Bei Le Pen und Farage hat Askola recht. Die beiden mögen Putin, das ist keine Vermutung, sondern Fakt. Le Pen hängt seit 2014 an einem russischen Millionenkredit, den sie am liebsten vergessen würde. Und Farage erklärt uns seit Jahren, der Westen habe Putin ja quasi selbst provoziert, O-Ton Kreml. Gut gewähltes Foto.
Eine Sache würde ich trotzdem anders sagen: Hängt die Warnung nicht an der Rüstungsbilanz auf. Wenn das Argument gegen die Rechten lautet „das schadet der Exportindustrie”, dann hat man verloren, sobald einer mit anderen Zahlen kommt. Vor der AfD, vor Le Pen, vor Farage muss man nicht warnen, weil sie schlecht fürs Geschäft sind. Sondern weil sie im Ernstfall beim Falschen anrufen.
Das ist der Punkt. Kein Umsatz der Welt macht das besser oder schlimmer.
Die an die #SPD gerichtete Petition zum Erhalt des #IFG hat nunmehr die 500.000er Marke geknackt 💪✊ Wer noch unterschreiben will, kann dies hier tun 👇 https://t.co/z9YnlaH1zW
Werte Restdemokraten,
Alex Karp erklärt uns, Deutschland müsse technologisch die Nummer zwei der Welt sein.
Deutschland.
Ein Land mit rund 84 Millionen Einwohnern, ohne nennenswerte eigene Rohstoffe, ohne Weltreservewährung, ohne chinesischen Binnenmarkt und ohne amerikanischen Militärhaushalt.
Aber gut. Platz drei unter den größten Volkswirtschaften der Welt ist offenbar inzwischen Versagen.
Andere Länder wären froh, mit dieser Bevölkerung, dieser Rohstofflage und dieser geografischen Größe überhaupt in der Nähe der Weltspitze zu liegen. Deutschland schafft es seit Jahrzehnten, aus Maschinenbau, Chemie, Fahrzeugbau, Forschung und industriellem Wissen eine der stärksten Volkswirtschaften der Erde zu machen.
Natürlich haben wir Probleme.
Wir sind bei Software zu langsam, bei Digitalisierung zu bürokratisch, bei KI zu abhängig und bei neuen Technologien oft Weltmeister im Erfinden und Kreisklasse im Vermarkten.
Aber daraus folgt nicht, dass Deutschland selbstverständlich vor China liegen müsste.
China hat mehr als sechzehnmal so viele Einwohner, einen gigantischen Binnenmarkt, Rohstoffe, staatlich gelenkte Industriepolitik und vollständige Lieferketten.
Karp verwechselt Potenzial mit Größenwahn.
Besonders schön wird es aber bei der AfD.
Da erklärt Mathias Döpfner, die AfD sei keine Alternative.
Nun könnte man denken, ihn störten die rechtsextremen Strömungen, das völkische Denken, die Angriffe auf Menschenwürde, Verfassung und demokratische Institutionen.
Aber nein.
Das eigentliche Problem sind offenbar Putin und China.
Nicht der Rechtsextremismus.
Die falschen Freunde.
Das ist interessant.
Denn Donald Trump findet Döpfner bekanntlich ziemlich großartig. Jener Trump, der Putin bewundert, Xi lobt, autoritäre Herrscher für stark und klug hält und internationale Politik gern als privaten Herrenabend unter mächtigen Männern betrachtet.
Bei der AfD ist Nähe zu Putin ein Ausschlussgrund.
Bei Trump ist sie Verhandlungsgeschick.
Bei der AfD ist autoritäres Denken gefährlich.
Bei Trump ist es Disruption.
Bei der AfD bedroht es die Demokratie.
Bei Trump sorgt es für klare Führung.
Man erkennt langsam den Maßstab.
Es geht offenbar nicht darum, ob jemand demokratisch, rechtsstaatlich oder autoritär handelt.
Es geht darum, auf welcher Seite der Autoritäre steht.
Ein Rechtsextremer mit Russlandnähe ist problematisch.
Ein autoritärer Amerikaner mit Pentagon, Dollar und Staatsaufträgen ist offenbar geopolitisch anschlussfähig.
Karp und Döpfner erzählen damit eine sehr eigene Geschichte.
Deutschland ist zu schwach, weil es nicht amerikanisch genug denkt.
