach auf seiner Terrasse, kurz vor der wahrscheinlich wichtigsten Wahl Deutschlands seit Jahren. Wurstgulasch, Spirelli, Cola, billiger Gouda, altes Adidas-Shirt. Das ist vielleicht auch einfach keine besonders raffinierte politische Inszenierung, sondern vielleicht wirklich einfach das, was Ulrich Siegmund in diesem Moment gemacht hat. Vielleicht funktioniert es gerade deshalb.
Auch die Ostromantik, die im Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt eine Rolle gespielt hat, funktioniert ja nicht über konkrete politische Inhalte. Sie funktioniert über eine bestimmte Ästhetik und über das Gefühl: Die verstehen, wie wir leben. Die finden das nicht peinlich. Die müssen uns nicht erklären, wie man richtig lebt.
Ich glaube, man unterschätzt den kulturellen Teil dieser Erzählung. Die AfD vermittelt nicht nur: Wir haben die richtigen politischen Antworten. Sie vermittelt auch: Wir sind wie ihr.
In Sachsen-Anhalt hat die AfD damit ein Klientel politisiert, das bisher unpolitisch war. Vielleicht eben auch, weil dieses Klientel bisher in einer ganz anderen Welt gelebt hat als die, die bisher Politik gemacht haben. Ulrich Siegmund hat es geschafft, das Politische zurück in deren Welt zu holen.
Das funktioniert mit einfachen Antworten und verkürzten Erzählungen natürlich besonders gut. Aber eben auch über das Gefühl, das Siegmund den Menschen gegeben hat: endlich wieder irgendwo dazuzugehören. Sich endlich wieder von Menschen repräsentieren zu lassen, die sind wie sie und leben wie sie. Eine Bewegung sei das eben, wie Siegmund unermüdlich betont hat.
Und vielleicht ist genau das ein Teil des Problems für die anderen Parteien. Man kann ständig über Klassismus und soziale Ausgrenzung sprechen. Aber wenn man gleichzeitig eine politische und kulturelle Ästhetik entwickelt, bei der ein Teller Wurstgulasch mit Spirelli und eine Packung Gut-&-Günstig-Gouda schon etwas sind, bei dem man insgeheim die Nase rümpft, dann wird es schwierig.
Deshalb geht mir dieses völlig banale Foto nicht aus dem Kopf.
Es geht einfach um die Frage, wer Menschen noch glaubwürdig vermitteln kann: So wie du lebst, ist völlig normal – und wir, die dich vertreten oder vertreten wollen, leben genauso.
Sagt die Frau, die die Wahl eines FDP MP rückgängig hat machen lassen, weil seine Wahl potenziell geheim mit stimmen der AfD erfolgte.
Die Chuzpe dieser Person schlägt alles.
Hätten wir nicht bereits Teflon, wir müssten es zum Zwecke der Beschreibung erfinden.
@FraukePetry Gewohnheit und Angst vor dem Unbekannten. Ein großer Anteil der Wähler ist darüber hinaus eher apolitsch, fühlt sich aber dennoch verpflichtet, dem demokratischen Konzept an der Wahlurne Wertschätzung zu erteilen.
Das wird dann zu einer Routine wie das regelmäßige Rasenmähen.
@Passwortvergess Das erinnert mich an den FDP-Politiker Wöllner aus einem Loriot-Sketch.
Der hat auch immer den gleichen Satz wiederholt. Auf die Frage, ob er auch was anderes sagen kann, folgte nur die Antwort:
"Nein, bevor ich etwas Dummes sage."
Tja...
@benungeskriptet@RusBotschaft Es ist eine Sache, Influencer und Politiker ihren Werdegang unkritisch vortragen zu lassen, aber eben eine andere, wenn Staatsvertreter Regierungspropaganda unkritisch wiederholen dürfen.
Du läufst Gefahr, deine Marke zu beschädigen, die ich tendenziell für sehr wichtig erachte.
@SWagenknecht Klar, es ist ja nicht so, als ob nicht auch das gleiche Szenario in Sachsen-Anhalt eintreten könnte.
Wenn Karrierismus und Opportunismus bei einer Koalitionsoption an die Tür klopfen, dann ist der Fraktion völlig egal, was da vorgeblich für ein politisches Konzept draufsteht.
@robinalexander_ Das kann man natürlich so böswillig opportunistisch interpretieren, man kann es aber eben auch so auslegen, dass die hypothetischen Koalitionspartner nicht die Einstellung bieten, um weitreichende politische Änderungen mitragen zu wollen. Das wissen Sie natürlich auch.
@OdaNaumburg Die Hannibal-Direktive kennt man ja schon also beliebtes Argument aus der Bewegung.
Man setzt sich allerdings schon noch 'nen größeren Aluhut auf, wenn man die Sache mit den Apache-Helikoptern auch noch aus der rhetorischen Mottenkiste kramt.
@MarcusPretzell Ich finde es ja auch fast schon niedlich, wie der Herr Lange "allgemein" noch hinzufügen muss, damit das für die FDP nicht mehr ganz so erbärmlich klingt.
No Mark, what's appalling and fundamentally dishonest is your claim that you're NOT an antisemite. And I'll explain why.
The mistake you, as well as thousands of others, make is that your worldview is shaped entirely by what the hivemind dictates you should be outraged about. There's no logic, no reason behind it. It's simply as vacuous as jumping on a trend of sorts because it seems to be the cool thing at the time.
Contrary to the lie in your post, you have not criticised a government. You have been attacking an entire nation based on the pretence that they're committing a "genocide". And it's that accusation of genocide that comes from the aforementioned hivemind/trend-jumping I just referred to.
There is NO legally binding determination that Israel, its government or its forces have committed genocide. You're simply regurgitating a narrative, a trope that became a go-to in less than 48 hours after Israel experienced the biggest massacre of Jews since the Holocaust. A narrative which the perpetrators of October 7th openly admitted was their goal: to convince the West that Israel is carrying out a "genocide".
And therein lies the problem, Mark. You have absolutely ZERO ability to think for yourself. Your entire identity is based on a political affiliation with 'wokery', completely devoid of common sense or the ability to think critically.
You have specifically pushed studios not to work with Israeli movie studios or any businesses that happen to be Israeli-owned. That, my sir, is not you being critical of a government, but of an entire people. And yes, Mark, that makes you an antisemite.
I sincerely hope with every fibre of my being that your career implodes in the most aggressive way possible. Because it's the only way you cretinous mouth-breathers will learn that you're not on some divine moral pedestal.