🇩🇪🇪🇺 Germany is not collapsing.
Germany is in crisis only by its own standards.
🔸 Unemployment is 3.8%, versus 5% across the OECD.
🔸 The world’s second-largest trade surplus.
🔸 The lowest debt-to-GDP ratio in the G7.
🔸 Germany hosts 46% of the world’s specialised mid-sized global market leaders.
After decades of exceptional performance, Germany faces a temporary crisis exploited by radicals.
Germany needs major investment in energy, infrastructure and industry, not what the AfD offers.
Anthropic's alignment science lead thinks AI has a greater than 10% chance to kill all humans within 10 years.
Ok I'm going to go play with my kids now.
Wie man die AfD aus der Ausweichzone holt
Das Interessante an Ulrich Siegmunds Auftritt im ZDF-Morgenmagazin ist für mich nicht, dass er irgendwann gereizt wirkte oder, wie BILD es boulevardesk formuliert, „ins Schlingern“ kam. Interessant ist, warum das passierte.
Andreas Wunn hat etwas gemacht, das eigentlich selbstverständlich sein sollte und in politischen Interviews trotzdem erstaunlich oft nicht passiert: Er hat eine konkrete Frage gestellt und sich anschließend geweigert, Siegmund beim Ausweichen hinterherzulaufen.
Die Frage betrifft ausländische Ärzte und eine entsprechende Aussage im eigenen AfD-Programm. Siegmund antwortet nicht mit Daten oder Belegen, sondern landet beim Attentäter von Magdeburg. Ein perfekter Themenwechsel, denn nun könnte man über Migration, Sicherheit und Taleb A. diskutieren und die ursprüngliche Frage wäre verschwunden.
Wunn macht genau das nicht.
Er kommt zurück zur Frage.
Siegmund versucht es erneut, erklärt sogar, wie er auf eine Frage antworte, müsse ihm selbst überlassen bleiben. Natürlich. Nur muss der Journalist diese Antwort deshalb noch lange nicht als Antwort akzeptieren.
Also wieder zurück zur Frage.
Beim 100-Tage-Programm dasselbe Spiel. Wirtschaft sei eines der wichtigsten Themen, also fragt Wunn nach den konkreten wirtschaftspolitischen Maßnahmen dieses Programms. Siegmund redet über Ideologie, Mittelstand, Insolvenzen und andere Themen. Wunn folgt ihm nicht, sondern geht wieder zurück zum 100-Tage-Programm.
Und genau da liegt für mich die eigentliche Geschichte dieses Interviews.
Man muss einen Politiker nicht anschreien, nicht moralisch aburteilen und ihm auch nicht zwanzig Gegenargumente gleichzeitig um die Ohren hauen. Gerade bei populistischer Kommunikation reicht manchmal etwas viel Einfacheres.
Eine Frage stellen.
Das Ausweichen erkennen.
Nicht auf den Themenwechsel aufspringen.
Zur ursprünglichen Frage zurückkehren.
Und das so lange, bis entweder eine Antwort kommt oder für jeden Zuschauer sichtbar wird, dass keine kommt.
Das funktioniert übrigens nicht nur bei der AfD und sollte auch nicht nur bei ihr angewandt werden. So sollte guter politischer Journalismus grundsätzlich funktionieren.
Bei der AfD ist es allerdings besonders interessant, weil ihre Kommunikation häufig davon lebt, eine konkrete Frage schnell in eine größere Erzählung über Migration, Medien, Eliten, Berlin, Brüssel oder „das System“ zu verwandeln. Folgt der Journalist dieser Erzählung, bestimmt der Politiker plötzlich wieder das Thema.
Wunn hat ihm diese Möglichkeit genommen.
BILD erzählt daraus die Geschichte eines Kandidaten, der „gegrillt“ wurde. Ich sehe etwas anderes.
Ich sehe einen Journalisten, der einem Politiker schlicht nicht erlaubt hat, die Frage zu beantworten, die dieser lieber gestellt bekommen hätte.