Die AfD ist schlecht, aber nicht zuerst wegen ihrer rechtsextremen Tendenzen, sondern weil sie sich den falschen Machtblöcken anbiedert.
Trump ist dagegen akzeptabel, weil er trotz Putin-Freundschaft amerikanische Interessen vertritt.
Das ist keine konsequente Verteidigung der Demokratie.
Das ist geopolitische Lagerhaltung.
Und ganz nebenbei verkauft Karp genau jene Überwachungs-, Sicherheits- und Militärsoftware, von der Deutschland seiner Meinung nach dringend mehr braucht.
Ein Unternehmer erklärt also, Deutschland habe ein Technologieproblem, und bietet selbstverständlich die passende amerikanische Lösung an.
Man könnte fast glauben, das Ganze sei weniger eine Analyse als ein Verkaufsgespräch.
Aber vermutlich bin ich einfach zu misstrauisch.
Werte Restdemokraten, die neue politische Moral ist also ganz einfach:
Autoritär ist nicht gleich autoritär.
Es kommt darauf an, wer die Rechnung schreibt.
https://t.co/j1c6fhn7bE
This Facebook post was published in a group named "Historical Photos". Yet, no such photo was ever taken. It's an AI hallucination of the site of the camp.
Check the details to see how AI is used by some people to distort the reality of Auschwitz II-Birkenau.
—
Platforms such as Facebook make this worse by allowing fake AI-generated images and videos of Auschwitz and other Holocaust-related sites to spread without clear labels. By failing to moderate or at least flag fabricated material, they contribute to historical distortion.
SUCH AI-FAKE CONTENT ACTIVELY HARASSES THE MEMORY OF VICTIMS.
When users search for “Auschwitz” and increasingly encounter fabricated AI videos and images rather than authentic historical documentation, the platform is not neutral. It is helping disinformation gain visibility.
By allowing these distortions to surface, circulate, and gain visibility, Meta directly contributes to the erosion of factual understanding of the complex history of Auschwitz, which we try to protect.
Memory and historical truth deserve stronger protection.
Manchmal muss man Meinungen korrigieren und wieder gerade setzen.
Deutschland ist kein leuchtender Stern der Energiewende.
2021 waren diese 45 Länder weiter als Deutschland.
Diese Auflistung sollte uns alle zutiefst beschämen.
Da nutzt es auch nichts, sich was einreden zu wollen.
Deutschland ist reich und bekommt ganz offensichtlich weniger auf die Reihe als all diese Länder.
Ich meine, ich bitte Sie: Äthiopien, El Salvador, Zimbabwe und Tadschikistan vor Deutschland, wie peinlich ist das denn?
So langsam fällt wohl der Groschen.
Liebe und nicht so liebe Leute,
jahrelang wurde uns erzählt, die AfD sei vor allem eine Protestpartei. Jetzt könnte sie in Sachsen Anhalt tatsächlich regieren. Und plötzlich überlegen Bund, Länder und Behörden, wie man die Demokratie vor einer demokratisch gewählten Regierung schützt.
Eigentlich erstaunlich.
Denn die AfD hat nie verschwiegen, was sie vorhat.
Sie will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zurückdrängen, Demokratieförderung kürzen, Lehrpläne verändern, Hochschulen und Bildungspolitik umbauen und stärker auf nationale Identität setzen. Die Schulpflicht soll durch eine Bildungspflicht ersetzt werden. Gleichzeitig wird der Landesverband Sachsen Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft.
Das ist keine Kleinigkeit.
Bildung ist Ländersache. Eine Landesregierung kann dort sehr viel verändern. Lehrpläne, Hochschulen, Fördergelder und Personalentscheidungen gehören zu ihren Zuständigkeiten. Wer bestimmt, was gelehrt wird, prägt auch das Weltbild der nächsten Generation.
Besonders brisant wird es beim Verfassungsschutz.
Ausgerechnet eine Partei, die selbst vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft wird, könnte künftig politischen Einfluss auf genau diese Behörde erhalten.
Das ist ungefähr so, als würde man den Fuchs zum Leiter des Hühnerstalls machen und sich anschließend wundern, warum die Hühner nervös werden.
Deshalb diskutieren Sicherheitsbehörden bereits darüber, sensible Informationen im Ernstfall zurückzuhalten oder den Informationsfluss einzuschränken. Allein dass solche Überlegungen überhaupt geführt werden, zeigt, wie außergewöhnlich die Situation wäre.