Vielleicht ist genau das eine der wirksamsten Methoden gegen politische Nebelkerzen:
Nicht empören.
Nicht hinterherrennen.
Einfach fragen.
Und bei der Frage bleiben.
„warned Russian officials in Moscow this week not to escalate conflict with America’s NATO allies, in particular Estonia, Latvia and Lithuania, in response to Moscow’s stalemated invasion of Ukraine, according to two people familiar with the matter.“
Im Hamburger Elfenbeinturm wurde wieder mal Stuss zusammengeschrieben, mit dem sich @statistici89506 schon auseinandergesetzt hat. Ich lasse das mal Fable 5 machen und sage gar nix mehr dazu. 🥰
Der Mythos vom Mythos: Mark Schieritz rechnet mit 100 Euro
Die ZEIT hat am Dienstagmorgen den Zinseszins widerlegt. Mark Schieritz braucht dafür fünf Minuten Lesezeit, eine Schachbrettlegende und genau eine eigene Rechnung: Wer 100 Euro anlegt, wartet bei fünf Prozent 188 Jahre auf die Million. Die Rechnung stimmt. Sie beantwortet eine Frage, die niemand gestellt hat.
In der Rentendebatte, auf die sich die Kolumne ausdrücklich beruft, redet kein Mensch von einmalig angelegten 100 Euro. Dort geht es um Sparpläne über Jahrzehnte. Wer 40 Jahre lang jeden Monat 100 Euro anlegt, zahlt 48.000 Euro ein und steht bei fünf Prozent am Ende bei gut 150.000 Euro. Zwei Drittel des Endvermögens stammen aus Erträgen, die selbst wieder Erträge abwerfen. Diese Rechnung, die einzig relevante für einen Alterssicherungstext, kommt in der Kolumne an keiner Stelle vor.
Auch das Schachbrett arbeitet gegen den Leser. In der Legende verdoppeln sich die Reiskörner mit jedem Feld, das entspricht einer Rendite von 100 Prozent pro Periode. Schieritz illustriert damit einen Effekt, der in der Anlagepraxis mit fünf bis sieben Prozent im Jahr läuft. Wer die Verdopplungsserie als Anschauung wählt, hat die Absurdität schon ins Beispiel eingebaut, bevor das Argument überhaupt beginnt. Das apokryphe Einstein-Zitat tritt ebenfalls pflichtschuldig auf, immerhin mit einem »soll« abgesichert.
Dann der zweite, laut Autor »grundsätzlichere« Einwand: Geld sei nicht essbar, der Zinseszins entfalte seine Magie dauerhaft nur bei wachsender Güterproduktion. Hier verwechselt die Kolumne Geld mit Kapital. Eine Aktie verbrieft einen Anspruch auf Unternehmensgewinne; die Rendite speist sich aus diesen Gewinnen und aus der Prämie für das getragene Risiko. Empirisch ist die Sache seit Jordà, Schularick und Taylor vermessen: Aktien brachten in den Industrieländern seit 1870 real um die sieben Prozent pro Jahr, das Wirtschaftswachstum lag bei etwa drei. Der Abstand hielt über zwei Weltkriege und jede denkbare Ressourcenkrise des 20. Jahrhunderts. Wo alle Sparer zugleich mehr verlangen, als die Produktion hergibt, verschiebt sich die Verteilung zugunsten der Kapitaleigner. Piketty hat über diese Lücke unter dem Kürzel r > g ein ganzes Buch geschrieben, als Beleg dafür, wie zuverlässig der Effekt arbeitet. Die Kolumne führt ihn als Naturgesetz-Vorbehalt gegen ihn ins Feld.
Nebenbei zerlegt sich der Einwand im Text selbst. »Es besagt, dass sich ein Sparer auf Kosten eines anderen Sparers bereichert. Sondern dass im Prinzip alle wohlhabender werden können«, steht da wörtlich. Irgendwo zwischen Autor und Schlussredaktion ging ein »nicht« verloren. Bei einer Kolumne, die der halben Finanzbranche Rechenmärchen nachweisen will, liest man solche Sätze zweimal.
Am ärgerlichsten ist der verpasste Gegner. Schieritz beschreibt eingangs treffend, wie Heerscharen von Finanzberatern ihren Kunden mit dem Zinseszinsargument Anlageprodukte aufnötigen. Der Effekt, der diese Produkte entlarvt, ist derselbe: Kosten verzinsen sich mit. Zwei Prozentpunkte laufende Gebühren fressen über 40 Jahre gut ein Drittel des Endvermögens, weshalb aus dem Sparplan oben statt 150.000 nur gut 90.000 Euro werden. Wer den Vertrieb überteuerter Policen angreifen will, hält mit dem Zinseszins die schärfste Waffe in der Hand. Die Kolumne richtet sie auf die Mathematik.
Für die Rentendebatte, den erklärten Anlass des Textes, lautet die Frage schlicht, ob ein Beitragseuro am Kapitalmarkt mehr abwirft als in der Umlage, deren implizite Rendite am Wachstum der Lohnsumme hängt. Sämtliche Einwände der Kolumne dürfen zutreffen, dieser Vergleich bleibt davon unberührt.
Den Rest erledigt Schieritz selbst. Im letzten Absatz spricht »nichts dagegen (und sehr viel dafür)«, durch private oder staatlich organisierte Kapitalanlage Zinsen und Zinseszinsen einzustreichen. Die Überschrift nennt den Effekt ein Märchen. Vier Absätze später empfiehlt der Autor, das Märchen zu kassieren.
Die Regierung hat aktuell nur beschlossen, zusätzliches Geld auszugeben für rückwärtsgewandte Maßnahmen. Rente: immense zusätzliche Ausgaben. Gas wird (unterstützt vom Staat) billiger - statt Strom, wo es angebracht wäre. Subventionen für Landwirte und Gastwirte.
Dänemark wird von vielen als moderner und progressiver Sozialstaat gesehen. Und ich finde zurecht. Denn Fortschritt bedeutet auch, auf demographische Entwicklungen angemessen zu reagieren. #Rente
In der Tat. Auf die Gefahr des Verschiebebahnhofs hatten wir explizit hingewiesen. Ein Sondervermögen für Infrastrukturinvestitionen muss dazu führen, das im gleichen Umfang mehr investiert wird. Nicht für teure Wahlgeschenke wie Mütterrente …
1) Union lässt Habeck abblitzen, als er ihr vorschlägt, gemeinsam Sondervermögen für Infrastruktur und Wirtschaft zu beschließen.
2) Union führt Wahlkampf gegen "schlechtesten Wirtschaftsminister der Geschichte".
3) Union gewinnt die Wahl.
4) Union verabredet ein Sondervermögen für Infrastruktur und Wirtschaft.
5) Union beschimpft einen Tag später Grüne als "Ramschware“, Habeck könne ab jetzt "Kinderbücher von der Oppositionsbank schreiben".
6) Union braucht nächste Woche die Stimmen der Grünen für das Sondervermögen. 🤷♂️
Angesichts der strategisch bedeutsamen und z T gravierenden US-Aussagen zum Thema Ukraine rege ich dringend an, sich im dt Wahlkampf nicht mit Petitessen, sondern mit den für Europa existentiellen Fragen zu befassen und bei der @MunSecConf mit einer klaren EU Position aufzutreten
@Estadox Habe die Frage gestern jemandem gestellt, der bei der NZZ arbeitet: Antwort: Was die deutschen Kollegen angeht: die sind verblendet. Was die Schweizer angeht, ist es so: das was man in Deutschland der afd als rechts(extrem) bescheinigt, ist in der Schweiz komplett Mainstream.