Natürlich spricht die AfD sofort von Sabotage.
Das ist politisch ausgesprochen praktisch.
Gewinnt sie, war es der Wille des Volkes.
Stoppen Gerichte ihre Pläne, ist es das System.
Greift der Rechtsstaat ein, ist es politische Verfolgung.
Verlassen Unternehmen oder Wissenschaftler das Land, war selbstverständlich auch das wieder jemand anderes.
So trägt man Verantwortung, ohne jemals Verantwortung übernehmen zu müssen.
Auch beim MDR wird gerne so getan, als könne man ihn mit einem Federstrich abschaffen. Tatsächlich könnte eine Landesregierung zwar Verträge kündigen und jahrelange Rechtsstreitigkeiten auslösen. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunk einfach abschalten kann sie aber nicht.
Nein, Sachsen Anhalt könnte Deutschland auch nicht einfach lahmlegen. Vier Bundesratsstimmen reichen dafür nicht.
Aber genau das ist der Punkt.
Demokratien sterben selten mit einem großen Knall.
Sie verändern sich Stück für Stück.
Ein Lehrplan hier.
Eine Behörde dort.
Ein ausgetauschter Behördenleiter.
Eine gestrichene Förderung.
Ein geschwächter Rundfunk.
Ein bisschen mehr Druck auf Wissenschaft und Zivilgesellschaft.
Alles für sich genommen überschaubar.
Zusammen ergibt es ein Land, das mit dem ursprünglichen Verständnis einer liberalen Demokratie immer weniger gemeinsam hat.
Und vielleicht fällt jetzt auch den demokratischen Parteien auf, dass man die AfD nicht kleiner macht, indem man ihre Sprache übernimmt und ihre Themen kopiert.
Wer jahrelang erzählt hat, die öffentlich-rechtlichen Medien seien das Problem, Klimapolitik sei nur Ideologie oder Gerichte würden ständig gegen den Willen der Bevölkerung arbeiten, der darf sich nicht wundern, wenn viele Wähler irgendwann lieber das Original als die Kopie wählen.
Die AfD sagt inzwischen ziemlich offen, wie sie Deutschland verändern möchte.
Vielleicht sollte man ihr diesmal einfach glauben.
Aber keine Sorge.
Sollte es tatsächlich so kommen, werden hinterher wieder erstaunlich viele behaupten, das habe wirklich niemand kommen sehen.
https://t.co/pLcu2NDThB
Während einfache Abgeordnete Beteiligungen offenlegen müssen, fehlt ausgerechnet für Minister*innen eine solche Pflicht. Das muss sich ändern!
Unterschriftensammlung 👇
Keine Belege, keine Daten, keine Studie – aber Markus Söder hat ein Bauchgefühl und kennt in seinem Umfeld offenbar jede Menge Blaumacher. Das genügt ihm, um die telefonische Krankschreibung entgegen der Evidenz abschaffen zu wollen. Was für eine erbärmliche Shitshow.
IFG-Anträge könnten künftig nur noch bei "eigener Betroffenheit" möglich sein. Das geht aus einer Antwort von CSU-MdB Thomas Silberhorn hervor. Er halte die geplanten Änderungen "für geboten und angemessen".
https://t.co/gMBEFrAoew
Der Angriff auf das #IFG soll aus dem direkten Umfeld von Alexander #Dobrindt (CSU) und Kanzleramtschef Thorsten #Frei (CDU) initiiert worden sein, schreibt der Tagesspiegel. Schon seit Wochen soll das Thema Teil der Vorbereitungen des Koalitionsausschusses gewesen sein. 🧵
Wahnsinn ist, wie die russische Propaganda mit Hilfe der Rechts- und Linksaußen die Geschichte umschreibt.
"27 Millionen Russen starben durch Deutschland"
1. Nein, es waren nicht 27 Millionen Russen, sondern Großteil davon auch Ukrainer, Belarussen, Kasachen, etc.
2. Was zum Teufel - die Sowjetunion hat zusammen vorher mit den Nazis halb Europa unterworfen und massakriert!
Der 2. Weltkrieg begann nicht mit Hitlers Angriff auf die Sowjetunion, sondern mit der brutalen Aufteilung Europas durch Moskau und Hitler, die mit Angriff auf Polen und andere Länder begonnen wurde.
Und selbst nach dem 2. Weltkrieg blieb die Sowjetunion Besatzer! Es wechselte in halb Europa nur der Tyrann. Westeuropa war frei, in Osteuropa und im Baltikum herrschte weiter der Terror - noch 45 Jahre lang!
Und weil er recht hat,
-Unterhaltsvorschuss gestrichen
-Rentenpunkte gekürzt
-GKV Leistungen zusammen gestrichen
-Rente gekürzt
-Beiträge hoch
-höchste Zahl an Arbeitsplatzverlusten
-höchste Zahl an Insolvenzen
HÖCHSTE ZAHL DER ABLEHNUNG DURCH DIE BEVÖLKERUNG DIESER REGIERUNG
Die Strompreise für Privatkunden und Industrie sind nach über 5 Jahren auf gleichem Niveau!
Für die energieintensive Industrie jedoch um 65%.
Der Gaspreis ist dagegen um 75% gestiegen und Benzin/Diesel um 55%.
Wenn eine Badekappe genügt, um ausgegrenzt zu werden
Heute, beim Abschluss der Europäischen Jugendmeisterschaften im Schwimmen, wurde eine Tradition beschmutzt, die eigentlich für Respekt, Freundschaft und den Gedanken des Sports steht: der Tausch der Badekappen zwischen Athletinnen und Athleten verschiedener Nationen.
Israelische Jugendliche gingen offen und mit Freude auf andere Sportlerinnen und Sportler zu. Auf die Frage, ob man Badekappen tauschen möchte, kam zunächst ein freundliches Ja. Doch in dem Moment, als auf die Frage nach dem Herkunftsland die Antwort „Israel“ fiel, wurde der Tausch plötzlich abgelehnt oder eine Ausrede gefunden man hätte nicht genug. Im nächsten Moment beobachtet man jedoch Tausch mit einem anderen Sportler einer anderen Nation.
Wenn allein der Name eines Landes ausreicht, damit aus Offenheit Ablehnung wird, dann ist das mehr als eine persönliche Enttäuschung. Es ist ein erschreckendes Zeichen dafür, dass Antisemitismus auch dort spürbar ist, wo Fairness, Respekt und gegenseitige Achtung selbstverständlich sein sollten.
Besonders unerträglich ist es, dass sich eine solche Erfahrung ausgerechnet in der Olympiaschwimmhalle in München ereignet – einem Ort, der untrennbar mit dem Attentat auf die israelische Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1972 verbunden ist. Dieser Ort mahnt wie kaum ein anderer dazu, Antisemitismus und Hass niemals wieder Raum zu geben. Umso beschämender ist es, wenn israelische Jugendliche gerade dort Ablehnung erfahren.
Viele dieser jungen Athletinnen und Athleten wachsen mit einer Realität auf, die sich die meisten Gleichaltrigen kaum vorstellen können. Aus Sicherheitsgründen werden israelische Delegationen bei internationalen Wettkämpfen häufig unauffällig von bewaffneten Sicherheitskräften begleitet. Während andere Jugendliche unbeschwert reisen, Freundschaften schließen und ihre Erfolge feiern können, gehört für sie ein außergewöhnlich hohes Maß an Sicherheitsvorkehrungen zum Alltag. Ein Stück Unbeschwertheit, das jede Kindheit und Jugend eigentlich ausmachen sollte, wird ihnen dadurch genommen.
Und dennoch treten sie mit Offenheit auf andere Sportler zu – mit der Hoffnung auf Begegnung, Austausch und Freundschaft. Wenn diese Offenheit allein wegen des Wortes „Israel“ zurückgewiesen wird, ist das nicht nur verletzend. Es ist ein Schlag gegen die Werte, für die der internationale Sport stehen sollte.
Antisemitismus beginnt nicht erst bei Gewalt oder offenen Beleidigungen. Er zeigt sich auch in solchen Momenten – leise, unterschwellig und dennoch für die Betroffenen unmissverständlich. Gerade weil diese Formen oft klein erscheinen, dürfen sie nicht relativiert oder ignoriert werden.
Schweigen macht solche Erfahrungen nicht ungeschehen. Sie müssen benannt werden. Denn kein junger Mensch sollte bei einer internationalen Meisterschaft erleben, dass seine Nationalität ausreicht, um ausgeschlossen zu werden.
Sport darf niemals zum Ort werden, an dem Vorurteile über Menschlichkeit siegen.
#dsv #ea #europeaquatics #münchen #sport #schwimmen #juden #israel
@PreislerKa@BayStMI
Nochmal zur Erinnerung, wie die destruktivste Opposition aller Zeiten die Wirtschaft ruiniert hat, um wieder an die Macht zu kommen, sich 500 Milliarden Sondervermögen genehmigen ließ, um das Geld für Haushaltslöcher und Klientelpolitik zu verplempern.
https://t.co/GiHfSY5gZI
Deutschland muss sich endlich wehren. Die hybride Kriegsführung trifft uns täglich – und wir reagieren noch immer zu langsam, zu zögerlich, zu fragmentiert. „Hybride Kriegsführung einfach hinzunehmen, kann keine Lösung sein.“ 🧵https://t.co/lTz2UBYeEy
Die Zinsargumentation trifft den heikelsten Punkt der gesamten Konstruktion.
Das #Merz-Paket vom März 2025 hat ein Volumen von rund 900 Mrd €, aufgeteilt in 500 Mrd € für das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität sowie rund 400 Mrd € für Verteidigung, beide über eine Grundgesetzänderung von der regulären Schuldenbremse ausgenommen.
Diese Konstruktion funktioniert rechnerisch nur unter einer Bedingung, die in den ursprünglichen Wachstumsschätzungen implizit vorausgesetzt wurde: dass das nominale Wirtschaftswachstum die Zinskosten der neuen Schulden übersteigt oder zumindest nicht deutlich darunter liegt. Genau das ist die sogenannte r-g-Dynamik der Schuldentragfähigkeit, bei der es nicht auf die absolute Schuldenhöhe ankommt, sondern auf das Verhältnis zwischen Zinssatz und Wachstumsrate. Bleibt das Wachstum aus den von mir beschriebenen strukturellen Gründen aus, während die Zinskosten auf die neu emittierten Bundesanleihen unabhängig davon anfallen, verschlechtert sich die Schuldenquote automatisch, selbst wenn kein einziger zusätzlicher Euro mehr ausgegeben wird.
Verschärfend kommt ein zweiter Mechanismus hinzu, den auch die #DeutscheBank in ihrer Einschätzung zum Paket bereits angesprochen hat: Der Staat tritt mit dem zusätzlichen Emissionsvolumen in Konkurrenz zu anderen Kreditnehmern am Kapitalmarkt, was tendenziell die Zinsen für alle Bundesanleihen nach oben treibt, nicht nur für die neuen Tranchen des Sondervermögens.
Das trifft dann auch die Refinanzierung des bestehenden Schuldenbergs, der weit über eine Billion Euro an ausgelagerten Kreditermächtigungen umfasst. Gleichzeitig wirkt die von mir beschriebene Kostensenkungsspirale in der Automobilindustrie doppelt negativ auf die Fiskalseite: Schwächere Lohnsummen bedeuten geringere Lohn- und Einkommensteuereinnahmen, ein schrumpfender Automobilsektor bedeutet geringere Körperschaftsteuer, und im Abschwung steigen gleichzeitig automatische Stabilisatoren wie Kurzarbeitergeld und Arbeitslosenunterstützung.
Der Staat müsste also tendenziell mehr ausgeben und würde gleichzeitig weniger einnehmen, während die Zinslast auf das Sondervermögen unverändert weiterläuft.
Das eigentliche politische Risiko für Merz liegt darin, dass die Zustimmung zu diesem historischen Schuldenpaket im März 2025 explizit mit dem Versprechen verkauft wurde, es werde Wachstum von bis zu ein bis zwei Prozentpunkten des BIP auslösen, wie es die Deutsche Bank und das #IfW Kiel in ihren Modellrechnungen prognostiziert hatten.
Bleibt dieses Wachstum aus, weil der Automobilsektor als traditioneller Wachstumsmotor gleichzeitig durch den chinesischen Wettbewerbsdruck wegbricht, steht Merz vor der Situation, dass er die größte schuldenfinanzierte Ausgabenwelle der Nachkriegsgeschichte verantwortet, ohne dass die zugesagte Wachstumsdividende eintritt, während die Zinslast strukturell weiterläuft.
Das wäre politisch schwerer zu vermitteln als die reine Schuldenaufnahme selbst, weil es die zentrale Rechtfertigung des gesamten Regimewechsels entwertet. #Sondervermögen